Endlich habe ich jemanden gefunden dem deutsche Weihnachtssüssigkeiten schmecken!
Ich hatte heute eine Packung mit Zimtsternen dabei und Monseñor entdeckte sie natürlich sofort: „Was ist denn das? Sind das Kekse? Darf ich mal probieren?“
Bevor ich überhaupt etwas antworten konnte, hielt er die Schachtel auch schon in den Händen. – Das kleine Leckermäulchen.
Natürlich durfte er probieren, und zu meinem Erstaunen war er begeistert. Drehte immer wieder Extrarunden in Karte Kids Büro und bat auf dem Rückweg um mehr „Kekse“ wie er sie nannte.

Schliesslich so gegen vier, die Packung war schon fast leer, meinte er: „Isst du das noch?“
Ich musste lachen. „Ne, nimm sie ruhig mit.“
Und er nahm die Schachtel tatsächlich mit. (Meine Hüften haben es ihm gedankt.)

Andererseits ist es bei Monseñor nicht wirklich aussergewöhnlich, dass ihm das Zeug schmeckt. Er ist eh ein komischer Spanier. So richtig aufgeschlossen und weltbewandert. Er reist gerne in fremde Länder und ist an allem ausländischen interessiert. Ich habe aus seinem Mund noch nie etwas Abfälliges über Araber, Schwarze, Asiaten oder Südamerikaner gehört. Er geht sogar alleine, ohne südamerikanische Begleitung oder vorgehaltene Waffe, in das kolumbianische „Restaurant“ das auch Schatz und ich öfter frequentieren, weil er das Essen dort so toll findet. Ausser ihm habe ich dort noch nie einen Spanier gesehen.

Von ihm habe ich mir auch noch nie diese typischen selbstgefälligen Sprüche die alle Spanier früher oder später hervorbringen, anhören müssen.
Das läuft meist ungefähr gleich ab und ist mir schon hundert mal passiert.
So auch am Samstag in der Post:

Ich wollte eigentlich nur einen Brief nach Deutschland abschicken.
Meinte der Typ am Schalter so: Ach, du bist aus Deutschland?
Ich so: Ja.
Er so: Meine Tochter macht nächstes Jahr einen Sprachkurs in Deutschland.
Ich so: Aha. Na ja, eine Sprache lernt man immer am einfachsten in dem Land in dem sie auch gesprochen wird.
Er so: Aber in Deutschland ist es ja ziemlich kalt.
Ich so (schon auf der Hut): Ja, im Winter ist es kälter als hier.
Er so: Und es regnet dort ja so viel.
Ich so: Ja, es regnet mehr als in Spanien.
Er so: Das Klima ist hier doch viel besser.
Ich so: Es ist wärmer, das stimmt.
Er so (zufrieden): Na ja, hier in Spanien lebt es sich ja auch viel besser. Deshalb bist du hier, gell! *Gelächter*
Ich so: Hmmm, unter anderem. (Natürlich stimmt das nicht, aber was solls, zu dem Zeitpunkt war ich noch geduldig und friedlich gestimmt.) Klebst du mir jetzt endlich die Briefmarke auf den Brief? Verdammt.
Er so: Und das Essen in Deutschland, da gibt es doch ständig Kartoffeln, oder?
Ich so: Nein, wir essen auch anderes, es gibt sehr viele verschiedene Gerichte, Fleisch, Gemüse etc.
Er so: Aber ihr esst doch viel Kartoffeln, oder?
Ich so: Na ja, eigentlich nicht.
Er so (selbstgefällig): Aber in Spanien ist das Essen doch viel besser.
(Normalerweise antworte ich auf sowas ja immer mit jaja, um solche Gespräche so schnell wie möglich zu beenden. Aber an dem Tag platzte mir der Kragen.)
Ich so: Na ja, in allen Ländern gibt es gute Sachen und welche die weniger lecker sind. Ich finde das Deutsche Essen nicht schlecht.

Man war mir der Typ danach beleidigt, knallte mir die Rechnung auf den Tresen und sprach kein Wort mehr mit mir.

Was haben wir erst letztens in einer Runde Nicht-Spanier darüber gelacht. Wir waren zu sechst und hatten alle unabhängig voneinander die gleichen Erfahrungen gemacht. Alle, wirklich so gut wie alle Spanier lassen früher oder später ihre angebliche Überlegenheit raushängen. Und das schlimme ist, sie glauben es tatsächlich, dass hier alles besser ist. Dabei haben die meisten von ihnen noch nicht einmal ihr Dorf weiter als in einem Umkreis von 80 km verlassen.

Der Spanier ist ja auch ganz stolz auf seine „dieta mediterranea“ (Mediterranische Essensgewohnheit), die ja angeblich so gesund sein soll und in jedem zweiten Werbespot missbraucht wird. Gleichzeitig kommt hier aber ständig in den Nachrichten, dass Spanien das europäische Land mit den meisten übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ist und hier auch sonst relativ viele übergewichtige Personen leben (mir ist das allerdings auf der Strasse noch nie aufgefallen).
Na ja, wie auch immer. Ich finde das Essen hier jedenfalls nicht sehr gesund. Alles schwimmt in Olivenöl, das Gemüse ist totgekocht und oft ebenfalls in Fett ertränkt. Salatteller sucht man in Gasthäusern und Restaurants meist vergebens.
Natürlich gibt es hier, wie auch in jedem anderen Land, superleckere Gerichte, aber irgendein Indiz, dass die spanische Küche über alle anderen erhaben ist, kann ich nicht finden.

Die Spanier sind einfach komplett von sich selbst überzeugt und machen sich nicht einmal die Mühe andere Dinge zu probieren. Ich meine, sie machen diese Feststellungen so als wäre es das normalste auf der Welt und hochwissenschaftlich bewiesen.