Heute Morgen als ich, soeben aus dem Bett gefallen, ins Badezimmer taumelte, sah ich einen braunen Fleck auf dem Badezimmerteppich. Zuerst wollte ich ihn ja ignorieren, doch dann kam mir das ganze doch etwas komisch vor und ich sah etwas genauer hin.
Meine kurzsichtigen Äuglein ersparten mir zwar den detaillierten Anblick, aber ich verstand sofort, dass das, was da gemütlich auf dem flauschigen Polster sass, eine Kakerlake war. Eine widerliche, ekelige, furchterregende Kakerlake in meinem Bad!
Meine entsetzten Schreie „Cucaracha, cucaracha!“ mussten sicherlich die gesammte Nachbarschaft aufgeweckt haben, aber Schatz bewegte sich nicht mal, die Laken bis über die Nase gezogen.

Ich wagte es nicht, das Untier aus den Augen zu lassen. Im Moment sass es zwar noch erstaunlich ruhig da, aber jeden Moment konnte es losrennen und was dann?
„Da ist eine Kakerlake auf dem Badezimmerteppich!“, versuchte ich es nochmal, aber Schatz drehte sich nur um und kuschelte sich tiefer in die Kissen.
„Du musst sie umbringen!!!“
„Bloss wegen einer Kakerlake werde ich jetzt nicht aufstehen!“, brummte er.
Bloss! Bloss!! Eine Kakerlake in meinem Bad, in meinem Haus, in das sich in den ganzen vier Jahren, die wir hier wohnen, noch nie ein grösseres Insekt als eine Fliege verirrt hat, kommt einer nuklearen Katastrophe gleich und der Mann an meiner Seite zieht sich die Bettdecke über den Kopf?!
Allein der Gedanke, dieses Monster zerquetschen zu müssen, verursachte mir Übelkeit. Wie überhaupt? Mit einem Schuh? Draufsteigen? Nein, das könnte ich nicht, das würde knirschen und knaksen und… ahhhh

Aber irgendwas musste ich tun, sonst würde ich mich nicht duschen können. Das Tier einfach leben zu lassen, wie ich es mit Spinnen etc. mache, war keine Option. Kakerlaken darf mach nicht leben lassen, und schon gar nicht im eigenen Haus.
Erstmal Badezimmertür zu, sonst würde das Vieh noch entkommen und ins Schlafzimmer rennen und dann gute Nacht!
Ich fühlte mich wie in einem Alptraum, als ich dem braunen Fleck, der jetzt langsam zu krabbeln anfing in dem kleinen geschlossenen Raum gegenüber stand. Jede Moment konnte er mich anfallen! Ich war barfuss, hatte nackte Beine… Nein, jetzt nicht weiter denken, Azahar! Da fiel mein Blick auf den Abfalleimer. Ich hob ihn probehalber an. Der Plastikboden sah zwar nicht sehr stabil aus, und der Teppich würde das ganze weiter abpolstern, aber vielleicht würde es reichen.
Die Tatsache, dass sich der Fleck jetzt auf mich zubewegte, half mir meinen Ekel zu überwinden und eine Sekunde später hatte ich den Abfalleimer draufgestellt und drückte ihn so fest auf den Boden wie ich nur konnte.
Ha! Da nimm, du Unhold!

Ich liess den Abfalleimer genau auf der gleichen Stelle stehen, bis ich mich geduscht und angezogen hatte, nicht ohne immer wieder zu kontrollieren, dass nichts darunter hervorkam.
Erst dann hob ich ihn mit einem Finger an. Jetzt mit Brille auf der Nase, sah das ganze noch viel widerlicher aus. Der glänzende Panzer der Kakerlake war zwar nur leicht zerquetscht, aber bewegen tat sie sich nicht. Ich hob also todesmutig den Teppich an um die letzten Überreste meines Gegners in der Toilette zu entsorgen, da schnellte plötzlich ein Fühler nach oben und dann bewegte sich ein Bein und ich liess den Teppich fallen, griff den Abfalleimer und drückte ihn panisch nochmal drauf.

Schatz schien sich nun endlich langsam aus Morpheus Umarmung zu lösen und da ich los musste, in die Arbeit, gab ich ihm den Auftrag, die sterblichen Überreste der Kakerlake zu entsorgen, sobald sie sich nicht mehr bewegen würden.
Schatz lachte sich kaputt und meinte, ich wäre schon ein ziemlicher Feiling. Wie gross das Tier denn sei.
Ich zeigte ihm mit den Fingern eine Grösse von ca. 4 cm.
„Was?!“ Nun war auch er erschrocken und zehn Sekunden später im Bad.
Was hatte er denn erwartet? Ein Silberfischchen?!
Er hob den Abfalleimer an. Das Monster schien wieder Kräfte gesammelt zu haben und war entschlossen, zu entkommen. Schatz versuchte es mit einem Schuh und dann noch mit einem Spray gegen Blattläuse, obwohl ich ihm schon im voraus sagte, dass das nichts nützen würde. Ich hatte nicht das Bedürfnis den Kampf aus der Nähe zu betrachten, denn die Kakerlake zuckte und wand sich, aber aufgeben wollte sie nicht. Erst als Schatz die Toilettenspülung betätigte, wagte ich es, wieder ins Badzimmer zu blicken.
„Wo ist die hergekommen?!“ Schatz schüttelte sich.

Ja, das frage ich mich auch! Immerhin ist mir bekannt, dass diese Tiere sich hin und wieder durch die Abflussrohre zwängen, und dann aus den Abflüssen von Waschbecken und Badwanne kommen, aber klettern die wirklich bis in den fünften Stock? Und wenn dieses Exemplar nicht aus der Kanalisation gekommen ist, woher dann? Haben vielleicht die Nachbarn unter uns ihre ganze Wohnung zugemüllt?
Das erste was ich heute nach der Arbeit tun werde, ist jedenfalls direkt zum Supermarkt zu fahren und irgendein Mittel gegen Kakerlaken zu kaufen. Keine Ahnung, was sich da so anbietet, aber ich werde nicht zulassen, dass sich dieses Ungeziefer in meiner Wohnung ausbreitet.

Und was soll ich mit dem Badezimmerteppich machen? Wenn es nach mir ginge, würde ich ihn ja in eine Mülltüte packen und sofort entsorgen, aber das wird Schatz sicherlich übertrieben finden. Männer!
Aber so wie der Teppich jetzt ist, sind da garantiert Kakerlakenüberreste und -säfte drauf, und ich werde ihn auf keinen Fall weiter benützen. Aber in der Waschmaschine will ich das Zeug eigentlich auch nicht haben, egal wie toll die alle Überreste wegspülen würde. Ich meine, ich muss danach darin wieder Kleidung waschen und Unterwäsche… nein, ich will wirklich gar nicht daran denken!