Diary


Normal ist das nicht!

Gestern Abend sind wir von einer kleinen Nordspanienrundreise zurückgekommen. Zaragoza, Bilbao, Pamplona. Regen, Regen und nochmals Regen. Schönstes, nasskaltes, klammes Herbstwetter.

Und hier in Valencia Hochsommer.

Und das schlimmste ist: Ich geniese die Wärme!

Ganz nebenbei: Es weiss nicht zufällig jemand, wie ich mein kleines Mäuschen dazu bekomme aus dem Fläschchen zu trinken? In genau acht Tagen muss sie täglich für sechs Stunden in die Krippe und stur wie sie ist, stehen die Chancen gut, dass sie sich entschliesst einfach zu hungern bis Mami wieder zur verfügung steht.

Heute Vormittag wäre mir fast ein Hund unters Auto gekommen. Ich werd immer noch ganz zittrig, wenn ich daran denke.

Ein riesen Vieh. Sprang an der Auffahrt zur Schnellstrasse einfach so aus dem Gebüsch. Ich hatte gut 50 – 60 km/h drauf. Ein Glück, dass es nicht mehr waren, sonst hätte ich es sicher nicht mehr „dabremst“. Er kam wirklich und wortwörtlich nur um Haaresbreite davon.

Mein Auto dafür nicht. Der Typ hinter mir liess es sich nicht nehmen meinen Hintern Kofferraum zu küssen. War noch ein ganz junger, mit Mami auf dem Beifahrersitz. Der machte sich fast in die Hose und entschuldigte sich hundert mal, dass er es einfach nicht geschafft hatte, schneller zu stoppen.

Beiden Autos war nichts wesentliches passiert (nicht dass an meinem ein Kratzer mehr oder weniger noch was ausmachen würde), aber allein wenn ich daran denke, was hätte passieren können!
Wären ich und/oder mein Hintermann nur ein bisschen schneller drangewesen, ich hätte den Hund an meiner Windschutzscheibe und/oder den Typ in meinem Kofferraum gehabt.

Wer wäre dann eigentlich Schuld gewesen. Ich?

So, habe heute meinem Chef mitgeteilt, dass ich gedenke die nächsten sechs Monate nur 6 Stunden täglich zu arbeiten.
Er war nicht gerade begeistert davon. Vor allem weil er anscheinend vorhatte, mir so bald ich wiederkomme mehr Arbeit aufs Auge zu drücken. Er meinte nur: Dann musst du halt schneller arbeiten.

Am 2. November geht es wieder los und ich stehe dem ganzen wirklich mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits freue ich mich darauf, – ja tatsächlich -, wieder ins Büro und somit raus aus dem Haus zu kommen. Andererseits tut mir die Kleine ganz schrecklich leid.

Mein Herzblatt meinte, er unterstützt mich bei allem, was ich entscheide und ich denke, etwas kürzer zu treten ist im Moment das richtige. Sechs Stunden Kinderkrippe sind am Anfang sicherlich mehr als genug.

Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Firma, – verdammt!!! -, und habe irgendwie das Gefühl, dass ich vielleicht eine Chance verpassen könnte, die mich charrieremässig weiterbringt. Mein Chef hatte mir ja schon bei meinem Besuch vor drei Wochen anklingen lassen, dass er mir gerne mehr Verantwortung übertragen würde.

So, nun ist Lorena schon 4 Monat und 9 Tage alt. Draussen giesst es aus Eimern und Kübeln. Ich habe den Zeitpunkt verpasst, an dem ich mir meine Haare noch in eine ordentliche Frisur hätte föhnen können.

Was sonst noch?

Ach ja, es gäbe so viel zu erzählen… und es wird wirklich mal wieder Zeit, dass ich mich hier melde.

Mal ein paar Stichpunkte:

Am Montag hat die Kleine ihre erste Impfung bekommen. Fünffach + Meningokokken C. Dem voraus ging ein mehrmonatiger Streit zwischen dem Herrn an meiner Seite und mir. Wäre es nach mir gegangen hätten wir die Impfungen ja noch wesentlich weiter rausgezögert. Seine Position muss ich wohl nicht erklären.
Ausser 38 ºC Fieber am ersten Abend hat sie es aber anscheinend gut vertragen. Wo ist was aus Holz? Ach ja da, der Schreibtischfuss.

Meine kleinste Schwester war eine Woche lang hier und ist gestern wieder nach Deutschland geflogen. Herrlich mal den ganzen Tag lang von jemand anderem als einem Baby Gesellschaft zu haben! Ich habe es richtig genossen.

Die erste Septemberwoche waren wir auf Ibiza! Was für eine Hitze! Unser Hotel/Club war von Italienern belagert aber sehr schön gelegen, mitten in der Natur. Kleine Bungalows zwischen hohen Pinien und hoch über den Mittelmeerklippen. Ich bin sogar noch braun geworden und habe es dieses Jahr doch noch geschafft für ein paar Minuten im Meer zu schwimmen!

Mein armer Schatz hat sich im Juli den linken Handwurzelknochen gebrochen. (Wie sollte es anders sein, beim Mountainbiken…) Eigentlich sollte er noch bis September mit Gips (abnehmbar) rumlaufen, aber er hat ihn schon in Ibiza in die Ecke geschmissen. Gott sei Dank, das Teil hat gestunken!!! ;-)
Scheint trotzdem alles in Ordnung zu sein.

Lorena quietscht in allen Tonlagen.
Ist fasziniert von ihrem Spiegelbild.
Will am liebsten nur sitzen oder stehen (natürlich mit Hilfe). Liegen findet sie total langweilig. Am Ende mussten wir ihr doch eine dieser Babywippen kaufen, damit sie alles was um sie herum passiert immer im Blickfeld hat.
Alles muss angefasst werden und geht dann auf direktem Weg in den Mund.
Sie sabbert wie eine Weltmeisterin und beisst zu wie ein Hai, obwohl laut Kinderärztin noch keine Zähne zu sehen sind.
Zwischen ihren Fingern wachsen sicher schon Schwimmhäute, was wir allerdings nicht überprüfen können, da sie sie immer im Mund hat. Da die ganze Faust nicht reinpasst, nimmt sie Mittel- und Ringfinger, Zeigefinger und kleiner Finger schön abgespreizt, damit auch jeder weiss, dass sie aus einer Familie stammt, die Metal mag.
Hoppe Hoppe Reiter findet sie ganz toll, Fliegen auch und die Hand in meinen Frühstückscornflakes baden noch viel besser.
Ständig bekommen wir den Kommentar „qué simpática“ zu hören, weil sie alle und jeden anlächelt und -grinst. Public relations, jaja.
Von jedem, der sie nicht kennt, wird sie für einen Jungen gehalten, weil sie noch keine Ohrringe hat und wir es mit den Farben ihrer Kleidung nicht sehr genau nehmen.

etc. etc. ;-)

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So, nur mal ganz kurz, für alle die sich fragen, was ich so treibe:

Am 14.05. um 0:50 ist unsere Tochter Lorena auf die Welt gekommen. Ging alles so superschnell, dass mir nicht mal mehr Zeit blieb, in das Krankenhaus meiner Wahl zu fahren. Deshalb wurde es am Ende leider auch ein Kaiserschnitt, denn die Prinzessin war nach wie vor in Steisslage und man liess uns hier in Valencia keine andere Wahl. Nicht mal mein Schatz und stolze Papa konnte noch rechtzeitig zur Geburt kommen.

Einerseits bin ich superglücklich, dass die Kleine wohlauf ist und noch dazu ein richtiges Prachtexemplar ;-) egal wie sie das Licht dieser Welt erblickt hat. Andererseits bin ich auch etwas angenervt, denn jetzt darf ich mich mit einer Narbe rumschlagen, die an einer Stelle etwas offen ist und wohl noch ein paar Wochen braucht, bis sie so richtig verheilt.

Aber wie heisst es so schön. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Vielleicht hatte das ganze ja auch etwas gutes, weiss man es? :-)

So, jetzt sagt aber erstmal hallo zu unserer Hübschen!

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Am Morgen als ich den Reifendruck bei meinem Auto kontrollieren wollte, konnte ich beim rechten Vorderreifen das Ventil nicht finden. Einfach nicht da. Wahrscheinlich haben mir die Schlauköpfe von der Werkstatt die Radkappen falsch draufmontiert. *grmmml*

Zweitens spinnt mein Outlook, habe schon x-mal versucht eine e-mail an eine Freundin zu schicken. Aber sobald ich auf den „Senden“-Button klicke, verschwindet diese auf nimmerwiedersehen in den Weiten des Universums und ist weder in der Outbox, noch im Sent-Ordner noch in den Drafts noch im Papierkorb zu finden. Gibt es sowas überhaupt? Nur wenn ich sie leer verschicke oder nur ein paar Zeilen schreibe, geht sie raus. Bei allen anderen Addressaten, die ich heute benutzt habe, funktioniert es doch auch! Und natürlich kann ich mich schlecht bei unseren Informatikern beschweren gehen, denn es ist ja Privatpost. *grmmml*

Vielleicht liegt es aber auch an mir. Ich fühle mich irgendwie ziemlich neben der Spur heute und hoffe inständig, dass ich morgen unseren „medico de cabecera“ (Hausarzt der staatlichen Krankenkasse) davon überzeugen kann, mich krank zu schreiben. Ich hab nämlich echt keinen Bock mehr zu arbeiten. Und jetzt, da ich für alle meine Aufgaben eine Ersatzperson gefunden habe, noch weniger.

Mein Frauenarzt hat mir gestern netterweise einen Ischiasschmerz diagnostiziert, den ich Gott sei Dank nicht wirklich habe, und mir ein entsprechendes „Empfehlungs“schreiben verfasst. Jetzt muss ich bloss noch gut schauspielern. Ich hoffe das kriege ich hin, denn solche Beschwerden hatte ich mein ganzes Leben noch nie. Ich zähle da mal auf die Faulheit der spanischen Beamtendoktoren, die sich nur unter äusserstem Zwang hinter ihrem Schreibtisch hervorbewegen, statt einer Untersuchung lieber ein paar Fragen stellen und wenn es ginge bei allen Patienten Ferndiagnose machen würden.

Noch nie habe ich von irgendwelchen Schauspielern oder berühmten Persönlichkeiten geträumt und jetzt schon zwei Nächte hintereinander. Gestern war es Pierce Brosnan und heute Jon Bon Jovi. Selbstverständlich gingen wir uns jedesmal ordentlich an die Wäsche.
Hat das was zu bedeuten? :-D
Wer kommt diese Nacht dran? ;-)

Manchmal frage ich, wer hier mehr schwanger ist. Mein Mann oder ich. :-D
Ständig hat er Lust auf Süsses. Heute musste es bei Ben & Jerry’s ein Brownie mit Eis (Strawberry Cheesecake) und Schokoladensauce sein. Danach hatte er aber immer noch nicht genug und wir mussten beim Supermarkt vorbei um Brownies und mehr Eis zu kaufen, damit er sich zu Hause noch eine Portion richten konnte. Brownies gab es leider nicht, deshalb wurden es schliesslich Chocolate Chip Cookies, Nutella und Eis, ersteres in der Mikrowelle warm gemacht.
Ausserdem habe ich den Auftrag erhalten im Internet nach einem Brownierezpet zu suchen, denn die guten 900 noch verbleibenden Milliliter Eis wollen in Zukunft ja standesgemäss verzehrt werden. :-D

Und mal wieder muss ich mich entschuldigen, dass ich so lange nichts habe hören lassen. Aber irgendwie hatte ich in den vergangenen Wochen überhaupt keine Lust zu schreiben. Nicht mal an meinen Romanen habe ich irgendwas getan. Liegt alles vollkommen brach… tja…

Bis zum Entbindungstermin sind es noch gut 6 Wochen, aber es sieht so aus, als würde es die Kleine ein bisschen eiliger haben. Bis jetzt sitzt sie noch störrisch aufrecht in meinem Bauch und denkt gar nicht daran sich umzudrehen, trotz Moxen etc. Der Arzt meinte, bei Beckenendlage würden sich die Babys wohl früher auf den Weg machen. Na, wir dürfen gespannt sein.
Mein Schatz ist deshalb vollkommen aus dem Häuschen, weil er in der zweiten Maiwoche eine wichtige, (nein, eigentlich DIE wichtigste) Messe des Jahres in Barcelona hat und dort natürlich nicht fern bleiben kann, wenn das Baby noch nicht da ist.

Ach ja, gerade eben hat er mich um einen Pfefferminztee gebeten… ;-) Habe ich es nicht geahnt!

Tja, es babyt immer mehr. Jetzt kann man sich dem ganzen wirklich nicht mehr entziehen. Erstens wächst der Bauch und ich sehe aus wie ein kleines Fässchen auf Beinen. Zweitens macht sich die Kleine immer mehr bemerkbar, – sie liebt die linke obere Ecke meines Bauches und ich fühle mich ständig etwas schief ausgebeult ;-) , der Heavy Metal Musik meines Schatzes hat sie sofort wild strampelnd den Kampf angesagt und ich wollte meinen Ohren nicht trauen, aber seit neustem hört er Klassik! Drittens müssen so viele Dinge getan und gekauft werden, die alle mit dem Nachwuchs zu tun haben.

Der Kinderwagen steht ja schon seit Ende des Winterschlussverkaufs bei uns in der Wohnung rum und meine Mutter wäre fast in Ohnmacht gefallen, als sie hörte, wie viel sowas heutzutage kostet. Na ja, ich fand den Preis eigentlich ganz in Ordnung, vor allem weil man hier in Spanien meist Kombimodelle bekommt, die mit den entsprechenden Umbauten sowohl als Kinderwagen, Sportwagen und Babysitz fürs Auto verwendet werden können.
Seltsam, dass wir damals als wir klein waren alle Autofahrten in einer schlapprigen Tragetasche auf dem Rücksitz überlebt haben…

Die vergangenen Wochenenden haben wir uns dann auf die Suche nach Gitterbett und Stubenwagen gemacht und sind inzwischen auch fündig geworden. D.h. die Matratzen fehlen noch und vom Stubenwagen haben wir bis jetzt nur den unteren Teil, aber wir haben ja auch noch gute 2 ½ Monate Zeit. Ich kann euch sagen, es ist gar nicht so einfach, etwas einigermassen geschmackvolles zu finden. Also einfach nur aus Holz in weiss oder natur ohne irgendwelche hässliche Aufkleber, Details oder schreiende Farben.

Viel mehr werden wir für die Kleine schon auch vorerst nicht mehr anschaffen. Ein babygemäss dekoriertes, gestrichenes und bemöbeltes Zimmer ist nicht vorgesehen und schon gleich gar keine rosafarbene Barbie-/Minimaus-/Glücksbärchenausstattung. Hatten wir als Kinder auch nicht und ich denke, es ist uns gut bekommen.

Na ja, fehlen noch Kleidung, Wickelunterlage, Badewanne, Windeln etc. aber das wird sich schon noch ergeben. Erstmal muss ich das ganze Zeug sichten, dass meine Mutter uns schicken wird. Zumindest weisse Neugeborenenhemdchen dürften mehr als genug darunter sein (und vielleicht doch die rote Frotteekatze ohne Ohren und mit platten Schwanz…) Was man einem so kleinen Baby bei der spanischen Sommerhitze anziehen soll, lässt mich eh zweifeln. Für mich persönlich ist die Hitze jedes Jahr ganz einfach furchtbar und ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein kleines Geschöpf die leichter ertragen kann als ich. Das ist wirklich das einzige, was mir so richtige Sorgen macht.

Seit drei Wochen gehen wir nun auch zum Geburtsvorbereitungskurs. Der von der Seguridad Social (staatliche Krankenversicherung) ist ja kostenlos und wir haben wirklich ein unglaubliches Glück mit dem Gesundheitszentrum, dem wir wegen unserem Wohnort zugeteilt sind. Dort arbeitet anscheinend die einzige Hebamme von ganz Valencia, die fortschrittlich denkt und man kann wirklich was bei ihr lernen. Es kommen sogar Leute aus anderen Stadtteilen.

Zuerst hat sich Schatz ja noch gesträubt (so von wegen Geburt, lieber nichts hören und sehen, dann wird es schon irgendwie an mir vorüber gehen), doch nun verschiebt er sogar Geschäftsreisen dafür. Diese Woche wird es darum gehen, wie man das Baby badet etc. und das kann sich natürlich kein werdender Vater entgehen lassen. Vielleicht sollte ich ihn allein hinschicken und derweilen zu Hause ausspannen, das mit dem Stillen hat er jedenfalls schon perfekt drauf. ;-)

Mal schaun, ob er auch noch so eifrig bei der Sache ist, wenn es dann mal wirklich um die Geburt geht. Ich war ja bis jetzt auch ein paar mal in den Kurs, der in „unserer“ Klinik angeboten wird (leider nicht kostenlos und leider zu früh, wenn man normal arbeitet), und da werden die Männer jedes mal ganz bleich und stumm, wenn sich ein Nachmittag um das Thema dreht. ;-)

Eigentlich sollte Chefe diese Woche ja in Mexiko weilen und sieben Tage lang mit seiner Gemahlin Cocktails im oder am Swimmingpool schlürfen, deshalb war ich gelinde gesagt auch ziemlich erschrocken, als ich ihn am Montagmorgen gleich hinter mir auf den Firmenparkplatz fahren sah.

Auf meine Frage hin, was denn passiert sei (hatte ich etwa die Flugbuchung vermasselt?!) meinte er nur: „Morgen kommt die Konkurrenz vorbei. Estamos fotuts.“ Letzteres ist eine sehr unortodoxe Mischung aus Spanisch und Katalanisch und bedeutet so viel wie: Jetzt stecken wir bis zum Hals in der Scheisse.

Nachdem die Nachrichten, die schon seit 2 Wochen im Internet kursierten, von Corporate Communications immer wieder als Unsinn dementiert wurden, ist es nun so gut wie offiziell (d.h. niemand hat etwas konkretes gesagt, aber leugnen kann es auch keiner). Unser grösster Konkurrent wird sich uns einverleiben. Dass dabei, wie bei jedem Festmal, ganze Berge an Abfall und Überresten bleiben, ist nur normal.

Gerade eben habe ich mit meinem Lieblingsingenieur in Dtld. gesprochen und der meinte, dort wären gerade alle am bangen und zittern, denn heute würde bekanntgegeben, wer in der ersten Kündigungswelle rausfliegt, und das sind anscheinend nicht gerade wenige.

Hier in Spanien hängen wir dagegen immer noch in der Schwebe, oder das Damoklesschwert über uns, wie man es nehmen will.

Auch die Fleischbeschau gestern hat keinen wirklichen Anhaltspunkt für uns normale Arbeitsbienen geliefert. Wir wurden alle in einer Reihe aufgestellt und dann wurden Zähne, Knochen, Fettansatz um die Hüften usw. geprüft. Ob sie uns als Schlachtvieh haben wollen, ob wir noch für die Feldarbeit taugen, oder sie uns gleich den Gnadenschuss geben werden, weiss aber keiner. Zumindest für ein paar Kilo Seife sollte es doch wohl noch reichen!

Chefe ist, seitdem die Menschenhändler wieder weg sind, nicht mehr ansprechbar und in einer extrem miesen Laune. Ich halte also wohlweislich meinen Mund, dafür aber meine Ohren offen. Und ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass das ganze auf einen Gnadenschuss hinausläuft.

Gestern überhörte ich ein Gespräch, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach mit seiner Ehefrau führte, und glaubte etwas wie „die haben kein Interesse an unserem Werk“ zu verstehen. Heute morgen beschwerte er sich gegenüber Karatekid, dass sie jetzt gleich eine Telekonferenz mit dem CEO hätten, „Nur, für was noch?“

Nein, ich mache mir keine Hoffnungen mehr. Dass meine Zeit in dieser Firma gezählt ist, nehme ich so oder so als gegeben an. Selbst wenn unser Werk bestehen bleiben sollte, würden bei einer Übernahme wohl alle Leute aus der Führungsebene und somit ihre Anhängsel, sprich Assistenten, rausfliegen. Ehrlich gesagt, habe ich mich inzwischen sogar schon darauf eingestellt, nach dem Mutterschutz erstmal ein paar Monate zu Hause zu bleiben. Der Gedanke kommt mir auch weit verlockender vor, als mit einem knapp 5 Monate alten Baby wieder zu arbeiten anzufangen. Allein das Stillen wäre dann schon ein halbes Drama.

Mal eine ganz dumme Frage noch zum Schluss: Ist das Damoklesschwert denn dann irgendwann auch mal runtergefallen? Kann mich nicht daran erinnern, jemals davon gelesen zu haben.

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