España


Normal ist das nicht!

Gestern Abend sind wir von einer kleinen Nordspanienrundreise zurückgekommen. Zaragoza, Bilbao, Pamplona. Regen, Regen und nochmals Regen. Schönstes, nasskaltes, klammes Herbstwetter.

Und hier in Valencia Hochsommer.

Und das schlimmste ist: Ich geniese die Wärme!

Ganz nebenbei: Es weiss nicht zufällig jemand, wie ich mein kleines Mäuschen dazu bekomme aus dem Fläschchen zu trinken? In genau acht Tagen muss sie täglich für sechs Stunden in die Krippe und stur wie sie ist, stehen die Chancen gut, dass sie sich entschliesst einfach zu hungern bis Mami wieder zur verfügung steht.

Es ist wirklich irre, wie die Kaulquappe gewachsen ist. Anfang der 8. Woche in der durch den Ultraschall nur die Schwangerschaft festgestellt wurde, hat man nur einen knapp zwei Zentimeter grossen Klumpen gesehen in dem etwas pulsierte (das Herz). Inzwischen (Anfang 14. Woche) ist das Kleine schon etwas mehr als sieben Zentimeter gross, hat Kopf, Augen, Mund, Wirbelsäule, Arme, Beine und sogar Hände und Füsse, und strampelt und zappelt wie verrückt herum. Ich wundere mich wirklich, dass ich das nicht spüre.

Wir hatten uns bis jetzt über Pränatale Diagnostik eigentlich gar keine Gedanken gemacht, aber dann meinte der Arzt, dass es jetzt eigentlich Zeit wäre, die Messung der Nackenfalte vorzunehmen, wegen Down-Syndrom etc. Hier in Spanien gehört das im Gegensatz zu Deutschland, wie ich gerade vorhin im Internet gelesen habe, anscheinend zu den Routineuntersuchungen, genau so wie der Triple-Test.

Im Grunde waren wir uns im Klaren, dass wir wegen so einem Verdacht nicht abtreiben würden und eine Fruchtwasseruntersuchung hätte ich eh niemals machen lassen, also wäre es vollkommen nutzlos gewesen. Aber es zu wissen kann ja auch nicht schaden.
Doch das Kleine weigerte sich konstant, sich auf die Seite zu drehen und im Perfil zu zeigen, so dass ich schliesslich dem Arzt sagte, er solle es gut sein lassen. Der war sichtlich erleichtert, weil er im Grunde auch nicht viel von solchen Tests hält, die lediglich ein vages Risiko angeben und mehr verunsichern als klare Ergebnisse liefern.

Den Triple-Test habe ich mir auch nicht verschreiben lassen. In dem Moment war ich mir über diese Entscheidung sehr sicher, aber im Nachhinein kamen mir dann doch Zweifel. Der Triple-Test würde ausser dem Down-Syndrom ja auch die Möglichkeit einer Trisomie 13 und 18 auswerten, welche für das Kind um einiges gefährlicher sind. Um einigermassen sicher zu gehen, müsste dann aber auch wieder eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht werden und eine normale Abtreibung wäre bis dahin eh schon nicht mehr möglich. Ganz zu schweigen davon, dass ich sowas nicht mitmachen würde.
Na ja, nach ein paar Stunden Kopfzerbrechen konnte ich das ganze zu den Akten legen und bin jetzt wieder vollkommen ruhig. Schatz sieht das alles eh viel lockerer als ich. Er findet alle Kinder, egal ob gesund oder behindert schon auf den ersten Blick ganz einfach nur süss und anbetenswert. Er hat von uns beiden anscheinend den grösseren „Mutterinstinkt“. ;-)

Im nachhinein empfinde ich dieses Erlebnis wieder mal als einen Beweis dafür, wie wenig menschlich das spanische Gesundheitssystem ist. Ich meine, dadurch solche Tests routinemässig durchzuführen, bauen die Ärzte doch nur wieder ihre Macht über die „Patienten“ aus, indem sie ihnen mit möglichen Konsequenzen drohen etc. und ihnen Angst machen.
Eine wirkliche Spezialität von spanischen Ärzten, vor allem in der Geburtshilfe (egal ob staatlich oder privat – privatversichert meist noch schlimmer, denn die wollen ja Geld rausschlagen).
Da werden Frauen Kaiserschnitte eingeredet, nur weil der Arzt an dem Wochenende, wo es vielleicht zur Geburt kommen könnte, auf Urlaub fahren will. Und selbst wenn die Geburt normal verlaufen könnte, werden oft unnötigerweise Wehenhemmer oder Oxytozin eingesetzt, um die Geburt dem Zeitplan der Ärzte anzupassen. Dammschnitt wird routinemässig bei über 90 % aller Erstgebärenden gemacht. Dass man das Kind nur im Liegen bzw. auf dem gynäkologischen Stuhl und im Operations Kreissaal bekommen darf, ist eh klar, ist ja für das Personal bequemer. Sowas wie Badewannen oder Geburtszimmer sucht man vergeblich. Die Wehen müssen liegend und bei ständiger Kontrolle ertragen werden. Dass es dann, vor allem in Verbindung mit dem Oxytozin häufig dazu kommt, dass die Frauen das ganze ohne Epidural-Anästhesie nicht mehr aushalten, dadurch aber die Geburt vollkommen ins Stocken gerät und schliesslich doch im Kaiserschnitt endet oder das Kind anderweitig geholt werden muss, ist vollkommen normal. etc. etc. etc. Ich will gar nicht ins Detail gehen, sonst rege ich mich wieder auf.

Ich habe es schon oft genug am eigenen Leib erfahren, dass die Ärzte einen hier wie ein Stück Fleisch und wenn man Glück hat noch wie eine lebende Kuh behandeln. Zu blöd um irgendwas zu verstehen, ist man ja eh. Also besser gar nicht erst anfangen, etwas zu hinterfragen oder genauer wissen zu wollen. Und bloss nicht den Anschein erwecken, man wäre schlauer als der Arzt, indem man irgendeinen Vorschlag macht oder sagt, wie man es gerne hätte.
Man ist einfach vollkommen ausgeliefert.

Leider denken die meisten Frauen hier, das wäre normal! Erst wenn sie dann ein schlimmes Erlebnis hatten, fangen sie an nachzudenken. So auch eine Freundin aus Barcelona. Die hatte bei ihrem ersten Kind einen Kaiserschnitt (natürlich vollkommen überzeugt, dass alle Ärzte nur ihr bestes wollten), bei dem nicht nur emotional einfach alles schief lief. Sie durfte ihr Baby erst einen Tag danach das erste mal sehen. Ihr zweites Kind hat sie zu Hause nur mit einer Hebamme bekommen. Ich denke, das sagt doch alles.

Aber nein, ihr braucht jetzt keine Angst um mich zu haben, ich habe nicht vor, mir sowas zu geben. Wenn irgend möglich werde ich es schon beim ersten Mal richtig machen.
In der Nähe von Alicante gibt es eine private Klinik, Acuario, die schon seit Jahrzehnten gegen den Strom schwimmt und sich „natürlichen Geburten“ (ich weiss, das hört sich extrem blöd an, ist aber traurigerweise so) verschrieben hat. Gleichzeitig aber für den Fall der Fälle alle technischen und modernen Hilfsmittel bereitstehen hat. Die beiden Gynäkologen, die dort arbeiten, haben glücklicherweise auch eine Praxis in Valencia. Ich war bis jetzt zweimal dort (eben auch gestern) und ich bin jedes mal wieder fasziniert und überrascht, wie nett die Leute sind, wieviel Zeit sie sich nehmen alles zu erklären (wir waren gestern 1 geschlagene Stunde drin) und wie fortschrittlich und so ganz anders als die normalen spanischen Ärzte sie sind. Sie verweigern dir nichts, zwingen dir aber auch nichts unnötiges auf. Ich fühle mich einfach sicher. Und so soll es ja auch sein.

Heute Morgen als ich, soeben aus dem Bett gefallen, ins Badezimmer taumelte, sah ich einen braunen Fleck auf dem Badezimmerteppich. Zuerst wollte ich ihn ja ignorieren, doch dann kam mir das ganze doch etwas komisch vor und ich sah etwas genauer hin.
Meine kurzsichtigen Äuglein ersparten mir zwar den detaillierten Anblick, aber ich verstand sofort, dass das, was da gemütlich auf dem flauschigen Polster sass, eine Kakerlake war. Eine widerliche, ekelige, furchterregende Kakerlake in meinem Bad!
Meine entsetzten Schreie „Cucaracha, cucaracha!“ mussten sicherlich die gesammte Nachbarschaft aufgeweckt haben, aber Schatz bewegte sich nicht mal, die Laken bis über die Nase gezogen.

Ich wagte es nicht, das Untier aus den Augen zu lassen. Im Moment sass es zwar noch erstaunlich ruhig da, aber jeden Moment konnte es losrennen und was dann?
„Da ist eine Kakerlake auf dem Badezimmerteppich!“, versuchte ich es nochmal, aber Schatz drehte sich nur um und kuschelte sich tiefer in die Kissen.
„Du musst sie umbringen!!!“
„Bloss wegen einer Kakerlake werde ich jetzt nicht aufstehen!“, brummte er.
Bloss! Bloss!! Eine Kakerlake in meinem Bad, in meinem Haus, in das sich in den ganzen vier Jahren, die wir hier wohnen, noch nie ein grösseres Insekt als eine Fliege verirrt hat, kommt einer nuklearen Katastrophe gleich und der Mann an meiner Seite zieht sich die Bettdecke über den Kopf?!
Allein der Gedanke, dieses Monster zerquetschen zu müssen, verursachte mir Übelkeit. Wie überhaupt? Mit einem Schuh? Draufsteigen? Nein, das könnte ich nicht, das würde knirschen und knaksen und… ahhhh

Aber irgendwas musste ich tun, sonst würde ich mich nicht duschen können. Das Tier einfach leben zu lassen, wie ich es mit Spinnen etc. mache, war keine Option. Kakerlaken darf mach nicht leben lassen, und schon gar nicht im eigenen Haus.
Erstmal Badezimmertür zu, sonst würde das Vieh noch entkommen und ins Schlafzimmer rennen und dann gute Nacht!
Ich fühlte mich wie in einem Alptraum, als ich dem braunen Fleck, der jetzt langsam zu krabbeln anfing in dem kleinen geschlossenen Raum gegenüber stand. Jede Moment konnte er mich anfallen! Ich war barfuss, hatte nackte Beine… Nein, jetzt nicht weiter denken, Azahar! Da fiel mein Blick auf den Abfalleimer. Ich hob ihn probehalber an. Der Plastikboden sah zwar nicht sehr stabil aus, und der Teppich würde das ganze weiter abpolstern, aber vielleicht würde es reichen.
Die Tatsache, dass sich der Fleck jetzt auf mich zubewegte, half mir meinen Ekel zu überwinden und eine Sekunde später hatte ich den Abfalleimer draufgestellt und drückte ihn so fest auf den Boden wie ich nur konnte.
Ha! Da nimm, du Unhold!

Ich liess den Abfalleimer genau auf der gleichen Stelle stehen, bis ich mich geduscht und angezogen hatte, nicht ohne immer wieder zu kontrollieren, dass nichts darunter hervorkam.
Erst dann hob ich ihn mit einem Finger an. Jetzt mit Brille auf der Nase, sah das ganze noch viel widerlicher aus. Der glänzende Panzer der Kakerlake war zwar nur leicht zerquetscht, aber bewegen tat sie sich nicht. Ich hob also todesmutig den Teppich an um die letzten Überreste meines Gegners in der Toilette zu entsorgen, da schnellte plötzlich ein Fühler nach oben und dann bewegte sich ein Bein und ich liess den Teppich fallen, griff den Abfalleimer und drückte ihn panisch nochmal drauf.

Schatz schien sich nun endlich langsam aus Morpheus Umarmung zu lösen und da ich los musste, in die Arbeit, gab ich ihm den Auftrag, die sterblichen Überreste der Kakerlake zu entsorgen, sobald sie sich nicht mehr bewegen würden.
Schatz lachte sich kaputt und meinte, ich wäre schon ein ziemlicher Feiling. Wie gross das Tier denn sei.
Ich zeigte ihm mit den Fingern eine Grösse von ca. 4 cm.
„Was?!“ Nun war auch er erschrocken und zehn Sekunden später im Bad.
Was hatte er denn erwartet? Ein Silberfischchen?!
Er hob den Abfalleimer an. Das Monster schien wieder Kräfte gesammelt zu haben und war entschlossen, zu entkommen. Schatz versuchte es mit einem Schuh und dann noch mit einem Spray gegen Blattläuse, obwohl ich ihm schon im voraus sagte, dass das nichts nützen würde. Ich hatte nicht das Bedürfnis den Kampf aus der Nähe zu betrachten, denn die Kakerlake zuckte und wand sich, aber aufgeben wollte sie nicht. Erst als Schatz die Toilettenspülung betätigte, wagte ich es, wieder ins Badzimmer zu blicken.
„Wo ist die hergekommen?!“ Schatz schüttelte sich.

Ja, das frage ich mich auch! Immerhin ist mir bekannt, dass diese Tiere sich hin und wieder durch die Abflussrohre zwängen, und dann aus den Abflüssen von Waschbecken und Badwanne kommen, aber klettern die wirklich bis in den fünften Stock? Und wenn dieses Exemplar nicht aus der Kanalisation gekommen ist, woher dann? Haben vielleicht die Nachbarn unter uns ihre ganze Wohnung zugemüllt?
Das erste was ich heute nach der Arbeit tun werde, ist jedenfalls direkt zum Supermarkt zu fahren und irgendein Mittel gegen Kakerlaken zu kaufen. Keine Ahnung, was sich da so anbietet, aber ich werde nicht zulassen, dass sich dieses Ungeziefer in meiner Wohnung ausbreitet.

Und was soll ich mit dem Badezimmerteppich machen? Wenn es nach mir ginge, würde ich ihn ja in eine Mülltüte packen und sofort entsorgen, aber das wird Schatz sicherlich übertrieben finden. Männer!
Aber so wie der Teppich jetzt ist, sind da garantiert Kakerlakenüberreste und -säfte drauf, und ich werde ihn auf keinen Fall weiter benützen. Aber in der Waschmaschine will ich das Zeug eigentlich auch nicht haben, egal wie toll die alle Überreste wegspülen würde. Ich meine, ich muss danach darin wieder Kleidung waschen und Unterwäsche… nein, ich will wirklich gar nicht daran denken!

Aus der Fernsehwerbung…
Hier in Spanien wirbt ein Fleckenlöser, der direkt mit in die Waschmaschine gegeben wird, seit neustem mit folgenden Slogan:

XXX eliminiert sogar die Flecken, die man nicht sieht.

Staunend erkennt Azahar den philosophischen Hintergrund. Die existenzialistische ja in gewissem Sinne sogar tief religiöse Fragestellung zum Fortbestand der Menschheit in den nächsten 20 Jahren.

Sind Flecken, die man nicht sieht, überhaupt Flecken?

Monseñor und ich haben ja unser persönliches Stimmungsbarometer (Angaben auf einer Skala von 1 bis 10), das mindestens einmal am Tag ausgewertet wird.
Heute steht es (wenn auch aus verschiedenen Gründen) schlimm um uns, denn die Skala reicht nicht mehr aus um unser Befinden anzugeben.
Monseñor ist O-Ton “hasta los cojones (excuse my French)”
Und ich? Ich warte darauf, dass der Tag irgendwie vorbeigeht.

Dieser frustrierenden Vollzeitbeschäftigung habe ich mich auch schon gestern ohne grossen Erfolg gewidmet. Es gibt einfach zu viele Dinge, die getan werden wollen, denen ich aber so gar keinen Enthusiasmus entgegenbringen kann. Allen voran die Übersetzung einer 13 seitigen Berufung gegen ein Gerichtsurteils vom Katalanischen ins Englische. Seit gestern Nachmittag quäle ich mich unsäglich langsam und von vielen Pausen (Internet, Kaffee, Rechnungen einbuchen, Papiere ordnen, mit China telefonieren, noch nicht fällige Berichte zusammenstellen) unterbrochen von einem Satz zum nächsten.

Que passo a formalitzar el recurs de Suplicació anunciat en el seu dia, contra la Sentència dictada per l’esmentat Jutjat Social, en les referides actuacions.

Sorry, aber ich finde die katalanische Sprache einfach furchtbar. Mir kommt es immer so vor, als hätte da jemand aus reiner Böswilligkeit das Spanische entstellt und dann eine ganze Region dazu gezwungen, diese Wortklumpen so auszusprechen als würden sie gerade ihre eigene Zunge verschlucken.
Ja, ich weiss, alle Sprachen haben ihre Daseinsberechtigung und sind eine kulturelle Bereicherung, aber nicht so lange ich damit belästigt werde!
Ständig pochen die Katalanen darauf, dass sie eine eigene Sprache haben, aber gleichzeitig setzen sie automatisch voraus, dass man perfekt Katalanisch versteht, wenn man Spanisch kann, so als obs die selbe Sprache wäre.
Opportunisten! Ihr dreht euch doch auch nur nach dem Wind!

Ganz abgesehen davon hab ich mal wieder null Bock auf gar nichts. Arbeit ist doch die reine Zeitverschwendung! Ich hätte zu Hause so viel zu tun! Bin nämlich gerade dabei eine ordentliche Grundstruktur für den Roman, den ich mit meinem Romanprojekt (das spätestens nächste Woche wieder online ist, versprochen, hoch und heilig, wirklich, echt und ganz ehrlich!) angefangen habe, auszuarbeiten. Komplexe vielschichtige Figuren mit Vergangenheit, Konflikte, kausale Zusammenhänge…
Dieser ganzen Theorie habe ich mich ja bis jetzt immer verschlossen, da ich mir dachte, die Geschichten erzählen sich schon von selbst und man lernt die Figuren auch als Autor erst so nach und nach kennen. Teilweise ist das natürlich so, aber eben nur teilweise.
Doch nachdem ich mich in den letzten Wochen eingehender damit beschäftigt habe, ist mir klar geworden, was ich bisher alles verpasst habe und vor allem welche Probleme ich mir selbst hätte ersparen können, wenn ich von vorn herein… Aber wie heisst es so schön? Hochmut kommt vor dem Fall.
Über den ganzen Prozess mehr im dazugehörigen Blog. Nächste Woche! Wie gesagt…

Vorher muss ich mir noch einen Teil der Doktorarbeit meiner kleinen Schwester reinziehen und vor allem korrigieren. Es geht dabei um Tests die einen bestimmten Virus im Blut von Vögeln nachweisen bzw. Impferfolge bestätigen sollen.
Na ja, Begriffe wie Enzyme-linked immunosorbent assay oder Haemagglutination inhibition Test, liegen mir immerhin mehr als das verschnörkelte Gebrabbel der Juristen.

Wenn die Tussi nebenan jetzt nicht gleich die Klappe hält, kann ich für nichts garantieren! Ihre Stimme ist einfach unangenehm, durchdringen, laut, greift die Ohren an und sie wird wohl nie lernen, dass sie, auch wenn sie noch so viel redet, nicht darüber hinweg täuschen kann, dass sie nichts geistreiches zu sagen hat.

Gestern Abend fand ja die erste Fernsehdebatte zwischen unserem amtierenden Ministerpräsidenten Zapatero und dem Würdegernministerpräsidenten Rajoy statt. Für die dies nicht wissen: Am 9. März wird hier in Spanien ein neues Parlament gewählt.
Ich hatte der Debatte mit einigem Interesse entgegen gesehen, in der Hoffnung irgend einer von beiden würde nun endlich die für die nächste Amtszeit vorgesehenen Regierungsziele seiner Partei darlegen. Aber ja!
Eigentlich sollte ich inzwischen wissen, dass so etwas hier in Spanien nie passieren wird. Anstelle mit Wahlversprechen werfen die Parteien hier nur mit Dreck und populistischen Parolen um sich. Die Opposition findet, dass Zapateros Partei das Land schlecht regiert hat und die Regierungspartei ist sehr verärgert über das unkooperative Verhalten von Rajoys Opposition. So als ob wir das nicht schon zur Genüge wüssten! Das geht jetzt schon vier Jahre so.
Und Dank der Medien müssen wir uns auch all diese Hirnlosigkeiten, diese Pfützen aus aussagelosem Gedankenbrei eine nach der anderen reinziehen, da hilft nicht mal Fernseher abschalten.

Ich habe gestern jedenfalls nach den ersten 15 Mintuen genau das getan: Weggezappt. Das ganze löst bei mir einfach nur einen unkontrollierbaren Würgereiz aus. Könnte ich in Spanien wählen, würde ich nicht zur Wahl gehen und das sollten meiner Meinung nach alle Spanier tun. Aber nein, die meisten springen voll auf den Zug auf (und ganz voran, oben auf dem Dach, an der Spitze der Lock schwenkt die Tussi kreischend ihre Fahnen – obwohl sie nicht mal eine richtige Spanierin ist – aber die Tussi kreischt und echauffiert sich nun mal gerne).

Manchmal kann ich einfach nicht anders, als zu glauben, dass jedes Land genau die Politiker hat, die es verdient.
¡Este país se merece su destino! – Dieses Land verdient sein Schicksal. Ihm gehört es nicht anders. Es geschieht ihm recht! – (um mal meinen Schatz zu zitieren, der diesen Spruch gerne auf Kolumbien anwendet)

Zum Weinen sind ja auch die Wahlkampfspots der beiden grossen Parteien die, seit dem der Wahlkampf letztes Wochenende angefangen hat, im Fernsehen ausgestrahlt werden. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr.

Vorher gilte es ein anderes Thema abzuschliessen: Ich habe den Job nicht bekommen. Am Freitag lag ein Absageschreiben im Briefkasten.
Seltsamerweise bin ich nicht mal böse darüber, nur wüsste ich gerne warum sie sich schliesslich doch gegen mich entschieden haben. Finanzielle Gründe? Oder tatsächlich eine Frage der professionellen Art? Morgen früh werde ich wohl mal anrufen, aber ich mache mir keine grossen Hoffnungen eine aussagekräftige Antwort zu bekommen. Spanier geben sich da sehr verschlossen.
Es erschreckt mich wirklich, wie egal mir das ganze ist, ich sollte mich aufregen, wütend oder verzweifelt sein! Aber nichts der gleichen. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich sogar richtig froh darüber. Es gibt im Moment so viele andere Dinge die mir im Kopf rumspuken, da kann ich auf Stress am Arbeitsplatz gut verzichten. Abends wenn ich heimkomme, muss ich frisch sein um mich an den Computer setzen zu können und zu schreiben was das Zeug hält.
Claude: Das Romanexperiment ist nicht verschwunden, es braucht nur mal eine kleine Denkpause.

Ich weiss nicht mehr, wie sie auf das Thema kamen, – Sex-Shops -, aber es entwickelte sich eine heisse Diskussion, die fast perfekt die spanische Gesellschaft in ihren typischen Altersklassen wiederspiegelt.

Die illustre Diskussionsrunde, die sich auf den abgewetzten Stühlen um dreckige, weiss furnierte Tische versammelt hatte, bestand aus:

Altersklasse über 50:
Raucher und Engelbert (seit ca. 100 Jahren Sachbearbeiter im Lager II und glücklich dabei),
sowie Momo (aber die läuft eh absolut ausser Konkurrenz)

Altersklasse um die 40:
Der Nachbar (Leiter Lager I), der mir vorher noch schnell den neusten Klatsch aus unserem Viertel erzählen musste. Anscheinend hatte am Mittwochvormittag ein ganzes Polizeiaufgebot einen Kreditkartenfälschungsring ganz bei uns in der Nähe ausgehoben.

Altersklasse 30 – 40:
Charly (Quali-Täter)
Schmalzlocke (Leiter Lager II)
Die seltsame Kleine

Altersklasse 20 – 25:
Das Keks

Der Raucher und Engelbert begannen zu behaupten, sie hätten noch nie ein derartiges Etablissement betreten und gedächten auch nicht das jemals zu tun, denn es wäre ihnen peinlich, dabei gesehen zu werden, und am besten noch dann, wenn sie mit einer Plastiktüte mit kompromittierendem Aufdruck! den Laden verlassen würden.
Sie mal einer an, der zarte Kern der Obermachos.

Charly und Schmalzlocke gingen sofort zum Gegenangriff über, indem sie alle Vorzüge eines derartigen Geschäfts priesen und das Warensortiment detailgetreu aufzählten. Die seltsame Kleine ihrerseits versuchte ihnen die Vorzüge von Liebeskugeln näherzubringen.

Der Nachbar schwieg, schüttelte den Kopf und kaute verwirrt an seinem Sandwich, das Keks gründelte mit hochroten Ohren in seiner Kaffeetasse und Momo lag, sich windend vor Lachen, irgendwo unter dem Tisch.

Engelbert hatte sich inzwischen hinter einer Mauer des Schweigens verschanzt und der Raucher, der seine Moralvorstellungen noch immer mit Händen und Füssen verteidigte, wurde von der Gruppe der 30-40 jährigen in die Zange genommen:
Nachdem doch heute Valentinstag wäre, sollte er seine Frau mit einem kleinen Spielzeug überraschen.
Der Raucher wand sich und gestand schliesslich, dass, wenn er ihr so etwas schenken würde, sie ihn ja für gar nichts mehr brauchen würde und sah sichtlich erschrocken ein, dass er somit seine letzte Daseinsberechtigung verlieren würde (seine Frau verdient genug Geld um sich selbst zu ernähren und schmeisst alleine den ganzen Haushalt, während er in seiner freien Zeit zusammen mit Kumpels in irgendeiner Bar abhängt und sich alles andere servieren lässt, vom Essen bis hin zu den gewaschenen Socken und gebügelten Hemden.).

Engelbert, der schon seit Minuten hörbar mit den Zähnen knirschte, explodierte in diesem Moment und erklärte, dass die Männer heutzutage ja alle Schwächlinge sein, damals als er noch jung war, hätten sie keine Imitate gebraucht um ihre Frauen zu befriedigen, dieses ganze Zeug gäbe es ja nur, weil ihr (er deutete anklagend auf die in der Runde versammelten Männer) heutzutage keinen mehr hochkriegt.
Der Saal kreischte vor Vergnügen. Irgendwo von den Kaffeeautomaten her, erschallte Applaus.

Ich hatte mich rausgehalten, wohlwissen, dass ich mit mindestens 50 % Wahrscheinlichkeit noch ein paar Jährchen als angesehene Respektperson in diesem Unternehmen abzusitzen habe.
Was hätte ich auch dazu sagen sollen? Dass es bei Beate Uhse in der münchner Fussgängerzone manchmal zugeht wie bei Karstadt im Sommerschlussverkauf, und nur so vor Menschen aller Altersklassen wimmelt?

Es muss dazu gesagt werden, dass Sex-Shops in Spanien wirklich meist so richtige Löcher sind, und wenn man dort mal (ausser den Verkäuferinnen) eine Frau antrifft, grenzt es an ein absolutes Wunder. Ist den Frauen aber nicht zu verdenken, bei den ganzen ausgehungerten Typen die da drin rumhängen, würde ich ohne männliche Begleitung auch keinen Fuss reinsetzen.

Obwohl, auch in Spanien tut sich was, in Valencia hat in der Fussgängerzone eine Filiale von Ann Summers aufgemacht, und da es dabei ja vorwiegend um Unterwäsche geht und alles andere gut im zweiten Stock versteckt ist, finden sich dort sehr viele junge Leute und vor allem Frauen ein.
Im grossen und ganzen bin ich sowieso der Überzeugung, dass das weibliche Geschlecht an solche Dinge viel entspannter rangeht, als die Männer.
Der Markt ist da, warum erobert ihn niemand?

Ich weiss, das tut jetzt nichts zur Sache, aber es fiel mir nur gerade so ein, weil diese ganze heuchlerische Moral hier in nicht unbedenklichem Ausmass mit der Kirche zu tun hat:
In Spanien muss ja sogar der sozialistische Präsident dem kirchlichen Vertreter im Vatikan die Füsse küssen und die Kirche wird allen Ernstes nach ihren Empfehlungen für die Wahlen dieses Jahr befragt, die dann tagelang in den Nachrichten ausgestrahlt werden. (Um die Gesellschaft zu verblöden?)
Nein, ich will dieses Thema wirklich nicht breit treten, es sei nur so viel gesagt: Ich hoffe, dass Mariano Rajoy (Kandidat der konservativen Partei und Kirchenliebling) die Wahlen gewinnt und dann kurz danach auffliegt, dass er einen Liebhaber hat. Hey, dass der Typ gay ist, sieht doch ein Blinder!

Spanische Sportler fühlten sich auf internationalen Veranstaltungen bisher benachteiligt. Während die Kollegen aus anderen Ländern bei der Siegerehrung lauthals ihre jeweilige Nationalhymne mitgrölen konnten, mussten sie schweigen, denn die spanische Nationalhymne hat keinen Text.

Auch das Olympische Komitee fand, dass diese Benachteiligung ein Ende haben musste, deshalb schrieb es einen Wettbewerb aus, der die Spanier dazu aufrief, Vorschläge einzureichen um der Musik ihres Landesschlager die geeigneten Worte hinzuzufügen.

Den Wettbewerb hat nun ein 52 jähriger Arbeitsloser gewonnen, der laut eigener Aussage schon lange alle möglichen Musikstücke komponiert und ganz einfach O-Ton „die innere Notwendigkeit verspürte“ seinen Senf zur Nationalhymne zu machen.

Das Olypmische Komitee und die Expertenkommission waren vom Senf offensichtlich begeistert, die spanische Öffentlichkeit zeigte sich weniger erfreut und meinte, ohne Würstchen wär das ganze ein bisschen langweilig.

Ich persönlich finde den Text durchaus Nationalhymnen tauglich, wenn auch etwas schwülstig, allerdings sehr schwer zu singen. Die Melodie an sich ist schon nicht unbedingt ein Lied und dann dazu auch noch Wortfolgen zu stammeln, an denen sich sogar die Spanier verschlucken? Also ich weiss nicht.

Was sagt ihr?

¡Viva España! – Es lebe Spanien
Cantemos todos juntos – Lasst uns zusammen singen
con distinta voz – mit verschiedenen Stimmen
y un solo corazón – aber mit einem Herzen

Ama a la Patria – Liebe dein Heimatland
pues sabe abrazar, – denn es versteht
bajo su cielo azul, – unter seinem blauen Himmel (halt, das hat er aber von uns Bayern geklaut!)
pueblos en libertad – verschiedene Völker in Freiheit zu vereinen

¡Viva España! – Es lebe Spanien
desde los verdes valles – von seinen grünen Tälern
al inmenso mar, – bis zum weiten Meer
un himno de hermandad – eine Hymne der Brüder- und Schwesternschaft (nun, ich nehme an, dass er dabei auch an die Schwestern dachte)

Gloria a los hijos – Ehre den Söhnen (und Töchtern)
que a la Historia dan – die der Geschichte verleihen
justicia y grandeza – Gerechtigkeit und Grösse
democracia y paz – Demokratie und Frieden

Nun ja, immerhin muss das ganze noch von der Regierung abgesegnet werden, so bald wird das mit dem Viva España Grölen also noch nichts werden.

Da fällt mir gerad ein, a propos Viva España, gibt es da nicht schon so einen Uraltschlager der so heisst? ;-)

Mensch, blödes Y.., sowas hat es natürlich nicht *grmml*, daher also nur der Text.

Ja nach Spanien reisen viele Europäer
Nur wegen Sonne und Wasser und Wein
Einer später doch der and’re um so eher
Fährt Richtung Spanien und packt die Koffer ein
Den Regenmantel lassen wir zu Haus
In Spanien sieht es nicht nach Regen aus

Die Sonne scheint bei Tag und Nacht
Eviva Espana
Der Himmel weiß, wie sie das macht
Eviva Espana
Die Gläser, die sind voller Wein
Eviva Espana
Und jeder ist ein Matador
Espana por favor…

Also ich finde, das wäre doch mal ein Text für eine Nationalhymne! Und dazu kann man nicht nur grölen, sondern sogar Schunkeln, Polonaise tanzen, sich übergeben oder eine Rauferei anfangen.

Liebe Spanier, hier also mein ganz persönlicher Vorschlag, damit das mit den Streitereien ein Ende hat: Nehmt dieses Lied! Schafft es uns vom Hals! Die Melodie habt ihr ja schon, jetzt müsst ihr nur noch den deutschen Text dazufügen.

Endlich habe ich jemanden gefunden dem deutsche Weihnachtssüssigkeiten schmecken!
Ich hatte heute eine Packung mit Zimtsternen dabei und Monseñor entdeckte sie natürlich sofort: „Was ist denn das? Sind das Kekse? Darf ich mal probieren?“
Bevor ich überhaupt etwas antworten konnte, hielt er die Schachtel auch schon in den Händen. – Das kleine Leckermäulchen.
Natürlich durfte er probieren, und zu meinem Erstaunen war er begeistert. Drehte immer wieder Extrarunden in Karte Kids Büro und bat auf dem Rückweg um mehr „Kekse“ wie er sie nannte.

Schliesslich so gegen vier, die Packung war schon fast leer, meinte er: „Isst du das noch?“
Ich musste lachen. „Ne, nimm sie ruhig mit.“
Und er nahm die Schachtel tatsächlich mit. (Meine Hüften haben es ihm gedankt.)

Andererseits ist es bei Monseñor nicht wirklich aussergewöhnlich, dass ihm das Zeug schmeckt. Er ist eh ein komischer Spanier. So richtig aufgeschlossen und weltbewandert. Er reist gerne in fremde Länder und ist an allem ausländischen interessiert. Ich habe aus seinem Mund noch nie etwas Abfälliges über Araber, Schwarze, Asiaten oder Südamerikaner gehört. Er geht sogar alleine, ohne südamerikanische Begleitung oder vorgehaltene Waffe, in das kolumbianische „Restaurant“ das auch Schatz und ich öfter frequentieren, weil er das Essen dort so toll findet. Ausser ihm habe ich dort noch nie einen Spanier gesehen.

Von ihm habe ich mir auch noch nie diese typischen selbstgefälligen Sprüche die alle Spanier früher oder später hervorbringen, anhören müssen.
Das läuft meist ungefähr gleich ab und ist mir schon hundert mal passiert.
So auch am Samstag in der Post:

Ich wollte eigentlich nur einen Brief nach Deutschland abschicken.
Meinte der Typ am Schalter so: Ach, du bist aus Deutschland?
Ich so: Ja.
Er so: Meine Tochter macht nächstes Jahr einen Sprachkurs in Deutschland.
Ich so: Aha. Na ja, eine Sprache lernt man immer am einfachsten in dem Land in dem sie auch gesprochen wird.
Er so: Aber in Deutschland ist es ja ziemlich kalt.
Ich so (schon auf der Hut): Ja, im Winter ist es kälter als hier.
Er so: Und es regnet dort ja so viel.
Ich so: Ja, es regnet mehr als in Spanien.
Er so: Das Klima ist hier doch viel besser.
Ich so: Es ist wärmer, das stimmt.
Er so (zufrieden): Na ja, hier in Spanien lebt es sich ja auch viel besser. Deshalb bist du hier, gell! *Gelächter*
Ich so: Hmmm, unter anderem. (Natürlich stimmt das nicht, aber was solls, zu dem Zeitpunkt war ich noch geduldig und friedlich gestimmt.) Klebst du mir jetzt endlich die Briefmarke auf den Brief? Verdammt.
Er so: Und das Essen in Deutschland, da gibt es doch ständig Kartoffeln, oder?
Ich so: Nein, wir essen auch anderes, es gibt sehr viele verschiedene Gerichte, Fleisch, Gemüse etc.
Er so: Aber ihr esst doch viel Kartoffeln, oder?
Ich so: Na ja, eigentlich nicht.
Er so (selbstgefällig): Aber in Spanien ist das Essen doch viel besser.
(Normalerweise antworte ich auf sowas ja immer mit jaja, um solche Gespräche so schnell wie möglich zu beenden. Aber an dem Tag platzte mir der Kragen.)
Ich so: Na ja, in allen Ländern gibt es gute Sachen und welche die weniger lecker sind. Ich finde das Deutsche Essen nicht schlecht.

Man war mir der Typ danach beleidigt, knallte mir die Rechnung auf den Tresen und sprach kein Wort mehr mit mir.

Was haben wir erst letztens in einer Runde Nicht-Spanier darüber gelacht. Wir waren zu sechst und hatten alle unabhängig voneinander die gleichen Erfahrungen gemacht. Alle, wirklich so gut wie alle Spanier lassen früher oder später ihre angebliche Überlegenheit raushängen. Und das schlimme ist, sie glauben es tatsächlich, dass hier alles besser ist. Dabei haben die meisten von ihnen noch nicht einmal ihr Dorf weiter als in einem Umkreis von 80 km verlassen.

Der Spanier ist ja auch ganz stolz auf seine „dieta mediterranea“ (Mediterranische Essensgewohnheit), die ja angeblich so gesund sein soll und in jedem zweiten Werbespot missbraucht wird. Gleichzeitig kommt hier aber ständig in den Nachrichten, dass Spanien das europäische Land mit den meisten übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ist und hier auch sonst relativ viele übergewichtige Personen leben (mir ist das allerdings auf der Strasse noch nie aufgefallen).
Na ja, wie auch immer. Ich finde das Essen hier jedenfalls nicht sehr gesund. Alles schwimmt in Olivenöl, das Gemüse ist totgekocht und oft ebenfalls in Fett ertränkt. Salatteller sucht man in Gasthäusern und Restaurants meist vergebens.
Natürlich gibt es hier, wie auch in jedem anderen Land, superleckere Gerichte, aber irgendein Indiz, dass die spanische Küche über alle anderen erhaben ist, kann ich nicht finden.

Die Spanier sind einfach komplett von sich selbst überzeugt und machen sich nicht einmal die Mühe andere Dinge zu probieren. Ich meine, sie machen diese Feststellungen so als wäre es das normalste auf der Welt und hochwissenschaftlich bewiesen.

Wenn ich es mir genau überlege sind im Gegensatz zum Spanischen die Dialekte im Deutschen schon ziemlich heftig. Im gesammten spanischsprachigen Gebiet auf der Welt, kann man eigentlich alle Regionen und Nationen noch relativ gut verstehen, selbst dann wenn man keine Vorbildung im jeweiligen lokalen Dialekt genossen hat.
Da werden höchstens mal Buchstaben verschluckt, wie z.B. in Andalusien, wo man grundsätzlich was gegen Wortendung zu haben scheint (Andaluz wird zu Andalu oder vamos zu vamo), oder irgendein Laut wird anders ausgesprochen, wie z.B. in Argentinien, wo das ll nicht wie „j“ klingt sondern wie „sch“.

Aber im Deutschen, wo selbst Deutsche bei einem nicht gewohnten Dialekt sehr schnell kapitulieren, haben Ausländer überhaupt keine Chance.
Wie soll man einem Studenten der deutschen Sprache auch logisch erklären, dass z.B. die Bayern sowas wie einen Umlaut nur vom Hörensagen kennen, viel lieber Vokalkombinationen benutzen und diese auch noch ohne jeden Sinn und Regel anwenden.
Nehmen wir nur mal das bei spanischsprachigen Deutschlernenden so beliebte Ü:

grün wird zu grea
Mühe wird zu Miah
Gefühl zu Gfui

Na, Prost Mahlzeit!

Spanien kann sich dafür rühmen vier offizielle Sprachen zu haben. Richtige Sprachen! Und nicht nur popelige Dialekte.
Spanisch (Castellano), Katalanisch / Valenzianisch (Catalan / Valenciano), Baskisch (Vasco bzw. Euskera) und Galizisch (Gallego).

Katalanisch und Valenzianisch sind bis auf ein paar Wörter eigentlich vollkommen gleich und eine Mischung aus Spanisch und Französisch.
Hier bei uns sieht man im Moment überall weihnachtlichen Lichterschmuck der einem „Bon Nadal“ entgegenschreit. Bedeutet „Frohe Weihnachten“ und würde auf Spanisch „Feliz Navidad“ heissen.
In Katalunien ist Katalanisch meiner Meinung nach eigentlich die erste Amtssprache, denn ohne ist man wenn man dort arbeiten und Freunde finden will, ziemlich verloren. Ich spreche aus leidvoller Erfahrung.
In der Comunidad Valenciana dagegen kann man perfekt ohne Valenzianisch durchs Leben schreiten, hier sind die Leute bis auf ein paar Fundamentalisten durch und durch Spanier.

Galizisch ist eine Mischung aus Spanisch und Portugisisch. Wird in Galizien auch gesprochen, aber die Leute dort machen kein solches Theater daraus wie die Katalanen und reagieren sehr verständnisvoll, wenn jemand von ausserhalb kommt und halt „nur“ Spanisch kann.

Baskisch wird ausserhalb der kleinen Dörfer kaum richtig gesprochen wie mir scheint, obwohl es an den Schulen im Baskenland unterrichtet wird. Manche behaupte sogar, dass die Sprach noch vor gut 50 Jahren eigentlich ausgestorben war und künstlich wieder aus der Versenkung geholt bzw. teilweise neu erfunden wurde.
Verwandtschaftsbeziehungen zu Spanisch oder irgendeiner anderen europäischen Sprache kann man lange suchen. Gibts nicht. Selbst hier in Spanien kursieren wilde Annahmen, so habe ich z.B. schon gehört, dass das Baskische in der Satzstruktur angeblich eine gewisse Verbindung zum Finnischen, Ungarischen oder Japanischen hätte.

 

 

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