Und schon wieder hat es Chefe erwischt.
Dieses mal haben Unbekannte sein Kreditkartenlimit abgeräumt. Gut 6000 Euro in Fotoausrüstung und Antiquitäten.

Anscheinend haben sie auf irgendeine Weise eine Kopie von seiner (Firmen)Kreditkarte angefertigt, denn im Besitz der selben ist er definitiv noch, und sich dann einen netten Shoppingvormittag gegönnt. Keine Internetkäufe, sondern Bezahlungen per Karte in verschiedenen Geschäften.

Das alles deutet meiner Meinung nach auf ein paar sehr organisierte Schlitzohren hin. Denn um mit Kreditkarte zu bezahlen, muss man in Spanien normalerweise immer den Personalausweis vorzeigen. Was wohl bedeutet, dass sich im Moment irgendjemand da draussen unter Chefes Namen und mit gefälschten Papieren herumtreibt, oder aber, dass die Geschäfte, in denen die Einkäufe getätigt wurden, von Komplizen durchsetzt sind.

Ausserdem, für was kauft jemand kiloweise Objektive, Kameras und altes vergammeltes Sammelzeug? Doch nur um es im Internet wieder zu versteigern und danach Bargeld auf der Hand zu haben, von dem niemand mehr behaupten kann, es wäre gestohlen.

Chefe ist natürlich auf hundertachzig und schon gestern musste ich unzählige Anrufe tätigen um die armen Mitarbeiter des Kreditkartenservicecenters zu beschimpfen. Heute hat er diese Aufgabe selbst übernommen, da ich zum Beschimpfen unschuldiger und so gut wie handlungsunfähiger Personen nun mal nicht tauge. Ich habe deren Job ja selbst ein paar Monate lang gemacht. Ausserdem und mal ganz ehrlich geht mir das ganze ziemlich am linken Hüftgelenk vorbei und obwohl mir natürlich klar ist, dass auch mir so etwas passieren könnte, man weiss ja nie, ist Schadenfreude doch noch immer eine sehr befriedigender Zeitvertreib.

Nun ja, Chefe darf also mal wieder der Polizei einen Besuch abstatten und wenn er Glück hat, bekommt er, d.h. die Firma, den Betrag irgendwann von der Versicherung zurückgezahlt. Wann, tja, wann das wissen wir noch immer nicht, obwohl Chefe gute fünfzehn Minuten lang zuerst die bewundernswert tapfere Servicecentermitarbeiterin zusammenbrüllte und sich dann verbal an ihrem Vorgesetzten vergriff.