(Jugendroman)
Klappentext:
Johanna und Amalia sind beste Freundinnen, machen alles zusammen, teilen alles und haben keine Geheimnisse voreinander. Das dachte zumindest Amalia.
Doch im letzten Schuljahr, kurz vor dem Abitur, muss sie feststellen, dass sie keine Ahnung vom wirklichen Leben ihrer Freundin hatte.
An einem kalten Dezembertag, lernt Amalia Kuma kennen, einen jungen Mann, von dem Johanna, ein Einzelkind, behauptet, er wäre ihr Bruder und der Amalia immer mehr Dinge über Johannas Vergangenheit offenbart, die sie lieber gar nicht wissen möchte.
Amalia erkennt, dass ihre Freundin in größter Gefahr schwebt. Verzweifelt versucht sie ihr zu helfen, doch sie muss erkennen, dass sie Johanna nicht halten kann und dass diese ihr immer weiter entgleitet.
Anmerkung der Autorin:
Das ganze war von vornherein als Jugendbuch geplant. Die Idee und die erste Fassung davon, sind entstanden, als ich selbst noch zur Schule ging und so ca. 16 Jahre alt war. Entsprechend viel musste ich umschreiben und muss noch immer geändert werden.
Leseprobe:
Der Abend damals fing mehr oder weniger harmlos an. Es war die letzte Sommerferienwoche, und Gewitter mit Hagel wurden im Wetterbericht angekündigt. Ich war zwölf und seit ich denken konnte, hatte ich sehnsüchtig darauf gewartet einmal richtigen Hagel zu erleben. Wie konnte es etwas spannenderes geben, als, laut meiner Tante tennisballgroße, Eisklumpen, die vom Himmel fallen, Löcher in Autos schlagen und auch sonst eine ganze Menge Zerstörung anrichten? Meine Tante, die nur wenige Wochen zuvor das Glück gehabt hatte, einem solchen Naturereignis beizuwohnen, hatte ein paar der Monsterhagelkörner zu Demonstrationszwecken für uns in einer Plastiktüte im Gefrierfach ihrers Kühlschranks aufbewahrt. Ich persönlich fand zwar, daß diese unförmigen Eisklumpen für Tennisbälle entschieden zu klein waren, aber meine Tante entfachte mit ihrem leicht beleidigten Kommentar, daß sie halt schon etwas geschmolzen wären, meine Hoffnungen erneut. Und jetzt, jetzt sollte ich endlich selbst das Vergnügen haben. Sei mir willkommen oh du Hagel!
Meine Mutter und meine Oma deckten die Gemüsebeete im Garten ab und versuchten verzweifelt in der Garage Platz fürs Auto zu schaffen. Meine Schwestern und ich waren natürlich keine große Hilfe, wir waren viel zu aufgeregt.
Als die Luft draußen still wurde, fast unheimlich bewegungslos und eine schwarze Wolkenwand tief am Himmel stand, waren alle Arbeiten beendet und wir drinnen im Haus sicher hinter verschlossenen Türen und Fenstern verstaut. Wir klebten an den Fensterscheiben und hielten nach gelbem Himmel Ausschau. Eine gelbliche Färbung war, wie wir aus einer hoch wissenschaftlichen Unterhaltung zwischen unserer Oma und der Nachbarin herausgehört hatten, ja bekanntlich ein untrügbares Zeichen dafür, daß es mit absoluter Sicherheit hageln würde.
Doch der Himmel wurde nicht gelb, nur dunkler und dunkler. Und plötzlich war der Wind da. Zerriss die Stille, fuhr in die Bäume und zerrte an ihren Zweigen. In kürzester Zeit lag ein Tosen in der Luft, das man nur am Waldrand hört. Ein Geräusch, das mir die kleinen Härchen an den Armen aufstellt, das mir so vertraut ist wie ein Wiegenlied. Ich konnte nicht mehr an mich halten, riß die Terrassentür auf und stürzte hinaus. Stand in der starken Luft, in den wirbelnden Blättern, den lauten Stimmen der Bäume, die nichts übertönen kann. Der Wind zerrte an meinen Kleidern, die Luft die mich umgab war greifbar, verfestigte sich zu immer neuen Formen. Die Faszination des Schrecklichen? Nein, nichts war schrecklich. Da war nur ein ungeheuere Wille, der aus jedem Molekül sprach, der meine Haare bewegte, grausam, kontrollos, ein herbes Streicheln, dem ich mich nicht widersetzen konnte. Meine Mutter zerrte mich schließlich gewaltsam nach drinnen. Aber ich war ihr nicht böse, fühlte nur meine kalte Haut als ich in das windgeschützte Haus trat.
Es hagelte nicht. Das Gewitter war heftig, es regnete in Strömen und ein orkanartiger Sturm heulte ums Haus der schließlich einen Baum am Waldrand umriß. Aber es hagelte nicht.
Der Baum fand sein Ende auf dem Gartenzaun unserer Nachbarn, und kaum daß Sturm und Regen etwas nachgelassen hatten, waren wir schon draußen in der eisigen Nässe. Der Baum lag quer über dem Weg der unser Grundstück vom Wald trennt und hatte den Zaun bis zum Boden hin eingedrückt. Die Äste der Krone waren greifbar, der Himmel ein Stückchen näher, im großen und ganzen ein erregender Anblick, verboten und doch schon längst unser Eigentum.
Die Kinder des Nachbarn waren der selben Meinung. Die glitschigen Äste und der Stamm waren schnell erklommen, trotz der grausam stacheligen Nadeln. Zwischen den nassen Zweigen empfing uns ein harzig, klebriger, moosiger Atem.
Und dann war da der Hund. Ich weiß nicht mehr wer ihn zuerst entdeckte, aber ein bedrücktes Schweigen legte sich über alle Anwesenden. Die kleinen Kinder saßen mit großen Augen vor dem sich windenden Fellbündel und die Erwachsenen vergaßen, daß sie die Stadt verklagen wollten, weil sie sich nicht bei Zeiten um morsche alte Bäume kümmert.
Der arme Hund, wie er litt! Oder litt er schon nicht mehr? Ich war plötzlich so von Mitleid erfüllt, kniete mich zu ihm in den Dreck, legte eine Hand auf seinen verschmutzten zuckenden Kopf. Ich wußte, daß die Hundeaugen mich nicht sahen, der Hund mich nicht spürte, aber er wußte, daß ich da war.
„Er ist tot, Amy.“ Der Nachbar versuchte mir über den Kopf zu streichen und mich von dem jetzt stillen Körper wegzuzuziehen.
Ich duckte mich unter seiner Hand weg, „Helft mir doch!“ ich war erstaunt wie fest meine Stimme klang, und begann an den schweren Ästen die sich in den schlammigen Boden bohrten zu zerren.
Mechanisch packte der Nachbar mit an und schließlich konnte ich den leblosen Hund aus seinem letzten Gefängnis befreien. Während die anderen schlotternd in der kalten Regennacht standen, zog ich ihn auf meine Knie und hob ihn dann auf. Die anderen Kinder umringten mich sofort.
„Amy!“ die Stimme meiner Mutter klang vorwurfsvoll.
„Muß doch jemandem gehören“, sagte die Nachbarin.
Und die allgemeine Erstarrung löste sich.
„Zeig mal!“ der Nachbar nestelte am Halsband.
Der Hund war schwer in meinen Armen. Er trug eine Marke, natürlich. Schoßhündchen wie ihn würde man schwer als Streuner finden.
Um zehn stand ein Mädchen vor unserer Haustür. Unsere Augen maßen sich.
„Und wie gefaßt sie war“, sagte meine Mutter später.
Sie wollte nicht reinkommen und so übergab ich ihr den Hund auf der Schwelle.
„Unverantwortlich, das arme Kind allein loszuschicken.“ schimpfte meine Mutter und beschloß, daß wir Johanna, ja so hieß sie, nach Hause begleiten mußten.
Es hatte aufgehört zu regnen. Der weiße nasse schwere Kopf des Hundes schlief tief und fest auf ihrem Arm während unser kleiner Trauerzug sich schweigend durch die wenigen grabesstillen und leeren Straßen unserers Dorfes vorwärts bewegte.
Der Empfang in ihrem Haus war kalt. Die Mutter war hysterisch und wollte das tote Tier nicht in ihren vier Wänden haben, der Vater, ein seriöser Mann, flöste mir Angst ein und zum ersten Mal an diesem Abend begann ich zu frösteln.
Johanna wohnte seit Anfang der Ferien bei uns im Dorf, ihre Eltern hatten das seit Jahren leerstehende Haus am Ortsrand gekauft, dessen Garten wir schon hundertmal durchforscht hatten. Natürlich wußten wir, daß dort jetzt jemand wohnte, die langsamen Veränderungen die an Haus und Grundstück vor sich gingen, waren uns nicht verborgen geblieben, genau so wenig wie das fremde Auto das schließlich immer öfter in der Einfahrt stand. Als dann irgendwann auch Nachts Licht in den Fenstern zu sehen war, wußten wir, daß ein weiteres Paradies verschwunden war. Aber das allein war nicht der Grund dafür, daß wir das Interesse an diesem Ort verloren. Kinder haben ein Gefühl dafür wo sie nicht willkommen sind.
Was ich bis heute nicht verstehen kann, ist jedoch, warum Johanna uns in den sechs Wochen Ferien kein einziges Mal begegnet war.
November 29, 2007 at 6:58
Sehr gut! Gefällt mir fast am besten von dem was ich bei dir gelesen habe. Heißt das Jugendroman wegen der Zielgruppe oder hast du ihn in deiner ’späten’ Jugend begonnen?
btw: Schau mal ob du eine Kommentarerinnerung findest. Ist ein Plugin, dass sich leicht aktivieren oder nachrüsten lässt und dem Kommentator ein Mail sendet, wenn weitere Kommentare geschrieben wurden.
November 29, 2007 at 9:18
@ Ruwen
Wau, du hast wirklich alle meine Seiten durchgelesen?! Hut ab!
Seltsam, dass dir genau dieser Text am besten gefällt, das ganze wurde von mir schon immer als eine Art Stiefkind behandelt.
Jugendroman deshalb, weil er für Jugendliche gedacht ist (aber sowas kann sich schnell ändern). Die Idee dafür und ca. 100 Versionen gibt es aber auch schon seit meiner „Jugend“, na ja, seit meinem 16. Lebensjahr, insofern würde auch die zweite Vermutung zutreffen.
Im Grunde ist ein Grossteil des ganzen seit Jahren unüberarbeitet. Das was es hier zu lesen gibt, sind die ersten paar Seiten, die ich bevor ich sie online stellte im Schnelldurchlauf einer Generalüberholung unterzogen habe.
Mal sehen, ob du das ganze auch noch interessant findest, wenn ich eine kurze Zusammenfassung des Inhalts geschrieben habe. Vielleicht erwartest du ja jetzt eine ganz andere Story?
Plugin? Allein der technische Klang des Wortes schreckt mich schon ab!
Aber ich werde sehen ob ich sowas finde … und ob ich vor allem danach auch fähig bin, das ganze hier einzubauen