Schreiben & Lesen


Eines meiner Lieblingsbücher:

Seit ihrer Kindheit fasziniert Ariana das Feuer und das Feuer interessiert sich für Ariana. Sie ist eine Farandula, eine Frau die mit dem Feuer in Kontakt treten und es bis zu einem gewissen Grad kontrollieren kann. Diese Gabe wird von ihrer Umgebung oft missverstanden, für sie jedoch reicht die Verbundenheit zu diesem Element so weit, dass sie sich als erwachsene Frau der Vulkanforschung widmet.

Als 14-jährige verliebt Ariana sich in Amadeo, einen Mann, der mehrere Jahre älter ist als sie und den eine grausame Kindheit zum Aussenseiter gemacht hat. Wie das Feuer ist er gefährlich, seine Mitmenschen verstehen ihn nicht und halten ihn für unkontrollierbar. Ariana und er fühlen jedoch eine Anziehungskraft, die weit über jegliche Äusserlichkeiten hinausgeht. Amadeo besitzt einen Zirkus, der ihn schliesslich zum Ruhm verhilft, der ihn aber auch zwingt, das Leben des Fahrenden Volks zu teilen. Ein Leben, für das Ariana nicht geschaffen ist. So können sie trotz der zärtlichen und exklusiven Liebe, die sie füreinander empfinden und die mit den Jahren, die vergehen, stetig zunimmt, nicht zusammensein.

Alle anderen Männer sind für Ariana nur ein Zeitvertreib und können Amadeo nicht ersetzen. Das bekommt auch Martin, ihr aktueller Freund zu spüren.
Doch auf einer Forschungsreise nach Griechenland, lernt sie Manuel, einen jungen Mexikaner, kennen. Und der berührt eine Seite in ihr, die sie bisher noch nicht kannte.

Feuerfrau ist ein leidenschaftlicher, erotischer und ermutigender Liebesroman über Menschen, die sich nicht in gesellschaftliche Konventionen und Moralvorstellungen pressen lassen, ihre Gefühle ohne Scham ausleben und unbeirrt das Glück auf ihre Art und Weise suchen.

Anmerkung: Leser, die mit expliziten und ausführlichen Sexszenen Probleme haben, sollten natürlich lieber die Finger davon lassen.

Ich bin ein absoluter Fan von Tanya Huffs „Blood“-Büchern (Victory Nelson Private Investigator: Otherworldly Crimes a Specialty), und das wo ich normalerweise mit Fantasy etc. überhaupt nichts anfangen kann.
Aber solltet ihr in den nächsten Tagen mal über den Strand von El Palmar laufen und dort jemanden liegen sehen, der ständig vor sich hingrinst und -lacht, dann bin das mit 99 prozentiger Sicherheit ich.

Es geht in der fünfteiligen Serie um eine halb blinde Ex-Polizistin, Vicky – Victory Nelson, die wegen ihrer chronischen Augenkrankheit aus dem Polizeidienst ausscheiden muss und nun versucht sich als Privatdetektivin durchzuschlagen. Im ersten Buch lernt sie bei einem doch recht ungewöhnlichen Fall Henry Fitzroy, einen Autor von Badewannenromanen und Vampir, kennen, den sie nicht mehr los wird und wenn sie ehrlich ist, auch gar nicht mehr loswerden will. Er ernennt sich selbst zu ihrem Partner und von da an häufen sich die seltsamen Vorkommnisse in ihrer Umgebung. Sie schlittert von einem überirdischen Problem ins nächste. Dass sich die beiden ineinander verlieben, ist ja wohl klar. Das Salz in der Suppe ist dabei Mike Celluci, Vickys Ex-Partner, sowohl bei der Polizei als auch im Privatleben, der es natürlich nicht lassen kann, sich immer wieder einzumischen und dem sie auf sexueller Ebene genau so wenig widerstehen kann wie Henry. Die beiden Männer vertragen sich blendend ;-)

Die Geschichten sind gespickt mit tonnenweise trockenem Humor und Erotik. Vor allem letztere hat Frau Huff in manchen Szenen so gut hingekriegt, dass ich vor ihr nicht nur den Hut ziehe, sondern mich demütig verneige.
Na ja, Blood Trail (das zweite Buch) ist (auch von der Story her) ein bisschen mau, aber Blood Price (erster) und Blood Lines (dritter Band) haben dafür Szenen bei denen ich vor Neid verglühen könnte, dass nicht ich diejenige war, die sie geschrieben hat. Ich bin gerade dabei Band Nummer vier zu lesen und wenn ich mal wieder eine Amazon-Bestellung zusammen habe, wird auch Band Nummer fünf in Auftrag gegeben.

Ich nehme an, dass die Bücher ins Deutsche übersetzt wurden, aber ich würde raten, sie unbedingt im Englischen Original zu lesen. In einer anderen Sprache können sie nur verlieren, wie m.E. übrigens die meisten übersetzten Romane die sehr viel mit Umgangssprache und wörtlicher Rede arbeiten.

Ach ja, das ganze gibt es auch als TV-Serie, Blood Ties, die zwar von den Charakteren her an die Bücher angelehnt ist, mit den Romanen aber sonst sehr wenig bis gar nichts zu tun hat und die, wie sollte es anders sein, viel schlechter bis ziemlich peinlich ist. Auf www.mylifetime.com konnte man eine ganze zeitlang alle Folgen kostenlos übers Internet sehen, aber mir scheint das funktioniert jetzt nicht mehr (zumindest bei mir auf dem Computer nicht), ich stelle den Link trotzdem mal ein, immerhin ist er noch online. Die sehenswerteste ist 5:55. (Ja, ich gebe zu, ich habe sie trotzdem alle gesehen, lief hier in Spanien eine ganze Zeit in bester Sendezeit auf Calle 13. :-D )

Ich muss gestehen, ich war die letzten Wochen ein bisschen durch den Wind und der Juli ist, auch blogmässig, nur so an mir vorbei geflogen.
Das ganze lag teils daran, dass sich mein Körper nicht so ganz an die Sommerarbeitszeit (von 7:00 bis 15:00) anpassen wollte, – ich war ständig müde und lief durch die Gegend wie ein Zombie, eine Stunde Schlaf mehr oder weniger macht einen grossen Unterschied! – und teils daran, dass ich bei meinem Romanprojekt in einer Sackgasse/Sumpf/tiefen Morast steckte und sich alle meine Gedanken auf Tania und Daniel konzentrierten, – na ja, Gedanken ist wohl etwas übertrieben, es war wohl eher ein ziemlich unproduktiver geistiger Leerlauf.

Aber heute ist zum ersten mal wieder ein Montag an dem ich fähig wäre, mich produktiv meinen Brötchenjob zu widmen (wenn ich denn wollte…) . An diesem Wochenende habe ich Tania und Daniel nämlich endlich aus der Sackgasse befreit, ein paar neue Strassen gebaut, Verbindungsknoten und –stellen geschaffen und endlich hat das ganze wieder Struktur. Ich sehe nicht nur ein Licht am Ende des Tunnels, sondern kann zufrieden über einem ganzen Elektrizitätznetzwerk schweben.

Ich bin selbst verwundert, was inzwischen aus diesem Projekt geworden ist. D.h. ich muss gestehen, das Projekt, so wie ich das am Anfang gedacht hatte, existiert inzwischen nicht mehr. Deshalb sollte ich den dazugehörigen Blog auch löschen, denn ich werde keine neuen Teile mehr einstellen. Tut mir leid.

Das ganze ist nun nämlich erstaunlicherweise tatsächlich zu einem Roman geworden und hat sich doch sehr verändert. Ich hatte ja keine Ahnung was für Tiefen und Möglichkeiten hinter diesen oberflächlichen Skizzen steckten. Nun, jetzt steht jedenfalls die Geschichte, grösstenteils ist sie auch schon geschrieben, oder zumindest skizziert und es wäre doch gelacht, wenn ich bis Ende diesen Jahres nicht ein einigermassen ordentliches Manuskript auf die Beine stellen könnte.
Claude: Ich hoffe, damit ist auch deine Frage bzgl. einem etwaigen Veröffentlichungsversuch beantwortet.

Ich weiss, ich schulde euch auch noch einen Reisebericht, aber ich habe es bis jetzt nicht einmal geschafft ein virtuelles Fotoalbum anzulegen. Manchmal muss man der Zeit Zeit geben.
Ach ja, ich bin nun seit letzter Woche auch 30. Vielleicht lag es u.a. auch daran. Diese Schwelle überschreitet man nicht unbedingt frohen Mutes, aber würdevoll, wie es sich gehört. :-)

Monseñor und ich haben ja unser persönliches Stimmungsbarometer (Angaben auf einer Skala von 1 bis 10), das mindestens einmal am Tag ausgewertet wird.
Heute steht es (wenn auch aus verschiedenen Gründen) schlimm um uns, denn die Skala reicht nicht mehr aus um unser Befinden anzugeben.
Monseñor ist O-Ton “hasta los cojones (excuse my French)”
Und ich? Ich warte darauf, dass der Tag irgendwie vorbeigeht.

Dieser frustrierenden Vollzeitbeschäftigung habe ich mich auch schon gestern ohne grossen Erfolg gewidmet. Es gibt einfach zu viele Dinge, die getan werden wollen, denen ich aber so gar keinen Enthusiasmus entgegenbringen kann. Allen voran die Übersetzung einer 13 seitigen Berufung gegen ein Gerichtsurteils vom Katalanischen ins Englische. Seit gestern Nachmittag quäle ich mich unsäglich langsam und von vielen Pausen (Internet, Kaffee, Rechnungen einbuchen, Papiere ordnen, mit China telefonieren, noch nicht fällige Berichte zusammenstellen) unterbrochen von einem Satz zum nächsten.

Que passo a formalitzar el recurs de Suplicació anunciat en el seu dia, contra la Sentència dictada per l’esmentat Jutjat Social, en les referides actuacions.

Sorry, aber ich finde die katalanische Sprache einfach furchtbar. Mir kommt es immer so vor, als hätte da jemand aus reiner Böswilligkeit das Spanische entstellt und dann eine ganze Region dazu gezwungen, diese Wortklumpen so auszusprechen als würden sie gerade ihre eigene Zunge verschlucken.
Ja, ich weiss, alle Sprachen haben ihre Daseinsberechtigung und sind eine kulturelle Bereicherung, aber nicht so lange ich damit belästigt werde!
Ständig pochen die Katalanen darauf, dass sie eine eigene Sprache haben, aber gleichzeitig setzen sie automatisch voraus, dass man perfekt Katalanisch versteht, wenn man Spanisch kann, so als obs die selbe Sprache wäre.
Opportunisten! Ihr dreht euch doch auch nur nach dem Wind!

Ganz abgesehen davon hab ich mal wieder null Bock auf gar nichts. Arbeit ist doch die reine Zeitverschwendung! Ich hätte zu Hause so viel zu tun! Bin nämlich gerade dabei eine ordentliche Grundstruktur für den Roman, den ich mit meinem Romanprojekt (das spätestens nächste Woche wieder online ist, versprochen, hoch und heilig, wirklich, echt und ganz ehrlich!) angefangen habe, auszuarbeiten. Komplexe vielschichtige Figuren mit Vergangenheit, Konflikte, kausale Zusammenhänge…
Dieser ganzen Theorie habe ich mich ja bis jetzt immer verschlossen, da ich mir dachte, die Geschichten erzählen sich schon von selbst und man lernt die Figuren auch als Autor erst so nach und nach kennen. Teilweise ist das natürlich so, aber eben nur teilweise.
Doch nachdem ich mich in den letzten Wochen eingehender damit beschäftigt habe, ist mir klar geworden, was ich bisher alles verpasst habe und vor allem welche Probleme ich mir selbst hätte ersparen können, wenn ich von vorn herein… Aber wie heisst es so schön? Hochmut kommt vor dem Fall.
Über den ganzen Prozess mehr im dazugehörigen Blog. Nächste Woche! Wie gesagt…

Vorher muss ich mir noch einen Teil der Doktorarbeit meiner kleinen Schwester reinziehen und vor allem korrigieren. Es geht dabei um Tests die einen bestimmten Virus im Blut von Vögeln nachweisen bzw. Impferfolge bestätigen sollen.
Na ja, Begriffe wie Enzyme-linked immunosorbent assay oder Haemagglutination inhibition Test, liegen mir immerhin mehr als das verschnörkelte Gebrabbel der Juristen.

Man, es gibt ja wohl nichts schrecklicheres als Montagmorgen.
Schatz rumorte heute schon um 5:00 durch die Wohnung und bis ihn das Taxi um 5:40 endlich abholte, war ich übelst gelaunt. Schlief danach aber trotzdem nochmal ein. Träumte wirres Zeug, ignorierte den Wecker, und als ich endlich die Augen aufschlug, war es schon 07:36.
So morgendliche Träume lassen mich immer vollkommen benommen zurück. Die Dinge die mein Gehirn da entspinnt, sind noch so greifbar und ich kann nicht genau sagen, ob es nicht vielleicht doch wirkliche Erinnerungen sind.
Halb verschlafen quäle ich mich unter die Dusche und brauche für alles eine Ewigkeit. Zerre dann irgendwelche Kleidung aus dem Schrank. Meine Augen sind geschwollen und ich kann das Gefühl, dass mein Körper eigentlich wieder in diese Traumwelt zurückkehren sollte, dass er vollkommen fehl am Platz ist, wenn er nach draussen in die frische Morgenluft geht und über den Parkplatz zum Auto läuft, nicht abschütteln.

Zu meiner Freude, sah ich heute morgen als ich auf das Firmengelände kam, auch noch Chefes Auto dort parken. Normalerweise taucht er nie vor halb zehn hier auf. Warum heute? Warum am Montag?
Nun quäle ich mich schon gut 2 ½ Stunden vor meinem Computer ab und mein Zustand hat sich nicht wirklich verbessert. Meine Augen sind noch immer geschwollen und tränen, ich habe keine Lust mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Träumen oder Geschichten erspinnen, könnte ich dagegen im Moment sehr gut, einfach abtauchen. Aber das darf ich nicht, und so tue ich gar nichts.
Wie war das gleich nochmal? Zu viele Alpha-Gehirnwellen? Angeblich stellen die ja die Verbindung zwischen Wachzustand (Beta) und Traum/Unterbewusstsein (Theta) her.
Ich weiss, dass es ein reiner Willensakt wäre, mich jetzt an die Bearbeitung von ein paar Rechnungen zu setzen. Aber ich will nicht. Mein jetziger Zustand ist zu angenehm.

Dabei wollte ich doch etwas ganz anderes schreiben. Azahar reiss dich zusammen!

Irgendwann vor einigen Jahren habe ich mich nämlich auf dieser Stay-Friends Website eingeschrieben, wo man mit alten Mitschülern in Kontakt treten kann. Nicht, dass ich dort jemals wieder hingeschaut hätte, aber letzte Woche hatte ich eine e-mail von eben jener Website in meinem Postfach, die behauptete, ich hätte eine private Nachricht erhalten. Eigentlich wollte ich das ganze schon in den virutellen Papierkorb befördern, doch irgendetwas veranlasste mich, diese Nachricht dann doch aufzurufen.

Es war ein Werbeschreiben von einem gewissen Book-on-Demand Fachbuchverlag (Name auf Anfrage), der behauptete, er wäre bei einer Recherche an der Bibliothek meiner Uni auf meine Diplomarbeit gestossen (Titel mit Jahresangaben zitiert) und da das Thema in ihr Verlagsprogramm passen würde, wären sie an einer eventuellen Veröffentlichung interessiert.
Was ist denn das bitteschön für eine Art?!
Ja, ich gebe zu, meine Diplomarbeit ist im Bibliothekskatalog meiner Uni zu finden (auch übers Internet) und dass mein Name auf jener Website eingetragen ist, ist nicht zu leugnen, und natürlich war mir schon immer bewusst, dass das Internet jederman zugänglich ist, deshalb habe ich mich bis jetzt auch geweigert bei Facebook oder solchem Zeug mitzumachen, aber diese Art von Werbung finde ich dann doch die Höhe.

Vor allem deshalb, weil dieses Verlagshaus ganz gezielt mit den Hoffnungen der angeschriebenen Personen spielt. Wow toll, die haben mich ausgewählt!
Und wenn diejenige Person dann keine Nachforschungen anstellt, wird sie niemals bemerken, dass genau die gleiche e-mail an alle anderen Absolventen ihrer Universität ebenfalls rausgegangen ist.
Dieser Verlag muss jedenfalls ein Heidengeld mit diesen angeblichen Veröffentlichungen verdienen, damit er sich auf so unseriöse Weise bemerkbar macht, ohne um seinen Ruf zu fürchten. Und vor allem muss ihm das ganze so viel wert sein, dass er sich die Mühe macht, das halbe Internet zu durchsuchen um an die Kontaktdaten der zu ködernden Personen zu kommen.

Nun, auf seiner Website gibt er sich recht aufgeräumt und betont immer wieder, dass es nicht zur Firmenphilosophie gehöre den angehenden Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Veröffentlichung wäre vollkommen kostenlos. 5 Freiexemplare inklusive.
Sucht man nach einem Verlagsprogramm, wird man nur darauf verwiesen, dass alle Bücher bei Amazon etc. erhältlich wären.

Nun, die Meinungen in verschiedenen Internetforen sind nicht unbedingt negativ, für jemanden der unbedingt sein Geschreibsel veröffentlicht sehen will, bitteschön, aber sollte man wirklich ernsthaft eine Publikation anstreben, ist sie bei diesem Verlag vollkommener Unsinn.
Marketing scheint es nicht wirklich zu geben und die Bücher kosten anscheinend am Ende im Handel durchschnittlich so um die 50 Euro. Wer kauft sich sowas, wenn er nicht zufällig gerade händeringend nach Informationen zu diesem einen bestimmten Thema sucht? Mal ganz ehrlich, ein grosser Teil aller Diplomarbeiten etc. die auf dieser Welt geschrieben werden, sind so spezifisch (oder so weit entfernt von jeglichem öffentlichen oder sogar fachlichem Interesse), dass sich ausser anderen Diplomarbeitenschreibern niemand jemals dafür interessieren wird. Und welcher Student hat eben mal 50 Euro locker?

Um ehrlich zu sein, kurz habe ich auch daran gedacht: Wenn mich das ganze tatsächlich nichts kostet, warum nicht? Und wenn ich am Ende des Jahres damit nur ein paar Kröten verdiene, dann zahlt sich die ganze Mühe, die ich mir mit der Diplomarbeit gegeben habe, wenigstens noch ein bisschen aus.
Inzwischen bin ich aber der Meinung, dass ich mich für sowas nicht hergeben kann und will.

Noch ist mir nicht ganz klar, wie dieser Verlag aus der massenhaften Ansammlung von Diplom- / Doktorarbeiten etc. Gewinne zieht.
Tatsächlich durch den Verkauf?
Nehmen wir mal an: Von 100 zum Verkauf angebotenen Büchern/Diplomarbeiten findet eine übers Internet tatsächlich einen verirrten Käufer. Der Verlag zahlt dem Autor 1 Euro dafür oder 10 Cent oder 0,001 Cent, wie auch immer, sagen wir ganz einfach mal, dem Verlag bleiben 49 Euro abzüglich Produktionskosten etc.
Davon kann doch kein Unternehmen leben? Oder macht Kleinvieh tatsächlich so viel Mist?

Ich finde das einfach frustrierend.
Bei Ein Roman in einem Jahr soll man als Übungsaufgabe zu Kapitel 13 einen Text, der in der Vergangenheit spielt, schreiben.

Idee war sofort da:
Die Familien meiner Großeltern (mütterlicherseits) wurden ja aus dem Sudetenland vertrieben und allein das wäre wahrscheinlich schon Stoff genug für einen ganzen Roman.
Das Problem dabei ist nur, meinen Opa habe ich nie kennengelernt und meine Oma redete schon früher nicht gerne darüber. Dabei haben mich diese Geschichten schon als kleines Kind fasziniert.
Für eine Ausstellung in der Schule schaffte ich es ihr einmal den ganzen Verlauf der Vertreibung zumindest im groben zu entlocken, und habe ihn damals auch als Zeitzeugenbericht aufgeschrieben, aber das ist nun schon gute 15 Jahre her und wer weiß wo diese Aufzeichnungen geblieben sind. Erinnern kann ich mich an die Einzelheiten leider nicht mehr.

Versuche ich jetzt etwas darüber zu schreiben, sind da so große Lücken, dass ich nicht weiß, mit was ich sie füllen soll. Ich habe ein paar Stunden im Internet verbracht, aber so richtig brauchbares ist dabei nicht herausgekommen. Ausser dass mir jetzt endlich, nach so vielen Jahren das Grauen und der Schrecken, die die Menschen damals gefühlt haben mussten, so richtig bewusst geworden ist.

Ich weiß nicht, früher habe ich mir da nie so richtig Gedanken drüber gemacht. Die Verbrechen der Nazis wogen einfach schwerer. So schwer, dass alles andere gering genug erschien um unter den Tisch gewischt werden zu können.
Ist es aber nicht, obwohl uns die Medien das vorgaukeln wollen! Menschenrechtsverletzungen bleiben Menschenrechtsverletzungen, egal von welcher Kriegspartei sie begangen werden. Ebenso Misshandlungen, Morde, Folter oder Vergewaltigungen.
Ich kann jetzt endlich verstehen, warum meine Oma die Tschechen immer noch hasst. (Na ja, die Tschechen von damals, die heute können ja nichts dafür). Würde mir jemand alles wegnehmen, was ich habe, obwohl ich gar nichts getan habe, mich nicht einmal am Krieg beteiligt, nein, sogar gegen die Nazis gekämpft habe. Mich dann monatelang in einem Lager festhalten, mich Kälte, Hunger und Demütigungen aussetzen, mich wie Vieh von einem Ort zum anderen transportieren und mich dann irgendwo abladen, nur mit den Kleidern auf dem Leib, dann wüsste ich auch nicht, ob ich das irgendwann verzeihen könnte. Hinnehmen ja, es akzeptieren auch, aber es gutheissen? Niemals!

Ich kann auch verstehen, wie enttäuscht diese Leute sind, dass noch immer niemand über zumindest symbolische Wiedergutmachung spricht, oder dass z.B. das Gesetz, das besagt, dass Verbrechen an Deutschstämmigen, die in dem Zeitraum der Vertreibung geschahen, straffrei sind, in der heutigen tschechischen Republik noch immer gültig ist.

Aber lassen wir das.

Erst jetzt habe ich auch bewusst verstanden, dass ich tatsächlich in einer halb sudetendeutschen Umgebung aufgewachsen bin. All die Verwandten und Freunde meiner Familie, der süße Dialekt, den zumindest meine Oma noch spricht, die Ortsnamen, die sich so vertraut anhören, die ich nie hinterfragt habe, und bei denen es jetzt schwierig ist, sie überhaupt noch auf einer Landkarte zu lokalisieren. Die Bräuche, das was bei uns auf den Tisch kam – wir wurden eigentlich während unserer ganzen Schulzeit von meiner Oma versorgt, Mittagessen gabs immer bei ihr. Der Heimatbrief, den sie immer ganz versunken las und den ich wohl kein einziges Mal aufgeschlagen habe.
Tja, und jetzt ist meine Oma alt und krank, alle anderen nahen Verwandten sind schon tot, oder mir zumindest sehr wenig bekannt, wer kann jetzt noch erzählen? Wer die Geschichte, Traditionen, Rezepte weitertragen?
Von unseren Vorfahren aus der Familie meines Vaters wissen wir so viel, es gibt sogar einen recht guten Stammbaum. Die Familie meiner Mutter ist ein fast gänzlich weißes Blatt.

Ich glaube aus dem Übungstext wird nichts werden. Über etwas, das mir nicht so nahe steht, könnte ich auch etwas zusammenfantasieren, aber in diesem Fall ist das einfach nicht gut genug, würde es meiner Oma nicht gerecht werden.

Ganz abgesehen davon: Natürlich beteilige ich mich gerne an solchen Schreibübungen, aber manchmal ist das ganze so zeitaufwändig, dass ich vor die Entscheidung gestellt werde, mich in meiner doch kurz bemessenen Freizeit diesen Übungen zu widmen, oder meinen eigenen Schreibprojekten. Und ehrlich gesagt, siegen dann meistens meine eigenen Kinder.
Ich frage mich wie die anderen Teilnehmer das machen. Jedes mal in null komma nichts einen Text abliefern und dann auch noch eifrig alle anderen Beiträge kommentieren. Haben die sonst nichts zu tun? Sitzen die den ganzen Tag vor dem Computer? Haben die keinen Brötchenjob? Keine Familie? Keinen Partner? Kein Leben?
Natürlich ist die Schriftstellerei ein recht exklusives Hobby, das schnell alles andere in die Ecke drängt, darüber beklage ich mich auch gar nicht, nur frage ich mich manchmal, was ich falsch mache.
Na ja, vielleicht hätte ich einen reichen alten (sehr alten! so um die 90) Knacker heiraten sollen, der mich aushält und nicht mal mehr auf sexueller Ebene allzu anspruchsvoll ist ;-)

So, ich hab jetzt mal schnell einen Schluss zusammengezimmert. Was haltet ihr davon? Besser mit oder ohne?
Einen ausführlicheren Bericht über den (leider) vergangen Osterurlaub gibt es, sobald mich Chefe, Little Rock und Co mal wieder ein bisschen atmen lassen. Im Moment mache ich nur noch Überstunden.
Haltet die Ohren steif! ;-)
Besos,
sagt Azahar

 

„Das ist nicht wahr, oder?“, stieß Beate hervor und stellte ihre Kaffeetasse so heftig auf den Untersetzer, dass dieser klirrte.
Wir hatten uns wie immer Montagabend in unserem Stammcafé getroffen und ihre Augen waren, während ich ihr das am Wochenende vorgefallene, erzählt hatte, immer größer geworden.
„Ich glaube es einfach nicht“, stöhnte sie noch einmal. „Und was ist dann passiert? Hast du mit Wolfgang Schluss gemacht? Hast du ganz einfach ja gesagt? Und vor allem: Wo war Stefan?“

Bei dem Gedanken daran musste ich, jetzt im Nachhinein, unwillkürlich grinsen, dabei war die Angelegenheit alles andere als lustig.
Wolfgangs Gesichtsausdruck hätte man durchaus mit dem Wort entsetzt beschreiben können, als er mich, auf seinen sicherlich hundertmal geprobten großen Auftritt hin, in Tränen ausbrechen sah.
„Aber Kerstin, was ist denn mit dir?“ Er hatte noch immer vor mir kniend, wie flehend eine Hand um mein Bein gelegt.
Ich war nicht fähig gewesen zu antworten, das Schluchzen war in Schluckauf übergegangen, meine Nase hatte angefangen zu laufen was das Zeug hielt und ganz abgesehen davon, was hätte ich ihm auch sagen sollen?
Fürsorglich wie immer hatte Wolfgang eine Packung Klenex geöffnet und hatte mir dann eines der flauschigen, nach Eukalyptus duftenden Tüchlein gereicht.
In dem Moment hatte es an der Haustür geklingelt.

„Stefan!“, unterbrach Beate aufgeregt meine Erzählungen.
„Nein, noch viel besser“, antwortete ich und konnte den leichten Sarkasmus in meiner Stimme nicht verbergen.

Kaum hatte Wolfgang die Wohnungstür geöffnet, war nämlich kreischend und zeternd eine mir vollkommen unbekannte dunkelhaarige Frau in unseren Flur gestürmt und auf meinen ach so süßen Liebsten losgegangen.
Zuerst war ich ihm ja noch zur Hilfe geeilt, verheult und verrotzt wie ich war, dem Schuft, dem Betrüger, wie die Dunkelhaarige ihn nannte.
Einfach sitzen gelassen, hätte er sie. Das Wochenende, das sie zusammen in Garmisch-Partenkirchen gebucht hatten, mit einer fadenscheinigen Begründung abgeblasen, hätte er.

„Dieses Schwein!“, empörte sich Beate. „Ich hoffe du hast ihm sofort den Laufpass gegeben.“
„Beinahe…“, antwortete ich.

Im schönsten Chaos hatte sich nämlich die Schlafzimmertür geöffnet und Stefan war vollkommen verstruppelt über deren Türschwelle gestolpert.
„Man, Kerstin, was ist den hier los?“, hatte er gemurmelt und sich verschlafen die Augen gerieben.

„Den Rest kannst du dir vorstellen“, sagte ich seufzend zu Beate und nahm einen Schluck von meinem inzwischen kalten Kaffee.
Beate schwieg betreten. „Dann ist es also jetzt tatsächlich aus zwischen euch?“, fragte sie dann vorsichtig.
Ich sah von meiner Kaffeetasse auf. „Vielleicht fängt es auch gerade erst an“, antwortete ich nachdenklich.

Ich stolperte nur mit Pantoffeln an meinen Füßen durch den Dreck. Die vergangenen Tage hatte es geregnet und der Waldboden war vollkommen aufgeweicht.
Das konnte nicht passiert sein! Nicht mir!
Als ich Wolfgangs Auto vor unserem Wohnblock gesehen hatte, war ich in plötzlicher Panik einfach losgelaufen. Wo ich hinrennen wollte, das hatte ich eigentlich gar nicht so genau gewusst, doch dann war hinter der letzten Häuserreihe unserer Wohnsiedlung der Wald in Sicht gekommen und ich hatte ein Ziel gehabt.
Jetzt glitschten meine Füße über nasses Moos, ich rutschte über spiegelglatte Wurzeln, hielt mich an rauen Baumstämmen fest, schürfte mir an ihrer harten Rinde die Handballen auf, griff in niedriges stacheliges Gebüsch.

Endlich war ich vollkommen außer Atem und blieb mit zitternden Beinen stehen. Über mir, in dem Dach aus gerade knospenden Zweigen und Ästen, stritten sich ein paar Vögel. Eine leichte Windbrise fuhr ins Gebüsch und kühlte meine glühenden Wangen, trug den beruhigenden Duft von moosiger, feuchter Erde und den braunen Blättern des letzten Herbstes heran, die sich langsam wieder in Boden verwandelten. Zum ersten Mal seit meiner überstürzten Flucht nahm ich auch das Meer aus zart weißen Buschwindröschen, edel lilanen Leberblümchen und creme- bis tiefgelben Schlüsselblumen wahr, das den Boden überzog und davon erzählte, dass die schlimme Zeit, dass der Winter vorbei war.
Von wegen! Gar nichts war vorbei! Meine Situation wurde mit jedem Tag, mit jeder Sekunde schrecklicher!
Ich stellte fest, dass ich die Papiertüte mit den Brötchen, die ich vom Bäcker gegenüber geholt hatte, noch immer fest an meine Brust drückte.
Was hatte ich bloß getan?
Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Es stimmte schon, dass Wolfgang und ich uns in letzter Zeit oft stritten. Ich hatte ihm ein ums andere mal vorgeworfen, dass er sich keine Zeit für mich nehmen würde, und er hatte sich im Gegenzug darüber beschwert, dass ich eh ständig nur rumnörgelte.
Jetzt im Morgenlicht betrachtet, musste ich mir eingestehen, dass wir wohl beide irgendwie Recht hatten.
Mich fröstelte plötzlich. Die Sonne stand noch tief und wärmte nicht, auch wenn ihre orangeroten Strahlen durch das Geflecht aus so gut wie laublosen Zweige drangen und die Frühlingsblumen am Boden, diese zarten pastellfarbenen Wesen, mit einem glitzernden Film benetzten. Schon als kleines Mädchen hatte ich es nicht über mich bringen können, sie zu pflücken, um meine Mutter wie andere Kinder mit einem kleinen Strauß zu erfreuen. Diese unschuldigen, verletzlichen Pflänzchen mussten beschützt werden. Ich hatte schon immer ein Herz für leblose Dinge gehabt, zwischenmenschliche Beziehungen machte ich dagegen ein ums andere Mal ohne mit der Wimper zu zucken kaputt.

Beate, meine beste Freundin, hatte mich ausgelacht, als ich ihr vor ein paar Wochen von meinen Sorgen erzählt hatte: „Kerstin, Süße, sowas nennt man gemeinhin Frühlingsgefühle. Mach dir keine Gedanken, das geht vorbei.“
Das geht vorbei. Aber ja!
Stefan hieß er, der Unglückselige. Er war einer meiner überwiegend männlichen Arbeitskollegen, und saß nun schon seit gut zweieinhalb Jahren mir schräg gegenüber, an dem Schreibtisch am Fenster. Er hatte mir schon vom ersten Moment an gefallen, das gebe ich gerne zu, da ist ja auch gar nichts verwerfliches dran. Auch nicht an der Tatsache, dass er die ganzen zweieinhalb Jahre lang keinen Hehl daraus gemacht hatte, was er für mich empfand.
„Ach Kerstin, wenn ich Sie sehe, scheint sofort die Sonne“, hatte er mich des öfteren zu begrüßen gewagt.
Ich hatte ihm zweieinhalb Jahre lang tapfer kumpelhaft die kalte Schulter gezeigt. Ich war doch verliebt in meinen Wolfgang und hätte ihn nie, – nie und nimmer!, gegen jemand anderen eingetauscht. Meinen süßen Wolfgang mit seinen braunen Haselnussaugen und den Grübchen, die sich in der Nähe seiner Mundwinkel formten, wenn er lächelte.
Aber irgendetwas war in den letzten Wochen passiert.
„Beziehungskrise nennt man das“, hatte mich Beate belehrt. „Das kommt in den besten Familien vor. Morgen wirst du schon darüber lachen.“
Beziehungskrise, Frühlingsgefühle, was auch immer. Bis ich mir dem ganzen so richtig bewusst geworden war, hatte ich schon angefangen hemmungslos mit Stefan zu flirten.

Inzwischen wusste ich natürlich auch warum. Dafür hätte ich nicht Beate zu fragen brauchen. Rächen hatte ich mich gewollt. An meinem süßen Wolfgang.
Wo bitteschön verbrachte er all diese Abende, all die Nächte, in denen er erst nach Mitternacht nach Hause getaumelt kam, in denen ich allein in unserer gemeinsamen Wohnung saß, auf ihn wartete, zu viel Schokolade aß, mir die schrecklichsten Dinge ausmalte: Er, im Bett mit einer anderen, nackt; er, im Auto mit einer anderen, zurückgeklappte Vordersitze; er, in einem schummrigen Restaurant mit einer anderen, die Hände auf ihren Oberschenkeln. Wie oft hatte ich mich in diese Gedanken so sehr hineingesteigert, dass ich ins Bad gehen musste, weil ich dachte, ich müsste mich übergeben?

Und gestern nun hatte sich die Gelegenheit geboten, nein, sie hatte sich nicht nur geboten, sondern sich schon Tage vorher direkt angebiedert.
Wolfgangs Hockeyverein hatte ein Spiel in Düsseldorf, was bedeutete, dass er das ganze Wochenende unterwegs sein würde, und Beate hatte sich natürlich schon seit Tage einen Spaß daraus gemacht, mich anzustacheln.
„Das ist die Chance!“, hatte sie mir immer wieder zugeflüstert. „Wir Frauen haben alles Recht der Welt uns zu vergnügen, die Männer tun das schließlich auch schon seit biblischen Zeiten.“
Sie hatte mich gepiekst und gepiesackt wie der Picador den Stier.
„Nimm ihn! Stefan wartet doch nur darauf! Wann wirst du schon noch einmal so eine Gelegenheit haben?“

Und ich? Ich verdammter Idiot hatte mich dazu überreden lassen am Freitagabend, kaum dass Wolfgang abgereist war, mit Stefan essen zu gehen.
Und dann war eines zum andern gekommen und wir hatten es in unserer, in Wolfgangs und meiner, Wohnung getan. ES!
So blöd kannst auch bloß du sein!, schalt ich mich ein ums andere mal, während die Sonne langsam höher stieg und wühlte meinen rechten Pantoffel in den Dreck. Wenn man fremdgeht, tut man das doch nicht bei sich zu Hause, deshalb heißt es ja auch FREMDgehen! Mensch Kerstin!

Nun, andererseits durfte ich mich nicht beklagen, die Nacht war heiß gewesen, ich hatte meinen Spaß gehabt und Stefan hatte sich als so liebenswürdig erwiesen, dass ich ihm schließlich vorgeschlagen hatte, – und das war von allen meinen bescheuerten Ideen die dümmste gewesen, ihn zum Frühstück einzuladen.
Nur schnell frische Semmeln vom Bäcker gegenüber hatte ich holen wollen.
Doch als ich mit dem warmen duftenden Gebäck wieder auf die Straße getreten war, hatte ich Wolfgangs Auto vor der Haustür gesehen.
Kurzschluss, Panik.
Die Tüte mit den Brötchen noch in der Hand war ich losgestürmt.

Und nun stand ich hier, in diesem dummen Wald. Über mir sangen, zwitscherten und jubilierten die Vögel und an meinen Füßen hatte ich nur die Pantoffeln.
Was sollte ich Wolfgang erzählen, wenn er mich, den halbnackten fremden Mann am Kragen gepackt, zur Rede stellen würde?
Hilfe, Einbrecher?
Hilfe, Sittenstrolch?
Natürlich würde ich Wolfgang sofort alles gestehen, auf die Knie würde ich fallen und ihn um Verzeihung bitten. Falls er überhaupt noch da wäre, wenn ich nach Hause käme.
„Hört auf zu singen, ihr blöden Viecher!“, brüllte ich in die Äste, aber die kleinen Schreihälse ließen sich nicht stören.
Natürlich tat es mir leid.
Wolfgang, Liebster! Du kannst dir gar nicht vorstellen wie sehr! Ich schmiegte mich an die inzwischen ausgekühlten Brötchen.
Gleichzeitig wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass Wolfgang seine Sachen gepackt hätte und schon gegangen wäre, ohne Gruß, ohne den stilgerechten Zettel auf dem Küchentisch. So dass ich ihm erst gar nicht gegenüberzutreten bräuchte.
Oh, ich hätte ihn so gerne um Verzeihung gebeten, jetzt, sofort, aber vielleicht hätte er mich nicht einmal ausreden lassen.

Etwas später steckte ich den Schlüssel in das Schloss unserer Wohnungstür und biss mir auf die Lippen. Ich war in einer Art Schockzustand, in dem ich weder zittern noch weinen konnte.
Von drinnen drang kein Geräusch. Ob Wolfgang wohl tatsächlich gegangen war?
Sein Auto stand aber noch unten.
Ob er Stefan erwürgt hatte und jetzt mit einem Messer in der Hand hinter der Tür auf mich wartete? Fest in das dicke Gewühl aus Jacken und Mänteln an der Garderobe gepresst?
Entschlossen stieß ich die Tür auf. Ich hatte das Schicksal herausgefordert, es hatte mir geantwortet, jetzt war nichts mehr zu machen.
„Kerstin?“, hörte ich jemanden aus der Küche rufen und erschrak so sehr, dass ich den Schlüssel fallen lies.
Es war Wolfgangs Stimme und sie klang fröhlich.
Das war kein gutes Zeichen.
Ich antwortete nicht, sondern taumelte in die Richtung aus der seine Stimme kam. Kalter Angstschweiß überzog meinen Rücken.
„Da bist du ja endlich!“ Wolfgang kam mir übers ganze Gesicht strahlend entgegen. „Überraschung!“, rief er dann und sprang mit ausgebreiteten Armen vor mir auf und ab wie ein schlechter Showmaster.
Meine Beine wurden schwach, aber ich hielt mich aufrecht, die inzwischen vollkommen verbeulte Brötchentüte fest an mich gedrückt.
„Wo warst du denn? Was ist denn mit dir?“, fragte Wolfgang erstaunt.
Wo war Stefan?
Hatte Wolfgang tatsächlich nichts bemerkt?
„Brötchen holen“, flüsterte ich und kam mir unendlich dämlich vor.
Wo zum Teufel war Stefan?
Was wurde hier gespielt?
„Na, nun komm schon!“ Wolfgang fasste mich an der Hand und zog mich lachend hinter sich her in die Küche.
Ich stolperte mehr, als dass ich ging, stellte fest, dass der flauschige Stoff meiner Pantoffeln vollkommen mit Dreck verkrustet war.
Irgendetwas stimmte hier nicht!
Auf dem Küchentisch schrie mir ein riesiger Strauß roter Rosen entgegen. Sie wirkten obszön im Vergleich zu den schüchternen Frühlingsblumen, die mich gerade eben noch umgeben hatten.
Ich wollte mich nur noch setzen.
„Ich habe eine Überraschung für dich!“ Wolfgang war noch immer ganz aufgeregt und ich begann zu begreifen, dass er tatsächlich nichts mitbekommen hatte.
Aber wo, verdammt, war dann Stefan?
Noch irgendwo hier versteckt?
Nein, unmöglich, das Leben schreibt keine so schlechten Filme.
Etwa abgehauen, während ich Brötchen holte?
Das Schwein!
„Nun stell doch mal die Tüte weg, und setzt dich hin!“
Ich ließ mir von Wolfgang die zerknautschte Papiertüte aus der Hand nehmen und setzte mich mechanisch auf den Stuhl, den er mir unter dem Tisch hervorgezogen hatte.
Das konnte alles gar nicht wahr sein! Plötzlich hätte ich am liebsten geweint.
„Kerstin!“ Wolfgang kramte in seiner Hosentasche und ich stellte fest wie nervös er war.
Und dann kniete er auch schon vor mir. Zwischen seinen Fingern sah ich etwas glitzern und Tränen schossen mir in die Augen. Ich schluchzte laut auf, als er die Worte aussprach:
„Willst du mich heiraten?“

Es regnet, es ist eisig kalt und es ist natürlich Montag. Dabei war das Wochenende doch so schön. Samstag haben wir den halben Tag im Bett vergammelt und die andere Hälfte vor dem Fernseher auf der Couch.
Abends im Kino lief „No Country for Old Men“. Nicht ganz mein Geschmack, zieht sich ziemlich. Ein alter Sherrif fühlt sich mit einem brutalen skrupellosen Mörder aus der Dorgenschmugglerszene überfordert.

Am Sonntag dann war ich nach ganzen zwei Monaten ärztlicher Zwangspause endlich wieder reiten. So schön es war, meine untrainierten Muskeln beschwerten sich heute morgen als ich aus dem Bett kroch heftigst, und ich watschle nun schon den ganzen Tag mit O-Beinen durch die Gegend, so als ob ich, na ja, noch immer ein Pferd dazwischen hätte.
Stilgerecht kam ich heute vormittag also nicht nur wegen der schlechten Witterung mit Jeans und Cowboystiefeln ins Büro.

Ansonsten umgibt mich wie immer der ganz normale alltägliche Wahnsinn. Der Hit war heute Karate Kid, der 20 Minuten lang verzweifelt versuchte, sich über die Videoanlage in eine Konferenz einzuwählen, bis er kapierte, dass es eine Telefonkonferenz und keine Videokonferenz war.

Chefe hat Probleme zu Hause, das sehe ich ihm ganz deutlich an. Begonnen hat das ganze letzte Woche mit einem überraschenden Anruf der Schule, in der seine zwei Sprösslinge mehrsprachig aufwachsen. Am Freitag kam er unangekündigt nicht ins Büro und auch heute ist er mit den Gedanken ganz wo anders.
Hat da einer von Daddys Lieblingen etwa was ausgefressen?
Na ja, ich mische mich nicht ein. Wenn es wirklich was spannendes zu hören gibt, sickert es eh irgendwann durch. Ich halte es da mit den Geiern, ich kann warten.

Gelesen habe ich auch was. Nämlich „Wer ist eigentlich Paul?“ von Anette Göttlicher. Und ich muss gestehen, es ist bei weitem das langweiligste Buch, das ich ich mir seit Jahren zu Gemüte geführt habe.

Marie ist verliebt in Paul, doch Paul reagiert nicht wirklich auf ihr Ansinnen und zeigt ihr bis auf ein paar heisse Stunden Sex (so alle zwei Monate einmal) ein ganzes Jahr lang die kalte Schulter. Der Leser darf somit verfolgen, wie Marie ein ganzes Jahr lang leidet, sich das Gehirn zermartert und Dinge ohne Paul unternimmt um sich abzulenken.
Tja, und das war sie dann auch schon die Handlung.

Ich gebe zu, das ganze ist recht witzig geschrieben, aber bis auf die paar Erinnerungen an meine Heimat Bayern, die Berge und das Skifahren, hat das ganze bei mir null Emotionen hervorgerufen.
Dass ich es bis zum Ende gelesen habe, ist nur der Tatsache zu verdanken, dass ich mir dachte, ich könnte vielleicht was draus lernen und zwar, wie man ein Buch nicht schreiben sollte. (Und ein klitzekleinbisschen deshalb, weil ich tief in meinem Herzen dachte, ich geb ihr nochmal eine Chance, vielleicht wird es ja doch noch irgendwann spannend.)

Schon auf der ersten Seiten dachte ich, hey das ist doch wohl eine schlechte Kopie von Mondscheintarif (mit Betonung auf schlecht). Dreist fand ich dann aber, dass die Autorin sich auch immer wieder auf diesen Bestseller von Ildiko von Kürthy bezieht (was im Moment leider alle Autorinnen tun, die glauben sie seien toll. Ich finde das einfach nur abartig einfallslos).

Das Buch ist angeblich aus einem Blog heraus entstanden. Na ja, als Blog mag das ganze vielleicht auch funktioniert haben, denn einzeln genommen sind die Momentaufnahmen von Maries Leben ja auch ganz witzig, aber als Geschichte mit Höhepunkten und Spannungskurve ist das ganze absolut ungeeignet.

Man, man, man, typisch Montag.
Heute morgen gab es mal wieder ein absolutes Verkehrschaos. Nein, nicht etwa, weil irgendwo ein schlimmer Unfall passiert, oder weil eine Brücke eingestürzt wäre, sondern weil es Nebel hatte. Gaaaanz viel Nebel, ganz schlimmen bösen Nebel, nur ungefähr 30 – 40 Meter Sichtweite.
Meine Güte, das ist für mich kein Nebel, das ist nichts weiter als ein bisschen Dunst! Nebel hat es, wenn man kaum mehr die Rücklichter des vorausfahrenden Autos sehen kann. Dann ist ein Verkehrschaos gerechtfertigt, aber doch nicht bei dem bisschen Wasserdampf.
Nun, die Spanier sahen das anders und sperrten auch gleich noch den Flughafen in Valencia für den Rest des Vormittags. Und dass wo ich heute Leute verschiffen, bzw. verfliegen sollte.

Und gerade eben, als ich sie endlich in der Luft hatte, bekam ich aus England einen Anruf, dass der Flughafen von Newcastle, zu dem sie eigentlich fliegen sollten, wegen starkem Schneefall bis auf weiteres geschlossen ist und deshalb ihre Anschlussflüge evtl. gecancelt, bzw. zu anderen Flughäfen umgeleitet würden. Na super.
Ich hätte im Moment gute Lust sie ihrem Schicksal zu überlassen, immerhin sind es erwachsene Männer, die alle hohe Posten innehaben, und somit dazu fähig sein sollten, mit solchen Widrigkeiten des Schicksals umzugehen. Aber dafür werde ich leider nicht bezahlt, und da das Rennschwein, das sich leider auch in eben diesem Flugzug befindet, ein offiziell registrierter Hysteriker, mit Hundemarke, Hysterikerausweis und allem drum und dran, ist, werde ich wohl genaueres herausfinden müssen, um ihn bei seiner Zwischenlandung in Paris die nötigen Informationen durchzugeben.

Chefe dagegen scheint mir, bringt seinem Job nicht mehr den nötigen Ernst entgegen. Heute Vormittag tauchte er nicht im Büro auf und bequemte sich erst mittags anzurufen und mir mitzuteilen, dass er eben mal einen Familienausflug nach Barcelona machte (zum WSS – Shoppen höchstwahrscheinlich) und dass er heute nicht vorhätte in die Arbeit zu kommen, wir könnten ihn ja auf dem Handy erreichen.
Na toll, das mach ich demnächst auch so. Bleib einfach zu Hause und wenn was ist, kann er mich ja anrufen.

Ansonsten kann ich nun von mir behaupten Tannöd von Andrea Maria Schenkel gelesen zu haben.
Es ist gut, das Buch. Die Geschichte fast bis zum Ende, wo man schliesslich erahnt, wer der Mörder ist, spannend. Es hat Lokalkolorit, die Autorin bringt die Personen zum Sprechen, fällt deshalb aber nicht in unverständlichen Dialekt.

Ein Geniestück, wie im Klappentext behauptet, finde ich es aber nicht. Ein Krimi halt, und Punkt. (Wobei ich gestehen muss, dass Krimis mich noch nie besonders inspiriert haben, und ich deshalb kaum welche lese.)
Und weil wir gerade beim Wort Punkt sind: Frau Schenkel hat die Geschichte sehr schnell dorthin gebracht, – auf den Punkt -, ohne sich lange irgendwo aufzuhalten.
Andere Autoren würden das, was sie geschrieben hat, vielleicht als Grundgerüst benutzen, um darum einen Roman aufzubauen.

Damit will ich nicht sagen, dass ich das schlecht finde. Auch in der Kürze liegt manchmal die Würze. Nein, finde ich überhaupt nicht schlecht. Is halt so. Aber was Besonderes? Nein, finde ich nicht. Ganz im Gegenteil, irgendwie habe ich das Gefühl, man hätte mehr aus dieser Geschichte machen könnten.
Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache. Ihr dürft mir gerne die Meinung sagen.

Nächste Seite »