Wenn ich es mir genau überlege sind im Gegensatz zum Spanischen die Dialekte im Deutschen schon ziemlich heftig. Im gesammten spanischsprachigen Gebiet auf der Welt, kann man eigentlich alle Regionen und Nationen noch relativ gut verstehen, selbst dann wenn man keine Vorbildung im jeweiligen lokalen Dialekt genossen hat.
Da werden höchstens mal Buchstaben verschluckt, wie z.B. in Andalusien, wo man grundsätzlich was gegen Wortendung zu haben scheint (Andaluz wird zu Andalu oder vamos zu vamo), oder irgendein Laut wird anders ausgesprochen, wie z.B. in Argentinien, wo das ll nicht wie „j“ klingt sondern wie „sch“.
Aber im Deutschen, wo selbst Deutsche bei einem nicht gewohnten Dialekt sehr schnell kapitulieren, haben Ausländer überhaupt keine Chance.
Wie soll man einem Studenten der deutschen Sprache auch logisch erklären, dass z.B. die Bayern sowas wie einen Umlaut nur vom Hörensagen kennen, viel lieber Vokalkombinationen benutzen und diese auch noch ohne jeden Sinn und Regel anwenden.
Nehmen wir nur mal das bei spanischsprachigen Deutschlernenden so beliebte Ü:
grün wird zu grea
Mühe wird zu Miah
Gefühl zu Gfui
Na, Prost Mahlzeit!
Spanien kann sich dafür rühmen vier offizielle Sprachen zu haben. Richtige Sprachen! Und nicht nur popelige Dialekte.
Spanisch (Castellano), Katalanisch / Valenzianisch (Catalan / Valenciano), Baskisch (Vasco bzw. Euskera) und Galizisch (Gallego).
Katalanisch und Valenzianisch sind bis auf ein paar Wörter eigentlich vollkommen gleich und eine Mischung aus Spanisch und Französisch.
Hier bei uns sieht man im Moment überall weihnachtlichen Lichterschmuck der einem „Bon Nadal“ entgegenschreit. Bedeutet „Frohe Weihnachten“ und würde auf Spanisch „Feliz Navidad“ heissen.
In Katalunien ist Katalanisch meiner Meinung nach eigentlich die erste Amtssprache, denn ohne ist man wenn man dort arbeiten und Freunde finden will, ziemlich verloren. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung.
In der Comunidad Valenciana dagegen kann man perfekt ohne Valenzianisch durchs Leben schreiten, hier sind die Leute bis auf ein paar Fundamentalisten durch und durch Spanier.
Galizisch ist eine Mischung aus Spanisch und Portugisisch. Wird in Galizien auch gesprochen, aber die Leute dort machen kein solches Theater daraus wie die Katalanen und reagieren sehr verständnisvoll, wenn jemand von ausserhalb kommt und halt „nur“ Spanisch kann.
Baskisch wird ausserhalb der kleinen Dörfer kaum richtig gesprochen wie mir scheint, obwohl es an den Schulen im Baskenland unterrichtet wird. Manche behaupte sogar, dass die Sprach noch vor gut 50 Jahren eigentlich ausgestorben war und künstlich wieder aus der Versenkung geholt bzw. teilweise neu erfunden wurde.
Verwandtschaftsbeziehungen zu Spanisch oder irgendeiner anderen europäischen Sprache kann man lange suchen. Gibts nicht. Selbst hier in Spanien kursieren wilde Annahmen, so habe ich z.B. schon gehört, dass das Baskische in der Satzstruktur angeblich eine gewisse Verbindung zum Finnischen, Ungarischen oder Japanischen hätte.
November 29, 2007 at 5:38
…spreche aus leidvoller Erfahrung…
Das Gefühl kennen wir. Obwohl wir sehr gut
Spanisch sprechen/sprachen, haben wir bei einer Führung in einer Krokodilfarm südlich von Màlaga nur Bahnhof und Abfahrt verstanden. Es war der 1. Mai, nur Mütter mit ihren Kindern und wir beide Nordlichter. Der Führer entschuldigte sich nach einer Weile und rief einen Kollegen. Der stammte aus Madrid, hatte ein abgeschlossenes Universitätsstudium hinter sich, sprach perfekt Englisch und Französisch, freute sich aber, sich mit uns in Spanisch unterhalten zu können, was nach dieser Erfahrung, auf Gegenseitigkeit beruhte.
Man schaut schon ziemlich blöd aus der Wäsche, wenn man in Spanien mit seinem Spanisch absolut nichts versteht.
Lieben Gruß und danke für den leerreichen
Sprachunterricht.
Curt
November 30, 2007 at 9:31
@ manacur
Krokodilfarm?! Wo treibst du dich denn überall rum!
Ja, das mit den Dialekten ist schon schwierig. Wenn man es einmal am eigenen Leib erlebt hat, kann man sich gut vorstellen, was Ausländer hier in Deutschland durchmachen.
Dezember 7, 2007 at 12:37
Die deutschen Dialekte sind viel schlimmer. Ich brauch schon fürs bayrische Fernsehen meistens die Untertitel für Hörgeschädigte.
Ein Beitrag zur Sprachforschung: Das Baskische soll, habe ich gelesen, mit dem Sanskrit verwandt sein. Jedenfalls mit keiner europäischen Sprache.
Schönen Gruß vom schmollfisch!
(Das ist die Zefira aus dem Sprachnest!)
Dezember 7, 2007 at 3:15
@ schmollfisch
Die Deutschen Dialekte sind wirklich schon fast Sprachen für siche!
Danke fürs Vorbeischaun! *freu*
Ich habe einmal Urlaub an der Ostsee gemacht und mir haben die Ohren geschlackert
Vom Sanskrit… Warum nicht!
Habe mal einen ziemlich abgedrehten Science Fiction Roman von einem Russen gelesen, der hat das Baskische mit verschieden anderen isolierten Sprachen verglichen und daraus eine sehr abenteuerliche Theorie gebasltelt. Ob sies wohl jemals rausfinden werden?
Dezember 7, 2007 at 9:25
Kann es sein, dass das Stanislaw Lem war?
Hehe, da hab ich auch noch eine abgedrehte Info:
Es gibt von Hector Berlioz eine Opern-Bearbeitung des Faust-Themas. „La Damnation de Faust“. Es sind nur einige Ausschnitte aus dem Original-Faust, mit Liedern hauptsächlich, aber musikalisch ein Hochgenuss. Am Ende kommt da eine Höllenszene, Fausts Höllenfahrt, für die hat Berlioz extra eine Höllensprache erfunden. Die klingt extrem nach Baskisch! (Es ist aber kein Baskisch, klingt nur so.)
Dezember 9, 2007 at 12:10
@ schmollfisch
nein, der hiess anders. *grübel* mal schaun ob ich das Buch irgendwo wiederfinde.
bzgl. Berlioz: Ich natürlich gleich mal ab nach Youtube.
Auf jeden Fall ein Genuss für die Ohren!!!