Kennt ihr das auch? Da wacht man am Morgen auf und hat das Gefühl, irgendjemand hätte nachts, klick, einen Schalter im eigenen Körper umgelegt und plötzlich ist alles irrsinnig langsam. Man kommt einfach nicht von der Stelle, braucht ewig um zu duschen, um sich anzuziehen, um zu frühstücken, so als wäre man plötzlich auf slow-motion, camera lenta, Zeitlupe gestellt. Oder würde, wie das bei den alten Plattenspielern ging, in der falschen Geschwindigkeit laufen.

Nebenbei möchte ich anmerken, dass ich auf der Suche nach dem deutschen Wort für slow-motion, bzw. camera lenta (langsame Kamera), die erstaunte Feststellung machte, dass Zeitlupe wirklich ein ganz wunderbar kreatives Wort ist. Man nimmt die Zeit unter die Lupe. Das scheint so viel mehr auszusagen als die englische bzw. spanische Entsprechung. Umso weniger ich sie benutze desto interessanter, liebenswerter und reichhaltiger erscheint mir die deutsche Sprache.

Danach war ich heute Morgen erstmal schlecht gelaunt und machte mich in biestiger Stimmung auf in die Arbeit. Die Zähigkeit liess sich zwar auch im Laufe des Tages nicht aus meinem Körper verscheuchen, aber Paqui!!! die mir kaum, dass ich das Firmengebäude betreten hatte, strahlend eine Tüte mit Magdalenas (eine Art kleiner Muffins) entgegenhielt, und Hansi, der mir per Boten eine handschriftliche Notiz zukommen liess – Mission erledigt – heiterten mich doch etwas auf.

Endlich habe ich auch den ganzen Papierkram für Chefes China-Visum beisammen. Das war ein Act! Wirklich, ich verstehe die Chinesen nicht. So als ob irgendjemand aus Europa scharf darauf wäre illegal nach China einzuwandern um dort zu arbeiten. Niemand der bei gesundem Verstand ist, würde freiwillig nach China gehen!
Aber wie alle Diktaturen sind natürlich auch die Chinesen Kontrollfreaks, was will man machen. Inzwischen bin ich mir vollkommen sicher, dass alle E-mails an chinesische Adressen durch strenge Filter geschickt werden und wenn nur irgendein verdächtiges, subversives oder regimeunkonformes Wort dabei ist, bekommt der Empfänger die Nachricht niemals zu lesen.
Ein paar mal in den vergangenen zwei Wochen, hätte ich am liebsten geweint. Das ist so frustrierend! Wie soll man bei diesen Zuständen ordentlich arbeiten? Ich wollte den Leuten dort in China, doch nur eine Kopie von Chefes Pass schicken, damit sie das Einladungsschreiben verfassen könnten! Wir telefonierten, wir faxten, aber die e-mails kamen einfach nicht durch.
Nun, schliesslich habe ich jedenfalls herausgefunden, dass e-mails die einen absolut unsinnigen Betreff haben, wie z.B. xyadjooaeajees20934, den Filter fast immer passieren. Juhu! Der Wahnsinn siegt, – wie immer.