Gestern hat mir Paquiii!!! ihren Familienschatz, wie sie es nennt, gezeigt.
Ein ganzer Stoss französischer und schweizer Postkarten aus den Jahren 1902 – 1910. Nein, keine Sammelstücke, sondern Postkarten die damals wirklich jemand geschrieben hat, die verschickt wurden und einen Empfänger hatten.
Die meisten davon sind von einem kleinen französischen Jungen, der an seine Eltern und an seine Grossmutter schreibt.
Das Kuriose daran ist, dass, wenn man nur den Text betrachtet, diese Postkarten genau so gut erst gestern von irgendeinem x-beliebigen Kind geschrieben worden sein könnten. Der Junge erzählt, was es zu essen gab, dass die Oma ihm Süssigkeiten gekauft hat, dass er mit seinen Freunden gespielt hat und wie toll es ist Ferien zu haben.
Gleichzeitig weiss man, dass dieser Junge inzwischen alle Lebensstadien durchgemacht hat, und selbst wenn er 100 Jahre alt geworden wäre, heute nicht mehr am Leben sein kann.
Das stimmt mich irgendwie nachdenklich, ich weiss auch nicht warum.

Die Welt mag sich in den letzten 100 Jahren verändert haben wie nie zuvor, die Menschen aber sind tief in ihrem Inneren die gleichen geblieben.
Vielleicht wiederholt sich die Geschichte deshalb ständig? Weil der Mensch nun mal Mensch bleibt, so sehr sich auch die Umwelt und die Werte wandeln? Vielleicht scheint deshalb niemand aus der Geschichte zu lernen, weil das Lernen ein Vorgang ist, der sich auf die Dauer eines Menschenlebens beschränkt, und jeder Mensch, der neu geboren wird, wieder mit dem gleichen Prozess anfangen muss, mit den selben angeborenen Reaktionen zu kämpfen hat, den gleichen Instinkten unterworfen ist?

Wird in 100 Jahren irgendjemand auch meine Postkartensammlung aufgehoben haben und sich genau die gleichen Fragen stellen?