Am Freitag ging ein einwöchiges Kaizen für Angestellte aus der Produktion zu Ende, und wie das so Tradition ist, wurde mittags Catering bestellt. Die dazugehörigen Getränke spendierte Azahars Kaffeeküche, die ich den zwei Jungs aus der Produktion, die sich darum kümmern wollten Coca Cola, Wasser etc. rüber in den grossen Saal zu schaffen, dann auch kurz vor 14:00 aufsperrte.
Ihr Blick wurde natürlich sofort und noch vor allem anderen von der Sektflasche gefangen genommen, die schon seit heiligen Zeiten auf der Anrichte der Küche steht.
„Boa, da ist ja Sekt! Damit können wir jetzt gleich anstossen!“, meinten sie.
Ich nahm das natürlich nicht ernst und antwortete bloss: „Was wollt ihr denn damit, der ist ja nicht mal kalt“, liess sie ihr Zeug zusammenraffen und scheuchte sie wieder nach draussen.
Alkohol ist bei uns in der Firma eigentlich verboten. Ausnahmen sind äusserst wichtige Anlässe, wie Staatsempfänge z.B., aber so einer hat zumindest in den vier Jahren die ich hier bin, noch nicht stattgefunden. Deshalb nehme ich an, dass diese Flasche Sekt noch aus den Zeiten vor der spanischen Demokratie stammt oder irgendein vergessenes und nicht ausgelostes Weihnachtspräsent eines Lieferanten ist.
Nun gut, heute morgen als ich in die Küche kam um Chefes tägliches Wasser zu holen, sah ich auf den ersten Blick, die Flasche Sekt war nicht mehr da.

Ich könnte mich natürlich irren, aber zumindest für mich sind die Verdächtigen klar. Nicht, dass es mich gross jucken würde, ob die Leute hier irgendwas mitgehen lassen, ich meine, niemand ist frei von Schuld, auch ich habe schon persönliche Dokumente hier in der Firma ausgedruckt oder kopiert etc., aber irgendwie finde ich das nun doch ziemlich dreist.
Vor allem deshalb, weil das ganze am Ende auf irgendeine Weise wieder auf mich zurückfällt. Was wollen wir wetten, dass Chefe in den nächsten Tagen plötzlich ankommt: Du, in einer Stunde kommt Mr. XY Hohes Tier vorbei, stell doch mal kurz den Sekt kalt. Was wollen wir wetten?!