Wenn die Tussi nebenan jetzt nicht gleich die Klappe hält, kann ich für nichts garantieren! Ihre Stimme ist einfach unangenehm, durchdringen, laut, greift die Ohren an und sie wird wohl nie lernen, dass sie, auch wenn sie noch so viel redet, nicht darüber hinweg täuschen kann, dass sie nichts geistreiches zu sagen hat.

Gestern Abend fand ja die erste Fernsehdebatte zwischen unserem amtierenden Ministerpräsidenten Zapatero und dem Würdegernministerpräsidenten Rajoy statt. Für die dies nicht wissen: Am 9. März wird hier in Spanien ein neues Parlament gewählt.
Ich hatte der Debatte mit einigem Interesse entgegen gesehen, in der Hoffnung irgend einer von beiden würde nun endlich die für die nächste Amtszeit vorgesehenen Regierungsziele seiner Partei darlegen. Aber ja!
Eigentlich sollte ich inzwischen wissen, dass so etwas hier in Spanien nie passieren wird. Anstelle mit Wahlversprechen werfen die Parteien hier nur mit Dreck und populistischen Parolen um sich. Die Opposition findet, dass Zapateros Partei das Land schlecht regiert hat und die Regierungspartei ist sehr verärgert über das unkooperative Verhalten von Rajoys Opposition. So als ob wir das nicht schon zur Genüge wüssten! Das geht jetzt schon vier Jahre so.
Und Dank der Medien müssen wir uns auch all diese Hirnlosigkeiten, diese Pfützen aus aussagelosem Gedankenbrei eine nach der anderen reinziehen, da hilft nicht mal Fernseher abschalten.

Ich habe gestern jedenfalls nach den ersten 15 Mintuen genau das getan: Weggezappt. Das ganze löst bei mir einfach nur einen unkontrollierbaren Würgereiz aus. Könnte ich in Spanien wählen, würde ich nicht zur Wahl gehen und das sollten meiner Meinung nach alle Spanier tun. Aber nein, die meisten springen voll auf den Zug auf (und ganz voran, oben auf dem Dach, an der Spitze der Lock schwenkt die Tussi kreischend ihre Fahnen – obwohl sie nicht mal eine richtige Spanierin ist – aber die Tussi kreischt und echauffiert sich nun mal gerne).

Manchmal kann ich einfach nicht anders, als zu glauben, dass jedes Land genau die Politiker hat, die es verdient.
¡Este país se merece su destino! – Dieses Land verdient sein Schicksal. Ihm gehört es nicht anders. Es geschieht ihm recht! – (um mal meinen Schatz zu zitieren, der diesen Spruch gerne auf Kolumbien anwendet)

Zum Weinen sind ja auch die Wahlkampfspots der beiden grossen Parteien die, seit dem der Wahlkampf letztes Wochenende angefangen hat, im Fernsehen ausgestrahlt werden. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.

Vorher gilte es ein anderes Thema abzuschliessen: Ich habe den Job nicht bekommen. Am Freitag lag ein Absageschreiben im Briefkasten.
Seltsamerweise bin ich nicht mal böse darüber, nur wüsste ich gerne warum sie sich schliesslich doch gegen mich entschieden haben. Finanzielle Gründe? Oder tatsächlich eine Frage der professionellen Art? Morgen früh werde ich wohl mal anrufen, aber ich mache mir keine grossen Hoffnungen eine aussagekräftige Antwort zu bekommen. Spanier geben sich da sehr verschlossen.
Es erschreckt mich wirklich, wie egal mir das ganze ist, ich sollte mich aufregen, wütend oder verzweifelt sein! Aber nichts der gleichen. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich sogar richtig froh darüber. Es gibt im Moment so viele andere Dinge die mir im Kopf rumspuken, da kann ich auf Stress am Arbeitsplatz gut verzichten. Abends wenn ich heimkomme, muss ich frisch sein um mich an den Computer setzen zu können und zu schreiben was das Zeug hält.
Claude: Das Romanexperiment ist nicht verschwunden, es braucht nur mal eine kleine Denkpause.