Es ist wirklich irre, wie die Kaulquappe gewachsen ist. Anfang der 8. Woche in der durch den Ultraschall nur die Schwangerschaft festgestellt wurde, hat man nur einen knapp zwei Zentimeter grossen Klumpen gesehen in dem etwas pulsierte (das Herz). Inzwischen (Anfang 14. Woche) ist das Kleine schon etwas mehr als sieben Zentimeter gross, hat Kopf, Augen, Mund, Wirbelsäule, Arme, Beine und sogar Hände und Füsse, und strampelt und zappelt wie verrückt herum. Ich wundere mich wirklich, dass ich das nicht spüre.
Wir hatten uns bis jetzt über Pränatale Diagnostik eigentlich gar keine Gedanken gemacht, aber dann meinte der Arzt, dass es jetzt eigentlich Zeit wäre, die Messung der Nackenfalte vorzunehmen, wegen Down-Syndrom etc. Hier in Spanien gehört das im Gegensatz zu Deutschland, wie ich gerade vorhin im Internet gelesen habe, anscheinend zu den Routineuntersuchungen, genau so wie der Triple-Test.
Im Grunde waren wir uns im Klaren, dass wir wegen so einem Verdacht nicht abtreiben würden und eine Fruchtwasseruntersuchung hätte ich eh niemals machen lassen, also wäre es vollkommen nutzlos gewesen. Aber es zu wissen kann ja auch nicht schaden.
Doch das Kleine weigerte sich konstant, sich auf die Seite zu drehen und im Perfil zu zeigen, so dass ich schliesslich dem Arzt sagte, er solle es gut sein lassen. Der war sichtlich erleichtert, weil er im Grunde auch nicht viel von solchen Tests hält, die lediglich ein vages Risiko angeben und mehr verunsichern als klare Ergebnisse liefern.
Den Triple-Test habe ich mir auch nicht verschreiben lassen. In dem Moment war ich mir über diese Entscheidung sehr sicher, aber im Nachhinein kamen mir dann doch Zweifel. Der Triple-Test würde ausser dem Down-Syndrom ja auch die Möglichkeit einer Trisomie 13 und 18 auswerten, welche für das Kind um einiges gefährlicher sind. Um einigermassen sicher zu gehen, müsste dann aber auch wieder eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht werden und eine normale Abtreibung wäre bis dahin eh schon nicht mehr möglich. Ganz zu schweigen davon, dass ich sowas nicht mitmachen würde.
Na ja, nach ein paar Stunden Kopfzerbrechen konnte ich das ganze zu den Akten legen und bin jetzt wieder vollkommen ruhig. Schatz sieht das alles eh viel lockerer als ich. Er findet alle Kinder, egal ob gesund oder behindert schon auf den ersten Blick ganz einfach nur süss und anbetenswert. Er hat von uns beiden anscheinend den grösseren „Mutterinstinkt“.
Im nachhinein empfinde ich dieses Erlebnis wieder mal als einen Beweis dafür, wie wenig menschlich das spanische Gesundheitssystem ist. Ich meine, dadurch solche Tests routinemässig durchzuführen, bauen die Ärzte doch nur wieder ihre Macht über die „Patienten“ aus, indem sie ihnen mit möglichen Konsequenzen drohen etc. und ihnen Angst machen.
Eine wirkliche Spezialität von spanischen Ärzten, vor allem in der Geburtshilfe (egal ob staatlich oder privat – privatversichert meist noch schlimmer, denn die wollen ja Geld rausschlagen).
Da werden Frauen Kaiserschnitte eingeredet, nur weil der Arzt an dem Wochenende, wo es vielleicht zur Geburt kommen könnte, auf Urlaub fahren will. Und selbst wenn die Geburt normal verlaufen könnte, werden oft unnötigerweise Wehenhemmer oder Oxytozin eingesetzt, um die Geburt dem Zeitplan der Ärzte anzupassen. Dammschnitt wird routinemässig bei über 90 % aller Erstgebärenden gemacht. Dass man das Kind nur im Liegen bzw. auf dem gynäkologischen Stuhl und im Operations Kreissaal bekommen darf, ist eh klar, ist ja für das Personal bequemer. Sowas wie Badewannen oder Geburtszimmer sucht man vergeblich. Die Wehen müssen liegend und bei ständiger Kontrolle ertragen werden. Dass es dann, vor allem in Verbindung mit dem Oxytozin häufig dazu kommt, dass die Frauen das ganze ohne Epidural-Anästhesie nicht mehr aushalten, dadurch aber die Geburt vollkommen ins Stocken gerät und schliesslich doch im Kaiserschnitt endet oder das Kind anderweitig geholt werden muss, ist vollkommen normal. etc. etc. etc. Ich will gar nicht ins Detail gehen, sonst rege ich mich wieder auf.
Ich habe es schon oft genug am eigenen Leib erfahren, dass die Ärzte einen hier wie ein Stück Fleisch und wenn man Glück hat noch wie eine lebende Kuh behandeln. Zu blöd um irgendwas zu verstehen, ist man ja eh. Also besser gar nicht erst anfangen, etwas zu hinterfragen oder genauer wissen zu wollen. Und bloss nicht den Anschein erwecken, man wäre schlauer als der Arzt, indem man irgendeinen Vorschlag macht oder sagt, wie man es gerne hätte.
Man ist einfach vollkommen ausgeliefert.
Leider denken die meisten Frauen hier, das wäre normal! Erst wenn sie dann ein schlimmes Erlebnis hatten, fangen sie an nachzudenken. So auch eine Freundin aus Barcelona. Die hatte bei ihrem ersten Kind einen Kaiserschnitt (natürlich vollkommen überzeugt, dass alle Ärzte nur ihr bestes wollten), bei dem nicht nur emotional einfach alles schief lief. Sie durfte ihr Baby erst einen Tag danach das erste mal sehen. Ihr zweites Kind hat sie zu Hause nur mit einer Hebamme bekommen. Ich denke, das sagt doch alles.
Aber nein, ihr braucht jetzt keine Angst um mich zu haben, ich habe nicht vor, mir sowas zu geben. Wenn irgend möglich werde ich es schon beim ersten Mal richtig machen.
In der Nähe von Alicante gibt es eine private Klinik, Acuario, die schon seit Jahrzehnten gegen den Strom schwimmt und sich „natürlichen Geburten“ (ich weiss, das hört sich extrem blöd an, ist aber traurigerweise so) verschrieben hat. Gleichzeitig aber für den Fall der Fälle alle technischen und modernen Hilfsmittel bereitstehen hat. Die beiden Gynäkologen, die dort arbeiten, haben glücklicherweise auch eine Praxis in Valencia. Ich war bis jetzt zweimal dort (eben auch gestern) und ich bin jedes mal wieder fasziniert und überrascht, wie nett die Leute sind, wieviel Zeit sie sich nehmen alles zu erklären (wir waren gestern 1 geschlagene Stunde drin) und wie fortschrittlich und so ganz anders als die normalen spanischen Ärzte sie sind. Sie verweigern dir nichts, zwingen dir aber auch nichts unnötiges auf. Ich fühle mich einfach sicher. Und so soll es ja auch sein.
November 19, 2008 at 4:13
Klasse, wie die kleinen schon mit den Armen schlackern, gell. Ich fand das auch voll aufregend. Überhaupt, die ganze Geschichte ist aufregend. So insgesamt warten soviele verschiedene Wehwehchen auf einen, man muss sich mit sovielen verschiedenen Dingen auseinandersetzen (hab auch keine Nackenfaltenmessung machen lassen, hat mir mein FA aber auch gar nicht extra nochmal angeboten) und eigentlich verändert sich jetzt schon das ganze weitere Leben.
Ich finds toll, wie informiert du bist. Hatte ich gar nicht mit gerechnet und finds dadurch noch toller.Ich hab auch viele Seiten, Informationen und Foren durchforstet und leider sieht der Geburtsablauf in einigen Kliniken in D gar nicht so anders aus. Schade. Aber wenn man zuvor schon gut informiert ist, weiß, was man möchte, kann man möglicherweise besser für seine Wünsche eintreten und sie auch mit Wehen noch durchsetzen, anstatt alles mit sich machen zu lassen. (Deine Beschreibungen über die geplanten Kaiserschnitte sind tatsächlich *ohneWorte*)
Hab gestern meine erste Umstandsjeans von meiner Schwägerin bekommen. Groß der Babybauch ist zwar noch nicht da, aber der ist einfach so druckempfindlich, dass ich normale Hosen nurnoch offen tragen konnte. Macht sich nicht so gut bei den Temperaturen.
LG
Jana
November 19, 2008 at 6:44
Also erstmal alles Gute gewünscht -unbekannterweise- und unbedingt Privat-Klinik weil was du da schilderst klingt nicht gut. Noch schlimmer geht es in den östlichen Ländern hier zu. Zum Beispiel aus ungarischen Krankenhäusern könnte ich Sachen erzählen die man nicht glaubt.
Herzliche Grüße!
November 20, 2008 at 8:34
du hattest ja schon mal über die zustände in den geubrstkliniken geschrieben … das ist wirklich erschreckend! fast wie in einem dritte welt land
aber der rest:Ich habe es schon oft genug am eigenen Leib erfahren, dass die Ärzte einen hier wie ein Stück Fleisch und wenn man Glück hat noch wie eine lebende Kuh behandeln. Zu blöd um irgendwas zu verstehen, ist man ja eh. Also besser gar nicht erst anfangen, etwas zu hinterfragen oder genauer wissen zu wollen. Und bloss nicht den Anschein erwecken, man wäre schlauer als der Arzt, indem man irgendeinen Vorschlag macht oder sagt, wie man es gerne hätte.
Man ist einfach vollkommen ausgeliefert.
– das strifft auch 1a auf die meinsten Ärzte hier in Deutschland zu!!
*reinschlagenwill*
lg
November 20, 2008 at 8:41
Ich würde auch auf alle Fälle an deiner Stelle in eine Privatklinik gehen. Geburten sind zwar etwas ganz Natürliches, trotzdem kann „Frau“ mal auf Ärzte angewiesen sein. Und da wäre mir fachgerechte, moderne und kompitente Betreuung sehr wichtig.
Ich habe einen Triple-Test machen müssen, da ich durch eine Hormonspirale schwanger geworden bin. Das war im Nachhinein auch nicht so schlimm.
Hauptsache dem Zwerg geht es gut. Und darum dir auch alles Gute fürs Zwergi
November 20, 2008 at 11:54
azahar@
privatärzte muß man ja aber auch erstmal bezahlen können….
erst gestern kam hierzulande so ein radiobericht auf wdr5 über vorsorgeuntersuchungen bei schwangeren.
mich erschreckte dabei, das statistisch betrachtet, bei jeder 150. fruchwasseruntersuchung, durch das eindringen des entnahmenädelchens, in der gebährmutter ein gebärreflex ausgelöst wir und der fötus dann dabei unwiederruflich abgeht…. was für dramen sich dann dabei abspielen, möchte ich mir gar nicht vorstellen….
mancheiner hat aber auch perspektiven darauf, was so schlimm behinderte kinder, für aufwändungen und entbehrungen mit sich bringen… mag auch nicht jede junge familie mit umgehen wollen.
und tatsächlich, man ist auf entbindungsstation `nur` ein vorgang, der in einem absehbaren zeitabschnitt, möglichst ins gesamtarbeitskonzept der abteilung und deren mitarbeiterInnen zu passen hat….
toitoitoi
November 20, 2008 at 5:59
Die Hauptsache ist doch, dass Du und das Baby gesund seid, und Du gesundheitlich, den Umständen entsprechend, keine größeren Probleme erleiden mußt.
Sei lieb gegrüßt
Kvelli
November 21, 2008 at 11:53
@ Jana
Ich finde es gut, dass das in Dtld. mit der Nackenfaltenmessung etc. anders gehabt wird. Durch routinemässige Tests werden hier sicherlich viele Frauen geradezu zu einer Fruchtwasseruntersuchung gezwungen.
Ja, die sind wirklich schon sehr lebendig die kleinen.
Das mit der Information kam zwangsweise. Nachdem ich in den letzten Jahren so viele Schauergeschichten gehört hatte, dachte ich eine Zeit lang, dass ich hier in Spanien nie und nimmer ein Kind bekommen würde. Ich denke, das schlimmste was eine schwangere Frau tun kann, ist sich nicht zu informieren und einfach alles auf sich zukommen zu lassen. Ich stimme dir vollkommen zu: nur wer informiert ist, kann auch in Extremsituationen noch seinen Willen durchsetzen und hat Argumentationsmöglichkeiten.
Oh ja, das mit den Jeans wird bei mir auch langsam knapp
Bei manchen bekomme ich die Knöpfe schon gar nicht mehr zu. Ich habe zwar bis jetzt nur ein sehr kleines Bäuchlein, aber man merkt eben doch, dass es gewachsen ist. Mit der Umstandskleidung, hoffe ich, dass ich noch bis zum Winterschlussverkauf warten kann. Bis dahin trage ich Hüfthosen, die nicht ganz so hoch auf der Taille sitzen, Röcke und etwas dehnbarere Hosen. Bin ja schon gespannt, wann mich die erste Person darauf anspricht.
November 21, 2008 at 12:06
@ Wiener Melange
Danke für die guten Wünsche! In der Klinik bin ich schon angemeldet, also sollte eigentlich alles nach Plan verlaufen.
@ buchmaus
Ich weiss nicht, zu mindest bei den deutschen Frauenärzten, bei denen ich war, hatte ich immer das Gefühl, dass sie viel netter, verständnisvoller und menschlicher sind, als die spanischen. Aber ich habe auch schon andere Ärzte (vor allem Allgemeinmediziner) kennengelernt, die ganz einfach in der Wüste ausgesetzt werden sollten.
@ Nila
Du hast Recht, das wichtigste ist, dass es dem Kleinen gut geht! Danke für die lieben Wünsche!
@ m…t
Privatversicherung ist hier in Spanien gar nicht mal so teuer. Ich weiss ja nicht, wie viel sowas in Dtld. kostet, aber hier bezahlt man zu zweit nicht mal 80 Euro im Monat (also 40 Euro pro Person!) und das ist mir meine Gesundheit durchaus wert. Da geh ich halt ein mal weniger ins Restaurant oder was trinken, dann ist das auch wieder drin. Die Seguridad Social (die staatliche Krankenkasse) kann man nämlich echt vergessen. Man bekommt zwar alles, was man braucht, die Frage ist nur wann und wie.
Siehst du, genau wegen diesen Komplikationen würde ich niemals eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Ganz zu schweigen davon, dass ich mir keine Nadel in den Bauch rammen lasse.
Natürlich verstehe ich, dass ich, wenn ich ein Kind bekomme, eine unter vielen bin, und die Leute die im Krankenhaus arbeiten nacher nach Hause gehen und mich zu den Akten legen. Aber irgendwie sollte der menschliche Aspekt trotzdem nicht zu kurz kommen.
Das wäre ja wie, wenn Kindergärtner die Kinder am Morgen einfach irgendwo in die Ecke stellen und ihnen am besten noch ein paar Valium geben, nur dass sie keine Mühe machen, ihnen intravenös ein bisschen Nahrung einflössen, einen Katheter einschieben, damit sie nicht auf die Toilette müssen und sie am Abend von ihren Eltern wieder abholen lassen.
Was ich damit meine, wer einen Beruf wie Arzt oder Hebamme ergreift, sollte auch dazu bereit sein zu akzeptieren, dass er mit Menschen arbeitet.
@ Kvelli
Ja, das ist die Hauptsache. Und ich werde auch aufpassen, dass das so bleibt und dass uns kein Arzt das ganze verpfuscht.
November 22, 2008 at 4:24
Kaulquappe
Das ist ja süß!!!!
November 23, 2008 at 12:32
@ Fudge
das hört sich aber nicht so toll an.
na ja, inzwischen hat es schon eher die Grösse eines Frosches