So, ihr Lieben, ich bin wieder da. D.h. in Spanien bin ich eigentlich schon seit einer Woche, aber irgendwie hatte ich diese Tage nicht die Muse zu schreiben oder mich irgendwie bemerkbar zu machen.
Die vergangene Woche habe ich nämlich in einer Art Wachkoma verbracht. Die Reise war doch ganz schön anstrengend und da wir erst am Sonntagnachmittag wieder zurück nach Valencia kamen, blieb dann auch keine Zeit mehr uns noch irgendwie auszuruhen.
Mein Schreibtisch glich am Montagmorgen dem Himalaya und bis ich mich durch all die Papiere durchgearbeitet hatte, war es auch schon Freitag. Abends fiel ich meist nur vollkommen erschöpft auf die Couch und schleppte mich dann von dort aus ins Bett.

Inzwischen ist mein Schreibtisch bis auf eine längere Übersetzung aber so gut wie leer. Chefe fährt Kreuz auf dem Mittelmeer und ist somit erstmal für eine Woche verschollen. Morgen beginnen die Sommerarbeitszeit und der Sommerschlussverkauf und hätten gestern nicht Spanien und Deutschland im Finale der Europameisterschaft gegeneinander gespielt, würde ich jetzt runter in die Cafeteria gehen um einen Kaffee zu trinken.
So aber habe ich darauf keine richtige Lust, denn von den ewigen Sticheleien habe ich mehr als nur genug. Ich meine, wenn ich mich wirklich dafür interessieren würde, hätte das ganze ja noch Sinn, aber ich habe das Spiel gestern ja nicht mal gesehen! Also was wollen die alle! Wenn es etwas auf dieser Welt gibt, das mich nicht interessiert, dann ist das Fussball!
Aber immer trifft es die Unschuldigen. Ich will ja gar niemanden was unterstellen, aber heute Morgen als ich in die Arbeit fahren wollte, hatte mein Auto einen Platten und das kommt mir doch sehr verdächtig vor. Wobei ich nicht ganz verstehe, warum irgendjemand Autoreifen zersticht (oder die Luft rauslässt), wenn er doch gewonnen hat. Ich meine, was hätten die dann erst mit meinem Auto gemacht, wenn Spanien gegen Deutschland verloren hätte?!!!

Na ja, wie auch immer. Jetzt werde ich erstmal die Fotos von der Reise auf den Computer runterladen und dann sehen wir weiter.

So, in drei Tagen geht es nun endlich los. Am Freitagmorgen steigen wir ins Flugzeug nach Delhi. Ich kann es kaum erwarten. Ich brauche Urlaub. Gaaaaanz dringend!
Dabei ist mir gerade eingefallen, dass ich auf meinem Computer noch einen Text über Kolumbien schlummern hatte, den ich eigentlich schon seit letzten Herbst fertig schreiben wollte, aber nie dazu gekommen bin. Nun, fertig wird er nun auch nicht mehr werden, aber wegschmeissen will ich ihn auch nicht, deshalb hier noch ein letzter Nachklang unseres vergangenen Urlaubs, bevor der neue zur Sprache kommt:

Um das Kapitel Kolumbien abzuschliessen… hier noch eine kleine Beschreibung unserer Reise.
Die ersten Tage verbrachten wir in Bogota damit Freunde, Bekannte sowie Verwandte auf- und heimzusuchen, und uns gezwungenermassen die Bäuche vollzuschlagen. July (die Schwester meines Schatzes) und ihr Zukünftiger, Maurice (auch der Joker genannt), waren allerdings sehr mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt, so dass wir doch ein paar Gelegenheiten hatten zu entkommen und die Stadt auf eigene Faust zu erkunden, durch Geschäfte zu stöbern, uns in den wahnwitzigen Verkehr zu werfen (der den Herrn an meiner Seite fast um den Verstand brachte und schwören lies, dass er niemals mehr in dieser Stadt leben könnte), Buseta zu fahren…

Seltsamerweise passte ich mich dieses Mal sofort an die neue Tageszeit an, von Jetlag keine Spur. Schatz erwischte es dafür umso heftiger. Na ja, er hatte auch die ganze Flugreise geschlafen, etwas, das man bei so einer Zeitverschiebung bei der man ganze sieben Stunden gewinnt, wirklich nicht tun sollte!
Gleich am Samstagabend entführte uns die Bande zu gross gewordener daueralkoholisierter Kinder (Schulfreunde meines Schatzes und alles Papi-Mami-Bübchen von denen keiner einen ordentlichen Job hat da die Eltern alle gut situiert sind) wie befürchtet geplant ins Andres Carne de Res (für Fotos auf das Boot klicken und dann auf das Herz “Paseo virtual”, da kann dann auf dem Plan der Bereich ausgewählt werden, den man sehen will)
Das ist ein in einer grossen alten Bretterbude untergebrachtes riesiges nächtliches Vergnügungslokal und der angesagteste Ort in Bogota überhaupt. Es wird gebrutzelt und gebraten, man kann an langen Holztischen superleckere Sachen essen und danach gleich dazwischen Tanzen. Alkohol fliesst in Strömen (hier bestellt man den Rum / Vodka / whatever in Flaschen, nicht in Gläsern). Es ist brechend voll und sowohl bei den jungen Hüpfern als auch älteren Generationen beliebt, die Musik ist Salsa, Merengue, Bachata, Vallenato etc. Da können alle Kolumbianer blind mitgrölen.
Gott sei Dank sind in Kolumbien die nächtlichen Ausgehzeiten etwas humaner als in Spanien. Man fäng um ca. 22:00 Uhr an zu tanzen und um 2-3 Uhr in der Früh ist Schluss (länger würde man diesen Alkoholkonsum auch gar nicht durchhalten, denke ich). Ich hielt mich jedenfalls wie immer tapfer und machte nach einem Mojito (Sandeimergrösse) Schluss, aber Schatz musste sich natürlich vor seinen Freunden beweisen und zeigen, dass er noch immer konnte. Was dazu führte dass er den grössten Teil des nächsten Tages im Bett und über der Kloschüssel verbrachte, sich bei Gott und allen Heiligen bedankend, dass er nach Europa ausgewandert, aus dem Einflusskreis seiner Kumpane ausgeschieden war und nicht jedes Wochenende so verbrachte.

Nachdem am Montag schliesslich meine Schwester (die Tierärztin) ankam, machten wir etwas Sightseeing, was in Bogota natürlich so Dinge wie die Plaza de Bolivar (der wichtigste Platz in der historischen Altstadt), la Candelaria (das alte Viertel), la Casa del Florero (dort wurde der Anstoss für die Kolumbianische Unabhängigkeit gegeben), la Casa de Bolivar (den Befreier vieler Südamerikanischer Staaten von der Spanischen Herrschaft), den Palast des Präsidenten, das Museo Botero (das dieses mal aber leider geschlossen hatte) und Montserrate einschliesst.
Montserrate ist einer der Berge die Bogota auf zwei Seiten umschliessen. Man kann mit einer Seilbahn oder einer Bergbahn hinauffahren. Oben ist eine Wallfahrtskirche zu der ständig Menschen pilgern. Früher war wohl auch alles voller Votivtafeln und Opfer wie Prothesen, Krücken etc. das wurde aber alles entfernt und nun gibt es nur noch einen Gang der ganz mit Steintafeln bedeckt ist, auf denen die Bittenden oder Dankenden ihre Nachricht hinterlassen können.
Es war eisig kalt und regnete schon den ganzen Tag, so dass wir uns schliesslich in eines der zwei berühmten Restaurants im Kolonialstil zurückzogen, von dem aus man einen ganz unglaublichen Ausblick über die Riesenstadt hat. Sie scheint sich wie zähflüssiger Schlamm oder Magma immer weiter in die Täler und Hügel auszubreiten,

Am Mittwoch nahmen wir dann ein Flugzeug nach Santa Marta. Das ist ein Ort der an der Karibikküste liegt, etwa 200 km östlich von Cartagena de Indias, ganz in der Nähe des Deltas des Magdalena Flusses und gleich neben dem Parque Tayrona mit seinem 4000 Meter hohen Gipfel der Sierra Nevada de Santa Barbara der direkt aus dem Meer herauswächst und immer verschneit ist. Ein seltsamer Anblick, wenn man auf Meereshöhe vor Hitze und Feuchtigkeit glaubt ganz einfach umzufallen und sich nie mehr weiterbewegen zu könnne.
Der Flug war recht spannend. Da es in Santa Marta gerade in Strömen regnete, konnte das Flugzeug nicht landen. Nasse Start-bzw. Landepisten sind No-go-areas für Flugzeuge in Kolumbien. Die kleinen Flughäfen haben nicht die geeignete Infrastruktur und bei oft kurzen Pisten sind Wasserpfützen ganz schön gefährlich. Der Pilot meinte wir würden noch gut eine halbe Stunde Runden drehen, und wenn sich dann nichts täte, würden wir auf den Flughafen von Baranquilla ausweichen.
Das Runden drehen an sich war bzgl. der Aussicht auf den Rio Magdalena die Wartezeit wert. Wir hatten ihn schon seit einer ganzen Weile verfolgen können, diese schlammig braune riesige breite Schlange die sich mit ihren tausenden Nebenarmen tief in das satte Grün des Jungels krallte, doch nun kam auch immer wieder das Delta in Sicht. So viel Wasser, unglaublich! Da sind der Rhein oder die Donau ein Rinnsal dagegen.
Leider sind so manche Kolumbianer unbelehrbar (weshalb mein Schatz immer wieder behauptet „por eso es que este pueblo se merecen su destino!“ – dass dieses Volk sich deshalb sein Schicksal ganz einfach verdient hat). Da kann der Pilot noch tausend mal sagen, die Handys sollen während dem Flug ausgeschalten werden, die Hälfte der Flugpassagiere hält sich nicht daran und ganz dreiste fingen auch noch an zu telefonieren, während wir über dem Gebiet von Santa Marta kreisten.
Bei sowas kann ich ja immer nicht an mich halten und muss solche Idioten darauf hinweisen, dass sie wenn sie schon lebensmüde sind, doch zumindest bitte alle anderen Passagiere des Flugzeuges aus dem Spiel lassen sollen. Es ist mir dabei schnurzegal wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Handysignal ein Flugzeug zum Absturz bringt. Ich bin mehrere Kilometer über dem Erdboden und da verstehe ich keinen Spass, nicht den geringsten! Die meisten Kolumbianer sahen mich nur verständnislos an und die wenigsten schalteten daraufhin ihr Handy aus oder machten zustimmende Kommentare. Woraufhin Schatz anfing überzukochen und sich in so eine erhitzte Diskusion mit dem gewissenlosen Telefonierer verstrickte, dass mir Angst und Bange wurde. Der Typ sah aus wie ein Mafioso und zum Schluss würde der noch einen Rachetrupp auf uns hetzen, sobald wir wieder auf dem Boden waren.

Aber wie durch ein Wunder landeten wir schliesslich gesund und sicher in Santa Marta. Kaum hatten wir das Flugzeug verlassen, empfing uns eine Schwüle die uns nicht nur sofort den Schweiss aus allen Poren sondern auch das Blut in den Kopf und die Fingerspitzen trieb. Wir taumelten nach draussen um uns ein Taxi zu suchen, dass uns nach Taganga (einem kleinen Fischerort schon fast im Parque Tayrona) bringen sollte.
Die Luft war voller Zikadengeschrei und ich meine hier nicht so niedliche Grillen. Wenn diese karibischen Zikaden mal so richtig loslegen, ist das ein ganz unglaublicher Lärm. Am Anfang dachte ich das wären schreiende Affen, ungelogen!
Hier war das Leben viel einfacher als in Bogota, schon auf der Hinfahrt durchquerten wir Viertel aus Bretterbuden, an strahlende Firmengebäude und florierende Industrien war gar nicht zu denken. Aber wenn man einmal ein paar Tage in diesem Klima verbracht hat, versteht man das auch vollkommen. Bei dieser Hitze und Feuchtigkeit ist es einfach gar nicht möglich zu arbeiten.
In Taganga hatten wir uns in einer Jugendherberge – La casa de Felipe – eingemietet die am Ende eines ungeteerten Weges etwas höher in den Hügeln die die Bucht von Taganga umfangen gelegen ist. Funktionell und sauber, allerdings wären Mückennetze an den Fenstern wünschenswert. Wir hatten ein Dreibettzimmer und ein eigenes Bad. Frühstück wurde angeboten, im Hof unter dichten grünen Mangobäumen hingen Hängematten zum relaxen. Jedem der auch ohne grossen Luxus seinen Urlaub geniesen kann, würde ich sie vorbehaltlos empfehlen. Die Gäste sind junge Leute aus aller Welt und vor allem viele Israelis. Am Anfang als wir durch das Dorf wanderten, wunderte ich mich, dass alle Schilder ausser in Spanisch auch auf Hebräisch verfasst waren. Einheimische klärten uns auf, dass Israelis die grösste Anzahl Touristen ausmachten und deshalb bereiteten sich selbst die winzigen Strassenverkäufer darauf vor. Ehrlich gesagt, erstaunte mich das etwas. Warum gerade Taganga? Warum interessiert sich der durchschnittliche israelische Jugendliche für ein Fischerkaff mit zwei Strassen irgendwo im Urwald an der kolumbianischen Küste? – Drogen, sagten die Einheimischen, die geben sich da den ultimativen Kick und probieren alles was zu haben ist. Hier darf man noch Hippie sein. Ein anderer flüsterte irgendwas von Waffenhandel etc., aber das will ich nicht so ganz glauben, da scheint mir die Hippietheorie doch wahrscheinlicher.
Taganga (Schwesterherz meinte, das klingt afrikanisch) ist schwer zu beschreiben. Unendlich viel Vegetation, grün wohin man blickt, bunte Farben und eine unglaubliche Relaxtheit.

Am ersten Tag zog es uns aufs Meer hinaus. Schatz hat ja den Open Waters aber ich … na ja, ich habe zwar schon öfters mal getaucht, aber keinen Schein oder sowas. Jedenfalls wagte ich mich trotzdem ca. 10 Meter unter die Wasseroberfläche, es ist immer wieder ein seltsames aber gleichzeitig auch berauschendes Gefühl sich plötzlich so vieldimensional bewegen zu können. Ein riesiges Aquarium ist das, nur mit Fischen die viel viel grösser sind und so bunt und so zutraulich. Sogar einen Stachelrochen habe ich gesehen, unten auf dem Meeresgrund, halb in den Sand eingewühlt. Meine Führerin und ich wagten uns nicht nah dran (ich bin doch nicht lebensmüde!) aber Schatz der eine etwas ausgefeilteren Tauchgang machte, erzählte nacher, dass er dem Meeresungeheuer ebenfalls begegnet wäre und dass sein Führer sogar eine Hand unter dessen Bauch beschoben hätte. Was bin ich froh, dass ich da nicht dabei war! Ich wäre vor Angst tausend Tode gestorben. Männer!
Schwesterherz zog es vor im Boot zu bleiben und mit dem Bootsführer zu flirten?!

Den zweiten Tag widmeten wir einer Wanderung durch den Parque Tayrona. Das bedeutete um 5 aufstehen. Um 6 holte uns unser Führer ab und eine Stunde später schnauften wir schon bergauf. Ich sag bloss 8 Uhr morgens und man hat schon das Gefühl man befände sich in einer Dampfsauna. Nach zehn Minuten waren wir vollkomen nassgeschwitzt. Wir liefen Stundenlang durch wuchernde wilde Wälder, sahen giftige Frösche, riesige Schmetterlinge und fliegende Heuschrecken so lang wie meine Hand, da duckt man sich freiwillig, das kann ich euch sagen, wenn so ein Teil angeknattert kommt. Irgendwann kamen wir an eine alte Indio-Siedlung, Pueblito, unglaubliche wenn auch im Vergleich zu den Mayas und Inkas wahrscheinlich einfache Konstruktionen. Strassen, Treppen, alles natürlich in Ruinen, aber man konnte sich den einstmaligen Glanz des Ortes durchaus vorstellen. Dort lebt auch noch eine Indio-Familie die von der kolumbianschen Regierung dafür bezahlt wird das ganze in Stand zu halten. Danach machten wir uns auf den Weg hinunter zum Meer. Er war vollkommen mit Steinen gepflastert, es gab Treppen, Brücken, alles halb verfallen, manchmal mussten wir schon abenteuerliche Klettermanöver hinlegen um so Unenbenheiten zu überwinden, aber es gibt doch zu denken, zu was diese Zivilisation, die von den Spaniern zumindest in Kolumbien fast vollkommen ausgerottet wurde alles konnte, wie fortschrittlich sie war.
Nun ja, auf diesem stundenlangen Weg hinunter zum Meer zerstörte Schatz jedenfalls Kamera Nummer Eins. Womit hier die digital verfügbaren Bilder aprupt aussetzten und das ist wirklich eine Schande, denn die Strände an die wir nach der Klettertour gelangten waren atemberaubend. Absolut genau so wie man sie von diesen Kalenderbildern paradisischer Lagunen kennt. Weisser Strand. Kristallklares blaues Meer. Kokospalmen die sich lang und hoch über den unberührten Sand beugen und Schatten spenden. Hätten wir nur mehr Zeit gehabt! Aber wir mussten weiter, wanderten jetzt an der Küste entlang, an immer neuen jungfräulichen Stränden vorbei. Irgendwo war ein winziger Campingplatz, aber er störte nicht. Es war nun so um 3 Uhr Nachmittags, die Hitze erdrückend. Und ich kann ja mit Hitze ganz schlecht umgehen. Als wir endlich an den Touristeneinrichtungen, Restaurant etc. ankamen, wo wir Mittag essen sollten, war mir schlecht, ich war obwohl ich auf dem Weg ganze 2 Liter getrunken hatte, vollkommen ausgetrocknet, wollte mich bloss noch in den Schatten legen und schlafen. Das tat ich schliesslich auch und war als wir eine Stunde später weiterwanderten erstaunlicherweise wieder vollkommen fit, dabei hatte ich schon schlimmes befürchtet. Wir machten uns also schliesslich auf dem Weg zu dem Punkt wo das Auto uns wieder abholen würde. Es war schon fast sechs als wir dort ankamen und wurde schon dunkel. Wir waren alle drei vollkommen erschöpft und wollten nur noch zurück ins Hostal, während sich der Fahrer und unsere Führer damit vergnügten Kokosnüsse zu sammeln.

Geh ich morgen in die Arbeit oder geh ich nicht?!
Ich steh wirklich vor einem Dilemma und weiß nicht, was ich tun soll.
Heute morgen hatten vier Finanzler und ich uns ja schon verabredet uns am Mittwoch um 7:30 an einem bestimmten Ort zu treffen und dann gemeinsam das Firmengelände zu betreten.
Doch dann gegen Mittag bekamen wir die Nachricht, dass die Geschäftsführung einen Vorschlag der Gewerkschaft, den Streik abzusagen falls diese Woche und nächste jeweils zwei Verhandlungen stattfinden würden, rundherum abgelehnt hatte.
Und da kochten die Gemüter natürlich hoch und es folgen Ausrufe wie: “Wie kann das Unternehmen das nur machen, wo es doch eigentlich den Streik mit allen Mitteln verhindern sollte! Und wir dachten die Geschäftsführung stünde auf unserer Seite!”
Dazu kann ich zwar nur sagen: Wacht auf ihr Idioten, die Geschäftsführung steht nur auf ihrer eigenen Seite, ihr seid ihr sch… egal.
Aber das Resultat war, dass nun die meisten White Collars (darunter alle Finanzler) morgen ebenfalls nicht kommen werden. Sie werden sich zwar nicht vor die Tore stellen um zu streiken (denn gegen den Betriebsrat sind sie ja auch), aber zur Arbeit werden sie nicht erscheinen.

Die Frage ist nun nur: Was macht Azahar?
- Ich bin immer noch der Meinung, das man mit Streik gar nichts erreicht, außer die Fronten zu verhärten.
- Mir ist aber auch klar, dass sowohl Geschäftsführung wie Betriebsrat mit uns spielen, und diese Tatsache macht mich unendlich wütend, denn ich hasse es, wenn man mich als Spielstein benutzt.
- Wenn man die Vertreter der jeweiligen Streitpartei so reden hört, könnte man glauben sie würden in zwei verschiedenen Verhandlungen sitzen, in denen über total verschiedene Themen gesprochen wird und die zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
- Ich habe keinen Bock das morgige Gehalt zu verlieren.
- Ich habe ehrlich gesagt aber noch viel weniger Bock alleine durch ein Spalier von ca. 100 Männern! zu laufen, die mich anpöbeln und mir unangenehme Dinge hinterherschreien, mit denen ich dann vielleicht sogar noch diskutieren muss, dass sie mich durch die Tür lassen und von denen ich die nächsten Monate noch genau die gleiche Verhaltensweise erwarten kann.
- Chefe habe ich heute Abend, bevor ich aus dem Büro ging, gesagt, ich wüsste noch nicht genau, ob ich morgen kommen würde, ich müsste mir das noch überlegen. Ich stünde zwar auf keiner Seite, aber ich hätte keine Lust hier alleine rumzusitzen und mir nachher das Leben schwer zu machen. Wenn er (der übrigens den ganzen Tag bei Delikatesshäppchen, Kaffee und Kuchen in einer Konferenz in einem Hotel sitzen wird) irgendetwas von mir bräuchte, stünde ich ihm aber, falls ich nicht ins Büro kommen sollte, jederzeit per Telefon und E-mail zur Verfügung, er hätte ja (leider) alle meine Telefonnummern und ich hätte den Computer zu Hause angeschalten.
- Chefe meinte, ob jemand bei einem Streik kommt, hängt nicht davon ab, ob die anderen auch kommen, sondern von seiner eigenen Überzeugung (das ist mir klar, Idiot! Aber was, wenn ich keine Wahl habe?), und jeder der auf das Firmengelände wolle, würde auch reinkommen, man könne ja auch die Polizei rufen (Frage: muss ich rechtlich wirklich all diese Anstrengungen auf mich nehmen, um zur Arbeit zu kommen? Wäre das nicht eher Aufgabe der Firma allen Arbeitern die kommen wollen, die Möglichkeit zu geben und ihnen das ganze vor allem zu erleichtern?) Schließlich fühlte er sich aber anscheinend genötigt, sich bei mir für mein Angebot, ihm arbeitstechnisch zur Verfügung zu stehen, selbst wenn ich nicht ins Büro kommen sollte, zu bedanken. Und wirklich böse schien er mir auch nicht zu sein.
- Danach war ich fest entschlossen nicht in die Arbeit zu gehen.
- Aber jetzt zu Hause, nachdem ich mit dem Herrn an meiner Seite darüber gesprochen habe, habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, denn er meint, ich darf mir das von den Blue Collars doch nicht gefallen lassen, ich habe alles Recht der Welt dazu auf meinen Arbeitsplatz zu gehen. Er an meiner Stelle, würde auf jeden Fall zur Arbeit gehen, das käme auch vor meinem Chef um einiges besser.
- Und die letzte zu bedenkende Tatsache: Wer sagt, dass die Finanzler morgen nicht doch Schiss kriegen und einer nach dem anderen im Büro erscheint und ich schließlich die einzige Dumme bin, die zu Hause bleibt? Die Tussi z.B. wollte sich ja nicht so recht entscheiden bevor sie ging.

Ach, ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Immerhin hatte ich ja auch vor, meinem Chef demnächst (na ja, sollte der Tarifvertrag irgendwann einmal abgeschlossen werden) um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Aber dafür zu Kriechen, hab ich auch keine Lust.
Schatz meinte, wir könnten morgen früh ja vorbeifahren und uns die Situation ansehen. Das werde ich wohl auch tun, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das meine Entscheidung auf irgendeine Weise erleichtern wird.

Kann es sein, dass ich mir darüber zu sehr den Kopf zerbreche? Ich hab da wirklich gerade ein Karussell drin.

Auf der Bühne des täglichen Dramas ist der Teufel los. Unruhig war es zwar schon seit Anfang des Jahres, aber nun steht die kritische Masse (der ich nicht besonders wohlgesinnt bin) kurz vor der Explosion.
Seit Januar wird nämlich ein neuer Tarifvertrag verhandelt.
Arbeitgeber gegen Arbeitnehmervertreter (= Betriebsrat = Gewerkschaft).

Das Problem in unserer Firma ist, dass zwischen den Arbeitern in der Produktion - Blue Collars (absolute Mehrheit/”kritische Masse” - wobei die Betonung auf Masse liegt und kritisch im Sinne von gefährlich verstanden werden sollte) und denen im technischen und administrativen Bereich - White Collars (kaum wahrnehmbare Minderheit) seit jeher ein tiefer Graben verläuft und der Betriebsrat, der eigentlich auch Vertreter aus der Minderheit der White Collars enthalten sollte, das faktisch nicht tut.

Alle bisherigen Tarifverträge klammerten die White Collars bei den meisten Vergünstigungen, Bonuszahlungen, etc. großzügig aus. Es war ja auch niemand da, der ihre Rechte verteidigt hätte. Die Geschäftsführung freute sich und dem Betriebsrat war es ganz einfach wurscht, so lange er für sich und die seinen alles unter Dach und Fach bringen konnte.

Doch nun hat sich einiges geändert. Unter den White Collars hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die sich das nicht gefallen lassen will und auch die Firma hat verstanden, dass ein Unternehmen, das wie eine Zweiklassengesellschaft bzgl. Bezahlung etc. funktioniert, niemals im vorgesehenen modernen Sinne wachsen kann. Sprich Teamarbeit etc.

Fakt ist, dass die meisten (wenn nicht alle) Blue Collars wesentlich höhere Gehälter haben als die White Collars (Chefs und Abteilungsleiter mal ausgenommen), und zudem noch durch großteils erschwindelte Bonuszahlungen (es gibt ein ganzes Handbuch mit Tipps und Tricks, wie das System, das die tatsächliche Produktivität eines jeden Arbeiters kontrollieren soll, umgangen werden kann, so dass alle normalerweise jeden Monat den Maximalbonus mitnehmen, egal ob sie wirklich arbeiten oder nur Däumchen drehen) kräftig absahnen.

Wie es dazu kam, ist eine lange Geschichte, die aber wohl im großen und ganzen auf eine Anhäufung von Fehlern vorheriger Geschäftsführungen zurückzuführen ist, die sich, als das Unternehmen noch florierte, zu unüberlegten Zugeständnissen hinreißen ließen, mit denen sie glaubten die Arbeitnehmer ruhig halten zu können. Heutzutage ist es m.E. nur noch eine Frage der Zeit, bis unser Mutterhaus uns hier den den Strom abdreht und wir alle nach Hause gehen können.

Das wollen die Leute aus dem Betriebsrat (und somit alle B.C., denn der seit heiligen Zeiten Vorsitzende des Betriebsrat ist für sie sowas wie ein Messias) aber nicht verstehen.
Ich kann ja noch nachvollziehen, dass sie der Geschäftsführung nicht glauben, aber dass sie die Erklärungen niederer Sachbearbeiter aus der Buchhaltung, die genau so viel (wenn nicht sogar mehr) zu verlieren haben wie sie selbst, als Unsinn abtun, will mir einfach nicht in den Kopf.

Die Forderungen des Betriebsrats sind vollkommen unrealistisch und selbst aus meiner Sicht, die ich kein Finanzler bin, von der Firma nicht tragbar. Das wäre vielleicht drei Monate lang zu bezahlen, danach aus die Maus. Apagamos y nos vamos.

Die Verhandlungen verliefen entsprechend zäh und die Firma musste sogar schließlich ihr Modell eines abteilungsübergreifenden Bonussystems, das die Gesamtproduktivität als Ausgangspunkt gehabt hätte, zurücknehmen, da sich der Betriebsrat absolut querstellte. - Offensichtlich, denn in diesem Modell wären all die kleinen Schwindeleien nicht mehr möglich gewesen. Und die Leute, die den Tag bisher mit Nichtstun verbringen, hätten wirklich arbeiten müssen um ihren Kollegen, die sich einbringen und ihre Arbeit ernst nehmen, nicht den Bonus zu versauern.

Außerdem wären die White Collars in diesem Bonussystem mit dabei gewesen! Das stieß den Blue Collars aber erst recht sauer auf, da sie der Meinung sind, dass sie die einzigen in der Firma sind, die etwas tun, und dass man auf uns genau so gut verzichten könnte.
Kein Kommentar.
Bei ihren Verbesserungsvorschlägen für den bisherigen Tarifvertrag, waren auch nur Gehaltserhöhungen für Blue Collars vorgesehen.

Seit Wochen hängt nun schon das Gespenst Streik in der Luft, der Betriebsrat hat es mehrmals angedroht. Allerdings verstehe ich nicht ganz mit welcher Rechtfertigung, denn eine Verhandlung ist eine Verhandlung und nicht ein festes Bestehen auf der eigenen Position. Die einzigen die bis jetzt in bestimmten Punkten (die m.E. eigentlich sinnvolle gewesen wären) nachgegeben haben, ist das Unternehmen.

Heute morgen nun hat der Betriebsrat Streik für nächsten Mittwoch angekündigt, über den heute Mittag alle Arbeitnehmer abstimmen sollten.
Für die meisten White Collars ist klar, sie wollen keinen Streik. Erstens sind noch lange nicht alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. d.h. es wurde bis auf wenige Artikel noch so gut wie gar nichts verhandelt (und das in fast 5 Monaten!), zweitens sind sie nicht bereit einen Teil ihres Gehalts für nichts zu verlieren.
Die Blue Collars können die verlorenen Tage Gehalt leicht wieder reinholen, denn schon aus Produktionsgründen werden sie nach dem Streik Extrastunden machen müssen oder wochends arbeiten (wobei sie wieder saftige Extras kassieren), die White Collars (für die Überstunden theoretisch nicht existieren) dagegen, werden ihr Gehalt verlieren und zudem noch schuften müssen wie blöd um die liegengebliebene Arbeit nachzuholen.

Die Antwort des Betriebsrats auf unsere Argumente war nur, dass wir zwar gegen Streik stimmen könnten, aber da wir ja in einer Demokratie leben, trotzdem die Meinung der Mehrheit achten müssten, ja wir hätten sogar eine moralische Verpflichtung dazu unseren Kollegen beizustehen und an dem Streik teilzunehmen. Wer dazu nicht bereit wäre, solle doch bitte erst gar nicht auf der Versammlung erscheinen.
Von wegen Demokratie! Die Abstimmung verläuft ja nicht mal geheim!

Die meisten White Collars taten schließlich auch genau das, sie erschienen nicht, und es ist ihnen nicht zu verdenken. Bei ähnlichen Situationen in der Vergangenheit gab es genug zerstochene Reifen und verkratzte Autos. Und noch Monate nach dem Ereignis wurde den Personen, die gegen Streik waren oder gar versuchten trotzdem zur Arbeit zu gehen, das Leben schwer gemacht.
Die Blue Collars stimmten natürlich geschlossen für Streik. Von den wenigen White Collars, die schließlich auf die Versammlung gingen, stimmten 4 dagegen und 4 enthielten sich der Abstimmung.

Ich war leider bei denen, die auf die Versammlung gingen und dagegen stimmten. Im Moment zweifle ich schwer an meiner Entscheidung. Aber wenn mich jemand einschüchtern will, reagiere ich automatisch kratzbürstig. Leben wir nun in einer Demokratie oder nicht?! Dass ich trotz Streik zur Arbeit gekommen wäre, war eh klar, aber im Moment habe ich das Gefühl, ich hätte sie nicht auch noch provozieren müssen, denn sie haben ja klar gesagt, wenn ihr nicht streiken wollte, tut es, aber erscheint dann bitte nicht zur Abstimmung. Natürlich ist das absoluter Unsinn (denn für was ist die Abstimmung bitte da?) und das undemokratischste, was ich jemals gehört habe, aber einer aufgewiegelten Masse ist das vollkommen egal.
Verdammt, ich hätte mich wirklich raushalten sollen! Schon deshalb weil ich eh zwischen den Stühlen sitze. Chefe zitierte mich heute Abend auch in sein Büro und wollte aus meinem Munde ein bisschen was über die Stimmung im Unternehmen hören.
Die meisten Blue Collars halten mich eh für einen Spion, deshalb halte ich auf Versammlungen auch meistens den Mund, denn meine Meinung (die in bestimmten Dingen, und das gebe ich gerne zu, sehr nahe bei der der Geschäftsführung liegt) wollen sie eh nicht hören und ich will ihrem Verdacht nicht noch mehr Nahrung geben.
Wie konnte ich nur vergessen, dass das Schweigen die größte Tugend einer Chefsekretärin ist!

Juhu! Endlich habe ich einen neuen Computer (Flachbildschirm etc. inkl.)! Heute Nachmittag haben die Informatiker den alten Reaktor, den ich da neben meinem Schreibtisch stehen hatte, stillgelegt.

Chefe streunte natürlich auch gleich ein paar Runden um meinen Arbeitsplatz herum um alles zu begutachten.
“Der Bildschirm ist aber grösser als meiner”, meinte er schließlich zum Leih-Informatiker, der gerade noch dabei war verschiedene Programme aufzuspielen.
Der hob die Schultern. “Kann sein…”
Chefe zog ab, aber die ganze Sache ließ ihm anscheinend keine Ruhe, denn in den nächsten paar Minuten kam er immer wieder wie zufällig vorbeigeschlendert und machte Bemerkungen zu Zollangaben, Auflösung etc.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus, stürzte in sein Büro, man hörte ihn in Schubladen wühlen, Schranktüren aufreißen, und wenig später stand er mit einem Lineal in der Hand vor uns und begann unter den ungläubigen Blicken des Leih-Informatikers meinen neuen Bildschirm auszumessen.
“Ha! 5 Zentimeter!”, triumphierte er.
Der Informatiker sah ihn irritiert an. “Wie gesagt, kann sein, deiner ist dann wohl einer mit 17 Zoll.”
Chefe, seinen Unmut nur mit Mühe hinter einem scherzenden Tonfall verbergend: “Das geht aber nicht, dass ich einen kleineren habe, ich meine, für irgendwas bin ich der Chef, oder?”
Chefe ab.

Kurz darauf wünschte Chefe Alcatone unter vier Augen zu sprechen.
Und am späten Nachmittag kam der Leih-Informatiker mit einer großen Schachtel in den Armen wieder zu uns ins Büro.
Ihr könnt euch vorstellen was drin war.

Am Freitag ging ein einwöchiges Kaizen für Angestellte aus der Produktion zu Ende, und wie das so Tradition ist, wurde mittags Catering bestellt. Die dazugehörigen Getränke spendierte Azahars Kaffeeküche, die ich den zwei Jungs aus der Produktion, die sich darum kümmern wollten Coca Cola, Wasser etc. rüber in den grossen Saal zu schaffen, dann auch kurz vor 14:00 aufsperrte.
Ihr Blick wurde natürlich sofort und noch vor allem anderen von der Sektflasche gefangen genommen, die schon seit heiligen Zeiten auf der Anrichte der Küche steht.
„Boa, da ist ja Sekt! Damit können wir jetzt gleich anstossen!“, meinten sie.
Ich nahm das natürlich nicht ernst und antwortete bloss: „Was wollt ihr denn damit, der ist ja nicht mal kalt“, liess sie ihr Zeug zusammenraffen und scheuchte sie wieder nach draussen.
Alkohol ist bei uns in der Firma eigentlich verboten. Ausnahmen sind äusserst wichtige Anlässe, wie Staatsempfänge z.B., aber so einer hat zumindest in den vier Jahren die ich hier bin, noch nicht stattgefunden. Deshalb nehme ich an, dass diese Flasche Sekt noch aus den Zeiten vor der spanischen Demokratie stammt oder irgendein vergessenes und nicht ausgelostes Weihnachtspräsent eines Lieferanten ist.
Nun gut, heute morgen als ich in die Küche kam um Chefes tägliches Wasser zu holen, sah ich auf den ersten Blick, die Flasche Sekt war nicht mehr da.

Ich könnte mich natürlich irren, aber zumindest für mich sind die Verdächtigen klar. Nicht, dass es mich gross jucken würde, ob die Leute hier irgendwas mitgehen lassen, ich meine, niemand ist frei von Schuld, auch ich habe schon persönliche Dokumente hier in der Firma ausgedruckt oder kopiert etc., aber irgendwie finde ich das nun doch ziemlich dreist.
Vor allem deshalb, weil das ganze am Ende auf irgendeine Weise wieder auf mich zurückfällt. Was wollen wir wetten, dass Chefe in den nächsten Tagen plötzlich ankommt: Du, in einer Stunde kommt Mr. XY Hohes Tier vorbei, stell doch mal kurz den Sekt kalt. Was wollen wir wetten?!

Monseñor und ich haben ja unser persönliches Stimmungsbarometer (Angaben auf einer Skala von 1 bis 10), das mindestens einmal am Tag ausgewertet wird.
Heute steht es (wenn auch aus verschiedenen Gründen) schlimm um uns, denn die Skala reicht nicht mehr aus um unser Befinden anzugeben.
Monseñor ist O-Ton “hasta los cojones (excuse my French)”
Und ich? Ich warte darauf, dass der Tag irgendwie vorbeigeht.

Dieser frustrierenden Vollzeitbeschäftigung habe ich mich auch schon gestern ohne grossen Erfolg gewidmet. Es gibt einfach zu viele Dinge, die getan werden wollen, denen ich aber so gar keinen Enthusiasmus entgegenbringen kann. Allen voran die Übersetzung einer 13 seitigen Berufung gegen ein Gerichtsurteils vom Katalanischen ins Englische. Seit gestern Nachmittag quäle ich mich unsäglich langsam und von vielen Pausen (Internet, Kaffee, Rechnungen einbuchen, Papiere ordnen, mit China telefonieren, noch nicht fällige Berichte zusammenstellen) unterbrochen von einem Satz zum nächsten.

Que passo a formalitzar el recurs de Suplicació anunciat en el seu dia, contra la Sentència dictada per l’esmentat Jutjat Social, en les referides actuacions.

Sorry, aber ich finde die katalanische Sprache einfach furchtbar. Mir kommt es immer so vor, als hätte da jemand aus reiner Böswilligkeit das Spanische entstellt und dann eine ganze Region dazu gezwungen, diese Wortklumpen so auszusprechen als würden sie gerade ihre eigene Zunge verschlucken.
Ja, ich weiss, alle Sprachen haben ihre Daseinsberechtigung und sind eine kulturelle Bereicherung, aber nicht so lange ich damit belästigt werde!
Ständig pochen die Katalanen darauf, dass sie eine eigene Sprache haben, aber gleichzeitig setzen sie automatisch voraus, dass man perfekt Katalanisch versteht, wenn man Spanisch kann, so als obs die selbe Sprache wäre.
Opportunisten! Ihr dreht euch doch auch nur nach dem Wind!

Ganz abgesehen davon hab ich mal wieder null Bock auf gar nichts. Arbeit ist doch die reine Zeitverschwendung! Ich hätte zu Hause so viel zu tun! Bin nämlich gerade dabei eine ordentliche Grundstruktur für den Roman, den ich mit meinem Romanprojekt (das spätestens nächste Woche wieder online ist, versprochen, hoch und heilig, wirklich, echt und ganz ehrlich!) angefangen habe, auszuarbeiten. Komplexe vielschichtige Figuren mit Vergangenheit, Konflikte, kausale Zusammenhänge…
Dieser ganzen Theorie habe ich mich ja bis jetzt immer verschlossen, da ich mir dachte, die Geschichten erzählen sich schon von selbst und man lernt die Figuren auch als Autor erst so nach und nach kennen. Teilweise ist das natürlich so, aber eben nur teilweise.
Doch nachdem ich mich in den letzten Wochen eingehender damit beschäftigt habe, ist mir klar geworden, was ich bisher alles verpasst habe und vor allem welche Probleme ich mir selbst hätte ersparen können, wenn ich von vorn herein… Aber wie heisst es so schön? Hochmut kommt vor dem Fall.
Über den ganzen Prozess mehr im dazugehörigen Blog. Nächste Woche! Wie gesagt…

Vorher muss ich mir noch einen Teil der Doktorarbeit meiner kleinen Schwester reinziehen und vor allem korrigieren. Es geht dabei um Tests die einen bestimmten Virus im Blut von Vögeln nachweisen bzw. Impferfolge bestätigen sollen.
Na ja, Begriffe wie Enzyme-linked immunosorbent assay oder Haemagglutination inhibition Test, liegen mir immerhin mehr als das verschnörkelte Gebrabbel der Juristen.

Kennt ihr das auch? Da wacht man am Morgen auf und hat das Gefühl, irgendjemand hätte nachts, klick, einen Schalter im eigenen Körper umgelegt und plötzlich ist alles irrsinnig langsam. Man kommt einfach nicht von der Stelle, braucht ewig um zu duschen, um sich anzuziehen, um zu frühstücken, so als wäre man plötzlich auf slow-motion, camera lenta, Zeitlupe gestellt. Oder würde, wie das bei den alten Plattenspielern ging, in der falschen Geschwindigkeit laufen.

Nebenbei möchte ich anmerken, dass ich auf der Suche nach dem deutschen Wort für slow-motion, bzw. camera lenta (langsame Kamera), die erstaunte Feststellung machte, dass Zeitlupe wirklich ein ganz wunderbar kreatives Wort ist. Man nimmt die Zeit unter die Lupe. Das scheint so viel mehr auszusagen als die englische bzw. spanische Entsprechung. Umso weniger ich sie benutze desto interessanter, liebenswerter und reichhaltiger erscheint mir die deutsche Sprache.

Danach war ich heute Morgen erstmal schlecht gelaunt und machte mich in biestiger Stimmung auf in die Arbeit. Die Zähigkeit liess sich zwar auch im Laufe des Tages nicht aus meinem Körper verscheuchen, aber Paqui!!! die mir kaum, dass ich das Firmengebäude betreten hatte, strahlend eine Tüte mit Magdalenas (eine Art kleiner Muffins) entgegenhielt, und Hansi, der mir per Boten eine handschriftliche Notiz zukommen liess – Mission erledigt – heiterten mich doch etwas auf.

Endlich habe ich auch den ganzen Papierkram für Chefes China-Visum beisammen. Das war ein Act! Wirklich, ich verstehe die Chinesen nicht. So als ob irgendjemand aus Europa scharf darauf wäre illegal nach China einzuwandern um dort zu arbeiten. Niemand der bei gesundem Verstand ist, würde freiwillig nach China gehen!
Aber wie alle Diktaturen sind natürlich auch die Chinesen Kontrollfreaks, was will man machen. Inzwischen bin ich mir vollkommen sicher, dass alle E-mails an chinesische Adressen durch strenge Filter geschickt werden und wenn nur irgendein verdächtiges, subversives oder regimeunkonformes Wort dabei ist, bekommt der Empfänger die Nachricht niemals zu lesen.
Ein paar mal in den vergangenen zwei Wochen, hätte ich am liebsten geweint. Das ist so frustrierend! Wie soll man bei diesen Zuständen ordentlich arbeiten? Ich wollte den Leuten dort in China, doch nur eine Kopie von Chefes Pass schicken, damit sie das Einladungsschreiben verfassen könnten! Wir telefonierten, wir faxten, aber die e-mails kamen einfach nicht durch.
Nun, schliesslich habe ich jedenfalls herausgefunden, dass e-mails die einen absolut unsinnigen Betreff haben, wie z.B. xyadjooaeajees20934, den Filter fast immer passieren. Juhu! Der Wahnsinn siegt, - wie immer.

Was kommt dabei raus, wenn ein Spanier, der Deutsch lernt (in diesem konkreten Fall der Schlumpf), sagen will:
Ich versuche sie zum Schweigen zu bringen?

- Ich versuche ihren Mund halten lassen.

Süss. :-D

Gestern hat Chefe sein heiss ersehntes Blackberry bekommen.
Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen.

Ich finde auf solchen Geräten sollten Warnhinweise draufstehen, wie:
Achtung, für Schnurrbärte nicht geeignet!
Oder:
Ausgabe an hyperaktive, technikunbegabte Chefs strengstens verboten!

Wenn er mir die Gebrauchsanleitung schon zum Lesen gibt, dann sollte er mir doch zumindest glauben, wenn ich ihm danach etwas erkläre. Aber nein, was in der Gebrauchsanleitung steht, sind ja sicherlich nur vage und vor allem exzessive Vorgaben! Das ganze muss doch eigentlich auch funktionieren indem man es nur einschaltet.
Aber ja.
Und sich dann aufregen, wenn nichts so funktioniert wie er will.

Nein, das tu ich mir nicht noch eine Sekunde länger an! Heute morgen habe ich Alcatone angerufen, er soll sich doch bitte drum kümmern. Wer bin ich denn?!

Fies bin ich, ich weiss.
Jetzt sitzt Alcatone nämlich schon gute zwei Stunden da nebenan bei Chefe und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Ich glaube ich sollte schon mal meine Notfallbonbons hervorkramen. Irgendwo habe ich doch auch noch einen Schokoriegel. Alcatone ist zwar sehr auf seine schlanke, sportliche Linie bedacht, aber ich glaube, sollte er es heute noch irgndwann schaffen, wieder einen Fuss aus diesem Büro zu setzen, wird er das brauchen.
Na ja, wenn er mich nicht vorher zusammenschlägt…

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